Eine Lanze für Latein

Die "kleine Geschichte einer großen Sprache" stellte der Münchener Philologe und "Latein-Aktivist" Wilfried Stroh dem zahlreich erschienenen Publikum an der Katholischen Akademie auf unterhaltsame Weise vor.

Trier. (QO) Um jungen Menschen die Größe und Schönheit des Lateinischen nahe zu bringen, ist Wilfried Stroh, der bis 2005 Klassische Philologie in München lehrte, so schnell keine Idee zu abwegig: Warum nicht Konzerte, warum nicht Talkshows auf Latein? "Ich unterhalte mich regelmäßig mit Studenten auf Latein", verrät der ungewöhnliche Akademiker. Er lacht: "Wir reden dann natürlich nicht über aktuelle Filme, eher über lateinische Autoren." Dass es ihm Spaß macht, sieht man ihm an. Als er vor Jahren einen Vortrag über den "Nutzen des Latein" halten sollte, sprach Stroh stattdessen über den "Zauber des Latein". Auch sein neues Buch "Latein ist tot - es lebe Latein!" möchte diesen Zauber vermitteln. An der Katholischen Akademie stellte er es den etwa 250 Latein-Interessenten, darunter zahlreichen Schülern vor - vom Comenius-Projekt des Trierer Hindenburg-Gymnasiums erschienen Teilnehmer aus Belgien, England, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland. Stroh spannte einen unterhaltsamen Bogen, von den Anfängen des Lateinischen vor über 3000 Jahren über die großen Lateiner Plautus, Cicero und Vergil, den Bildungsreformer Karl den Großen bis zu Erasmus von Rotterdam, Martin Luther - und Karl Marx, der als 17-Jähriger einen brillanten Abituraufsatz in Latein ablieferte. "Fünf Tode hat das Lateinische bisher siegreich überstanden - es ist unsterblich geworden!", sagte Wilfried Stroh.