Eine neue West-Side-Story

TRIER-WEST/PALLIEN. Am Wochenende wurde die Gneisenaukaserne zum Museum des interdisziplinären Projekts "Go West" des Fachbereichs Gestaltung der Fachhochschule (FH), an dem sich Bewohner und Einrichtungen beteiligten. "West Side is the best Side" stand plakativ und identifikationsstiftend an der Wand in einem der Ausstellungsräume im Kasernenblock 35.

"Kommt nach Trier-West, bleibt in Trier-West. Go West, denn im Westen ist es schön" - so machte Ortsvorsteher Klaus Blum unverblümt Werbung für den Stadtteil. Dessen Kasernen in der Gneisenaustraße wurden zur Kulisse für "Go West", das "herausragende Kooperationsprojekt" von FH, Einrichtungen und Bewohnern, so Stadtteilmanagerin Birgit Pütz. Bis unter das Dach war das Haus gefüllt mit neuen Ideen für die Entwicklung des Stadtteils, mit Installationen und Kunstobjekten. Alltägliches Leben in der Kaserne

Die Geschichte der Gneisenaukasernen der vergangenen Jahre war eine traurige. Der Zahn der Zeit nagte an der Substanz des denkmalgeschützten Bauwerks. Die Spuren, die Brände, Wasserrohrbrüche und Leerstand hinterließen, haben die Studenten der FH zum Teil übertüncht, aber auch einbezogen in ihre Raumkonzepte. In die vom Ruß geschwärzten Wände einer Wohnung fügte sich eine Collage über die Geschichte des Gebäudes ein, deren historischer Abriss mit Erinnerungen von Stadtteilbewohnern und Fotos von ehemaligen Mietergenerationen aufgefüllt ist. "Zeitgeschichten" ist der Titel des Themenraumes, in dem die Studenten Gang Wu, Johannes Christiansen, Georg Schäfer und Eva Fischer besonderes Augenmerk auf das alltägliche Leben in und um die Kasernen gelegt haben. Im Nebenraum waren Exponate, Schlüssel, Messer, Glasscherben, die die Studenten im Haus aufgestöbert haben, archäologischen Fundstücken gleich ausgestellt und mit möglichen Assoziationen zu Funktion und Geschichte verknüpft. Ob eine virtuelle Busfahrt durch die Straßen des Stadtteils auf einem auf Federn beweglich gelagerten Busmodell, an dem vorbei die filmischen Szenen der Straßenzüge flimmerten, ein liebevoll angelegter Kleingarten oder eine auf den Kopf gestellte Wohnungseinrichtung - zu entdecken gab es in den Räumen viel Interessantes. Auf dem Dachboden wurden Türen in andere Welten geöffnet. In galaktischem Grün beleuchtet ging es im "Raumschiff der Sinne" auf eine Reise zu sensorischen Erfahrungen. Auch das Treppenhaus wurde mit großformatigen Graffitis und Schriftzügen gestaltet. "Danke, dass Ihr das gemacht habt", hatte ein Besucher der Ausstellung an die Wand eines Raumes notiert, in dem Wünsche für eine schöne Stadt gesammelt wurden. Das Projekt sei nicht nur ein Gewinn für die Studenten gewesen, die Erfahrungen sammeln konnten, sagte Professorin Anna Bulanda-Pantalacci. Auch das begleitende Stadtteilfest am Bauspielplatz, an dem sich viele der im Stadtteil beheimateten Institutionen und Menschen beteiligten, zeichnete einmal mehr ein positives Bild von Trier-West.

Mehr von Volksfreund