Eine Leiche zum Essen
Vor ausverkauftem Haus spielte die Kölner Theatertruppe "Murder for fun" das geichnamige Stück - eine Hommage an den Silvesterklassiker "Dinner for one". Der Clou: Das Publikum soll helfen, den Mörder zu finden. Weitere Auftritte des Ensembles sind für Herbst geplant.
Trier. (ahs) "The same procedure as every year, James”? "The same procedure as every year, Miss Sophie!” Eine Geburtstagsfeier wie jedes Jahr soll es werden, doch dann kommt an Sophies 35. Ehrentag doch alles irgendwie anders. Zunächst versetzt der plötzliche Warnhinweis der Polizei, ein Tiger sei ausgebrochen, die Gäste - Admiral von Schneider (Alexander Schmoll), Cousine Alice Blacklock (Christiane Reichert) und Mister Pommeroy (Thomas Wißmann) - sowie Sophie (Nicole Grill) und Butler James (Michael Holdinghausen) in Angst und Schrecken, dann fällt beim obligatorischen Familienfoto ein Schuss und einer der Partygäste sinkt leblos zu Boden. Ein Mord? Diensteifrig eilt Sir Toby (Robin Ebneth) von Scotland Yard wie aus dem Nichts herbei und beginnt mit den Ermittlungen: Beweise werden gesichtet, Zeugenaussagen überprüft und Motive gewälzt. Dumm nur, dass jeder der Gäste ein solches hat und als Täter in Frage kommt. Sir Toby bittet das Publikum um Mithilfe. Mit mehr oder minder großem detektivischem Spürsinn schließen sich nun tischweise die rund 80 Menschen im "Chat Noir" zu Teams zusammen. Während die einen den Darstellern Fragen stellen, sichten andere wieder und wieder die Beweismittel, die im so genannten Crime Room ausgestellt sind. Fast, aber nur fast gerät darüber das exquisite Vier-Gänge-Menü in den Hintergrund. Aber Detektiv spielen macht hungrig und so lassen sich die Anwesenden die "Mulligatawny Soup", Fisch ("The Fish") und Federvieh ("The Bird") schmecken, die in eben dieser Reihenfolge auch zu Miss Sophies 90. in "Dinner for one" serviert werden. Keinem schlägt der Mord oder die Tatsache, dass der Mörder unter ihnen weilt, auch nur ansatzweise auf den Magen. Und zwischen den Gängen versucht ein jeder, seine Tischnachbarn von seiner Theorie, wie und warum das Verbrechen geschah, zu überzeugen. Einig werden sich die Zuschauer nicht. Einige wenige liegen zwar richtig mit ihrer Vermutung, wer der Mörder ist, nur Motiv, Tathergang und wodurch sich derjenige welche verraten hat, sind wenig überzeugend. So liefert Sir Toby am Ende des Abends die Lösung, und Publikum wie Darsteller lassen sich nach knapp vierstündiger Vorstellung gemeinsam das Dessert schmecken.Auftritte: 15. September, 26. Oktober, Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Karten für 69 Euro unter 0651/14576978.