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Eine Pfeife für jeden Schüler

Eine Pfeife für jeden Schüler

Flaschen und Dosen sammeln, Kuchen, Zuckerwatte und Popcorn verkaufen, CD's an den Mann bringen, Glühwein gegen milde Gaben ausschenken - Klappern gehört zum Geschäft, wenn man Spenden sammeln will. Das wissen die Schüler vom Max-Planck-Gymnasium. Gemeinsam mit dem Orgel-Verein haben sie es seit dessen Gründung vor sechs Jahren auf 90 000 Euro gebracht.

Trier. "Wie öde, `'ne Orgel." Diesen Satz hört man im Max-Planck-Gymnasium (MPG) nie. Genervt ist niemand, wenn Lehrer Michael Tenschert wieder ins Schwärmen verfällt: "Das ist der Rolls-Royce unter den Orgeln!"

Und das versteht er den Schülern schmackhaft zu machen: Vor allem bei den Jungs weckt er das Interesse über die Mechanik, die in dem 1913 erbauten Instrument steckt.

"Die Mädchen würden lieber Musik hören", sagt Tenschert.

Aber das hält im Moment kein Gehörgang aus: Dissonanzen strömen aus den Pfeifen - so schlimm, dass sie fast wehtun. Mindestens bis zum Schuljahr 2010/11 müssen Mädchen und Jungen noch warten, bis der reine Klang der seltenen romantischen Orgel wie vor 96 Jahren durch die Aula hallt. "Aber ist es ein Stück Seele, das man der Schule zurückgibt", sagt der Lehrer.

130 000 Euro werden gebraucht



2003 gründeten Tenschert und Orgel-Freunde den Orgel-Verein am MPG. Der heute 16-jährige Raphael Zingen war von der ersten Minute an begeistert von dem Instrument: "Keine andere Schule hat so einen Raum, und die Orgel ist von der Bauart her sehr selten." Flaschen hat Raphael mit Mitschülern gesammelt und das Pfandgeld gespendet.

Beim Tag des offenen Denkmals haben sie Zuckerwatte verkauft und extra eine Popcorn-Maschine organisiert, Kuchen angeboten und aus alten Pfeifen und Schläuchen Mundorgeln gebaut.

"Vielleicht", sagt Raphael, "nehme ich Unterricht, wenn die Orgel fertig ist."

So weit geht Damian Gindorfs (14) Vorliebe zwar nicht, hat er doch noch nie einen Ton von der Orgel gehört. "Aber das ist eine Tradition am MPG. Sie soll erhalten bleiben, und dafür muss man sich einsetzen".

Die zwei Zehntklässler und die anderen Schüler ziehen nicht ohne Eigennutz alle Register, um die benötigten 130 000 Euro komplett zu machen. Ziel: Orgelmusik für die Abi-Feier.

Die Ausschreibung der Restaurierungsarbeiten ist bereits erfolgt. Unter anderem hat der Orgel-Verein bei der Bonner Firma Klais, dem Erbauer-Unternehmen, angefragt, ob sie Interesse am "Opus 516" und dessen Rückführung in den Originalzustand haben.

Nachdem die Angebote in den nächsten Wochen eingehen werden, das Kuratorium eine Besichtigungstour zu bereits von den Firmen restaurierten Orgeln absolviert haben wird, wird der Auftrag vergeben.

Pfeifen-Paten gesucht



Die Liste der nötigen Arbeiten ist lang: Pfeifen an die richtigen Stellen zurücksetzen, einige wieder auf die romantische Länge bringen, andere auswuchten, begradigen, ersetzen, die Mechanik generalüberholen, den Blasebalg in brauchbaren Zustand zurückversetzen. Nach den Schulferien geht es weiter: Pfeifen-Patenschaften sind zu vergeben, von Piccolo bis Bass, die kleinen für 15 Euro, die großen für 50.

Für die nachfolgenden Generationen soll alles rund um die Orgel dokumentiert werden - in Wort und Bild.

Das Original-Buch mit der Liste der Paten wird in dem Instrument verstaut. Rund 1000 Pfeifen verstecken sich hinter der Fassade. "Für jeden Schüler eine Pfeife", sagt Raphael.