"Eine gute Chance"

TRIER-NORD. (QO) Deutsch lesen und schreiben können – das ist nicht selbstverständlich in Deutschland, vor allem für Migranten. Der Ausländerbeirat bietet daher einen kostenlosen Kurs im Rahmen eines "Los"-Projekts an.

 Mit viel Fleiß und Spaß bei der Sache: Die Teilnehmerinnen des Alphabetisierungskurses mit Maria de Jesus dos Santos Duran Kremer (Zweite von links) und Dozentin Ute Kreisel-Korz (rechts). TV-Foto: Dorothee Quaré-Odenthal

Mit viel Fleiß und Spaß bei der Sache: Die Teilnehmerinnen des Alphabetisierungskurses mit Maria de Jesus dos Santos Duran Kremer (Zweite von links) und Dozentin Ute Kreisel-Korz (rechts). TV-Foto: Dorothee Quaré-Odenthal

Die Stimmung im Raum "Knopf" im Bürgerhaus Trier-Nord ist locker; die Frauen lachen und scherzen, als sie von Maria de Jesus dos Santos Duran Kremer, der Vorsitzenden des Trierer Ausländerbeirates, für die Projekt-Dokumentation fotografiert werden. Der Alphabetisierungskurs wird als "Los-Mikroprojekt" gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und aus dem Europäischen Sozialfonds. Die neun Teilnehmerinnen sind mit Eifer bei der Sache und freuen sich über die Chance, die ihnen der kostenlose Kurs bietet.Ziel: Den eigenen Kindern helfen können

"Guten Morgen Trier!" schreibt Julie an die Tafel. Sie stammt aus dem Kosovo, hat zwei Kinder und möchte gerne wieder berufstätig sein. "Ich finde den Kurs sehr schön, er ist eine sehr gute Chance", sagt sie. Ein dreimonatiger kostenpflichtiger Kurs habe ihr nicht so viel gebracht. "Ich möchte gerne meinen Kindern mit der deutschen Sprache helfen können", sagt Sausan, die aus dem Libanon stammt. Auch ihre Mutter Kaossar ist Kursteilnehmerin. Sihana aus dem Kosovo ist seit dreizehn Jahren hier und befindet sich in einer Ausbildung zur Krankenschwesternhelferin. "Ich komme gern hierher", sagt sie. "Ich möchte mein Schreiben verbessern, um bessere Zukunftschancen zu haben." Weitere Teilnehmerinnen kommen aus Mazedonien und der Türkei. Auch eine deutsche Mutter zweier Kinder ist mit dabei. "Ich möchte nochmal ins Berufsleben einsteigen. Da schadet es nicht, das Lesen und Schreiben noch zu verbessern", sagt sie. Kein Mann im Kurs - doch das ist nur Zufall

Dreimal in der Woche treffen sich die Frauen unter Leitung von Ute Kreisel-Korz aus Saarburg. Dass keine Männer dabei sind, ist eher Zufall. Maria de Jesus dos Santos Duran Kremer wundert sich allerdings kaum darüber: "Die Frauen sind oft diejenigen, die auf der Strecke bleiben", sagt sie. Und sie verspricht: "Ich werde alle Türklinken putzen, um Geld für solche Kurse zu bekommen." Sie würden im Sommer gerne weitermachen, betonen auch alle Teilnehmerinnen. Ute Kreisel-Korz bietet bereits seit Jahren Alphabetisierungskurse an. "Die Teilnehmer wirken am Anfang oft unsicher und ohne Selbstwertgefühl", sagt sie. "Wenn sie im Lesen und Schreiben einigermaßen sicher sind, haben sie sich zu ganz anderen Persönlichkeiten entwickelt, die selbstbewusst ihre Meinung vertreten." So weigerte sich Kaossar anfangs, zur Tafel zu gehen. "Nun kriegen wir sie hier gar nicht mehr weg", sagt eine Teilnehmerin, und alle lachen.

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