Eine kleine Nachtmusik

In der prachtvollen Kulisse des Weingutes von Othegraven haben 130 Zuhörer einen perfekten Spätsommerabend erlebt. Auf Einladung des Mosel Musikfestivals spielte das Ensemble German Hornsound, während Weingutsbesitzer Günther Jauch und seine Frau Thea ihre Gäste charmant und aufmerksam bewirteten.

Kanzem/Trier. Die Welt ist perfekt: Sanft senkt sich die Dunkelheit über das Saartal. Ein Käuzchen ruft, und der Mond lugt bereits über den Baumwipfeln. Das Weingut von Othegraven ist hell erleuchtet, und die Zuhörer, die an gedeckten Tischen im Park sitzen, sind gespannt.
Fernsehmoderator Günther Jauch und seine Frau Thea - ihnen gehört das Weingut seit 2010 - schenken ihnen gerade Riesling aus der Lage Kupp 2013 ins Glas. Behutsam intonieren die vier Hornisten von German Hornsound Richard Wagners Pilgerchor aus der Oper "Tannhäuser" und reduzieren Wagner dabei so aufs Wesentliche, dass der Klang schon beinahe durchsichtig wirkt. Festivalchef Hermann Lewen hat an diesem Abend ein Rundum-Wohlfühlpaket für die 130 Glücklichen geschnürt, die eine Karte für "Vivat Bacchus - Opus 2" ergattern konnten. Denn ausverkauft war das Konzert bereits nach einer Woche.
Die Kombination aus Musik, Essen, einer kommentierten Weinprobe und prominentem Gastgeber wirkte magisch. Offenbar auch auf Günther Jauch, der sich nicht lange bitten ließ, als Hermann Lewen mit dem Vorschlag kam, bei Jauchs zum Konzert zu laden: "Wir haben gleich Ja gesagt, weil wir so was noch nie gemacht haben. Der Park ist so schön und die Kulisse ebenfalls. Es wäre schade, wenn die Leute das alles nicht sehen könnten. Wir sind da nicht scheu und öffnen ja auch sonst den Park", erzählt Jauch.
Der englische Landschaftsgarten bietet die perfekte Atmosphäre für diesen Abend. Während Günther und Thea Jauch sich locker unter ihre Gäste mischen, spielen German Hornsound Barockes. Händels Wassermusik, Marcellos Adagio aus dem Oboenkonzert d-Moll und Vivaldis Winter aus den "Vier Jahreszeiten" interpretieren sie ohne große Schnörkel und verleihen den Werken einen ganz neuen, eigenwilligen Charakter. Analog zur Musik hat Andreas Barth, Geschäftsführer des Weingutes, drei trockene Rieslingweine ausgesucht. Erklären könne er Wein nicht, "denn sonst ist er entzaubert. Aber ich kann versuchen, Ihnen Wein näherzubringen". Und so informiert er über Lagen und Witterung, Erntemengen und Jahrgänge, über die Entwicklung der Weine im Keller, sinniert über heiße Sommer und verregnete Herbsttage. So manch einer der weit angereisten Gäste entdeckt an diesem Spätsommerabend seine Liebe zum Saarwein. Andere wiederum erwärmen sich für Hornmusik. Verblüffend, wie grazil der Triumphmarsch von Verdis "Aida" in einem vierstimmigen Bläserarrangement klingen kann, wie subtil die Arie Sempre libera aus "La Traviata". Als Günther Jauch die Spätlesen kredenzt, ist der Abend bereits fortgeschritten und die Musik bei drei Tangos von Astor Piazolla angelangt, gefolgt von Kerry Turners Quartett Americana und Hits aus James-Bond-Filmen.
Neben viel Applaus nehmen die vier Musiker noch ein ganz besonderes Andenken mit nach Hause: Den Schnappschuss mit Günther Jauch und German Hornsound im Kelterhaus des Weingutes. vk
Extra

Birgit Höfer aus Trier (49 Jahre): "Ich bin wegen des Events an sich da. Die Location, die Atmosphäre hier sind einzigartig. Ich hätte mir nie vorgestellt, dass es hier so schön ist. Einfach klasse." vk