Eine Klinik, zwei Standorte

Was auf dem Papier schon lange gilt, wird ab Juli Klinikalltag: Am Ökumenischen Verbundkrankenhaus Trier greifen neue Strukturen. Das Elisabethkrankenhaus übernimmt künftig nur noch ambulante chirurgische Operationen, das Marienkrankenhaus die schweren Fälle. Zwei Chefärzte verlassen die Kliniken zum Jahresende.

Trier. "Patientenorientiert": Dieses Wort benutzt Susanne Schlichtner am liebsten, um die neuen Strukturen und Prozesse am Ökumenischen Verbundkrankenhaus Trier (ÖVK) zu beschreiben: Denn durch die Abschaffung von Doppelstrukturen an den beiden Klinikstandorten - dem Elisabethkrankenhaus (EKT) in der City und dem Marienkrankenhaus (MKT) in Ehrang - soll nicht nur Geld gespart werden, sondern die Abläufe für Patienten und niedergelassene Ärzte, die Patienten einweisen, sollen auch einfacher werden.
Geplant wurden die Umstrukturierungen seit dem Zusammenschluss der Kliniken 2011. In den ersten Monaten dieses Jahres wurden die für die neuen Abläufe notwendigen Bauarbeiten abgeschlossen. Ab 1. Juli beginnt der neue Klinikalltag:
Ambulanz: Die Aufnahmeabteilungen der beiden Kliniken wurden organisatorisch zusammengelegt. Alle Ambulanzfälle werden ab 1. Juli zentral vom Elisabethkrankenhaus (EKT) aus gesteuert. "Am Elisabethkrankenhaus werden alle Anrufe niedergelassener Ärzte, die Patienten einweisen wollen, entgegengenommen", erklärt Geschäftsführerin Schlichtner.
Auch andere ambulante Patienten werden grundsätzlich im EKT angenommen. Von dort wird dann entschieden, ob der Patient an eine der Fachabteilungen vor Ort oder nach Ehrang weiterverwiesen wird. Wer in der Nähe wohnt, kann bei einem Notfall - zum Beispiel einer Verletzung - weiterhin die Ambulanz am MKT aufsuchen.
Die neue, zentrale Ambulanz am Elisabethkrankenhaus ist für 250 000 Euro umgebaut und eingerichtet worden. Um mehr natürliches Licht zu gewinnen, wurden Wände abgerissen.
Umkleide- und Untersuchungsräume sind so angelegt worden, dass Patienten möglichst reibungslos und schnell behandelt werden können. Zur im Klinikgebäude neu eingerichteten, privaten Röntgenpraxis (der TV berichtete) gibt es einen direkten Zugang.
Chirurgie: Ab dem 1. Juli gibt\'s am EKT nur noch ambulante chirurgische Operationen, nach denen der Patient wieder nach Hause entlassen wird. Schwierige Operationen - zum Beispiel bei Darmkrebs -, die einen stationären Aufenthalt nötig machen, werden nur noch am Standort Ehrang vorgenommen.
Durch die Spezialisierung der OP-Teams verspricht sich das Krankenhaus auch Vorteile für die Patienten. Um für Komplikationen bei ambulanten Operationen oder einer Geburt auf der Gynäkologischen Station im Elisabeth-Krankenhaus gewappnet zu sein, sind tagsüber immer zwei Anästhesisten im Dienst, nachts gibt es einen Anästhesie-Bereitschaftsdienst.
Kann ein Patient nach einem ambulanten chirurgischen Eingriff am Elisabethkrankenhaus doch nicht wie geplant nach Hause entlassen werden, kann er auch über Nacht in der Klinik bleiben.
Organisatorisches: Buchhaltung und Personalabteilung werden in Ehrang zusammengelegt. Auch alles medizinische Gerät beider Klinikstandorte wird dort künftig in der neuen Sterilisationsstation gereinigt.
Ab dem 1. August gilt auch eine einheitliche Telefonnummer für beide Kliniken: Unter der 0651/683-0 ist die Vermittlung erreichbar, alle Fachabteilungen beider Krankenhäuser erhalten unter dieser Rufnummer neue Durchwahlen. Die zentrale Ambulanz ist bereits ab dem 1. Juli unter der 0651/683-1000 zu erreichen.
Bei einem Tag der offenen Tür am Samstag, 29. Juni, stellt das Ökumenische Verbundkrankenhaus Trier von 11 bis 15 Uhr am Standort Elisabethkrankenhaus seine neuen Strukturen der Öffentlichkeit vor. Die neue Ambulanz ist zu besichtigen, alle Abteilungen der Verbundklinik präsentieren sich mit ihren Leistungen.Extra

Die Umstrukturierungen am Ökumenischen Verbundkrankenhaus machen sich auch beim Personal bemerkbar: Nach TV-Informationen verlassen bis Ende des Jahres rund 100 Schwestern, Pfleger und Ärzte die Klinik. Viele davon haben selbst die Kündigung eingereicht, bei anderen verlängerte die Klinikleitung Zeitverträge nicht oder sprach Kündigungen in der Probezeit aus. Nachdem bereits im Frühjahr drei Ärzte gekündigt hatten, gehen nun auch Dr. Nikolai Wezler, Chefarzt der Geriatrie, und Dr. Uwe Heindrichs, Chefarzt der Gynäkologie- und Geburtshilfeabteilung. Zu Neubesetzungen und Neueinstellungen wollte Klinik-Geschäftsführer Ulrich Vetter sich nicht äußern. woc