Eine komplette Mülldeponie geht auf Reisen

Eine komplette Mülldeponie geht auf Reisen

Die ehemalige Mülldeponie Saarburg wird nach Mertesdorf verlagert. Diesen Beschluss fasste die Versammlung des Zweckverbandes Abfallwirtschaft (ART) in ihrer jüngsten Sitzung in Mertesdorf. Die rund 15 Millionen Euro teure Aktion ist notwendig, da die nicht abgedichtete Altdeponie die Umwelt gefährdet.

Mertesdorf/Saarburg. Die Ankündigung ließ die Öffentlichkeit aufhorchen: Der Zweckverband ART plant, die ehemalige Saarburger Hausmülldeponie mit rund 285 000 Kubikmetern Abfall (etwa 112 große Schwimmbecken) abzutragen und in das Zentrale Entsorgungszentrum Mertesdorf zu verlagern. Und das per Lastwagen über eine Entfernung von mehr als 20 Kilometern Luftlinie. Zum Einsatz kommen geschlossene Sattelzüge mit Kippvorrichtung, die keine Geruchsimmission entwickeln. Über einen Zeitraum von neun Monaten wird mit täglich 100 LKW-Fahrten gerechnet.
Start im Sommer 2015


Mehrere Routen standen bisher zur Debatte. In der Verbandsversammlung am Mittwoch ist die Entscheidung für folgende Strecke gefallen: ab der Deponie bei Mannebach über die L 135 zur B 51, dann vorbei an Konz-Könen und Konz über das Trierer Moselufer sowie die A 602 und B 52 bis Mertesdorf. Um die Fertigstellung der Ortsumgehung Konz-Könen abzuwarten, beschloss die Versammlung, den Start von Juli 2014 auf Sommer 2015 zu verlegen. Auflagen der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord hatten den Zweckverband ART zum Handeln gezwungen: Die 1955 angelegte Saarburger Deponie, die bis 1995 betrieben wurde, besitzt keine Grundabdichtung. Die Qualität eines nahen Bachlaufs wird beeinträchtigt, und Regenwasser sickert durch den eingelagerten Abfall in den Boden.
Deponiesanierung am Ort oder Müllverlagerung? Gutachten zufolge wären beide Alternativen zum etwa gleichen Preis möglich. "Die Verlagerung erschien aber allen Experten als die sinnvollere Lösung, trotz des enormen Transportaufwands", erklärt ART-Verbandsvorsteher Günther Schartz. Bei einer Sanierung am Ort gebe es keine Gewähr für die dauerhafte Beseitigung der Umweltrisiken.
Doch welche Risiken für Mensch und Natur könnte die Umlagerung selbst in sich bergen? Zur Klärung dieser Frage wurde das Fachbüro BCE mit einer Studie beauftragt. Grundlage war eine 535 Quadratmeter umfassende Probegrabung auf der Saarburger Ex-Deponie. Das Ergebnis erläuterte nun BCE-Ingenieur Johannes Siemion in der ART-Versammlung: Abgelagert ist vorwiegend Hausmüll und gleichartiger Gewerbemüll. Da die organischen Bestandteile des Abfalls schon weitgehend verrottet sind, gibt es keine gefährlichen Deponiegasaustritte. Gerüche machen sich maximal bis zu 100 Metern von der Grabungsöffnung bemerkbar. Die gesetzlichen Grenzwerte der Geruchsimmission werden deutlich unterschritten. Auch mit Staubbelästigungen und hinweggewehten Papierresten ist nach den Erfahrungen aus der Probegrabung nicht zu rechnen. Geplant ist, den Altabfall noch auf der Deponie Saarburg zu sortieren: Stoffe mit entsprechendem Heizwert (etwa zwei Prozent) gehen noch von Saarburg aus zur Müllverbrennungsanlage - der Rest wird in Mertesdorf deponiert. Ein Planfeststellungsverfahren zum Deponieabbau mit Beteiligung der Öffentlichkeit soll im März 2013 beginnen. Danach erfolgen die Ausschreibungen.Meinung

Der Transport als Kernproblem
Die Katze ist aus dem Sack: Die alte Saarburger Mülldeponie wird auf Lastwagen zur Zentralanlage nach Mertesdorf verfrachtet. Den Ausschlag für die Routenplanung gab der Bau der Könener B-51-Umgehung. Viele Menschen sehen diesem monatelangen Transport mit 100 Lastern täglich mit Sorgen entgegen. Er ist das Kernproblem. Tatsächlich dürfte Konz mit seinen Umgehungsstraßen wenig mitbekommen. Gleiches gilt für den Ort Mertesdorf selbst, der nicht von der B 52 berührt wird. Wie aber werden sich täglich 100 zusätzliche Schwerlaster auf das Geschehen am Trierer Moselufer auswirken? Man muss kein Prophet sein um zu sagen: "Es könnte dort lustig werden …" f.knopp@volksfreund.deExtra

130 000 Kubikmeter Abfall werden auf Beschluss der ART-Versammlung innerhalb der Deponieanlage (Entsorgungszentrum) Mertesdorf verlagert. Zum einen werden dadurch unter der Deponie strömende Wasseradern dauerhaft geschützt, zum anderen entsteht so im Eingangsbereich des Geländes eine neue Betriebsfläche, die auch bebaut werden könnte. Wichtigster Effekt sei aber die Weiterentwicklung des Entsorgungszentrums Mertesdorf, sagt ART-Geschäftsführer Max Monzel. Mit dem anfallenden Material sollen für den laufenden Betrieb nicht mehr benötigte Flächen so gestaltet werden, dass dort nachwachsende Rohstoffe zur Energiegewinnung angebaut werden können. f.k.

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