Eine Postkarte geht um die Welt: Trierer Schüler verschicken Ansichtskarten an Unbekannte

Eine Postkarte geht um die Welt: Trierer Schüler verschicken Ansichtskarten an Unbekannte

Beim Postcrossing verschicken Menschen Postkarten an andere Menschen. Das Ungewöhnliche dabei ist, dass sie einander nicht kennen. Auch eine Schulklasse aus Trier beteiligt sich im Rahmen des Englischunterrichts an dem Projekt.

In Zeiten von Facebook, Twitter und Instagram scheinen althergebrachte Kommunikationsmittel wie Postkarten doch schwer veraltet. Das Projekt Postcrossing stellt sich diesem Trend erfolgreich entgegen. Dabei schicken sich einander fremde Menschen aus aller Welt gegenseitig Postkarten zu. Mit dabei die Schulklasse 5d des Max-Planck-Gymnasiums Trier. "Wir haben wieder einige Postkarten von weit weg bekommen", sagt Susanne Scherf, Englischlehrerin der Klasse. Die erste Postkarte des Tages ist etwa 7000 Kilometer von Indien nach Deutschland gereist. Auf der großen Weltkarte, die an der Wand der Klasse hängt, haben die Kinder Indien schnell gefunden und die Karte an der richtigen Stelle platziert. Ziel ist natürlich, eine ganze Weltkarte voller Postkarten zu haben.

Postcrossing wurde 2005 vom Portugiesen Paulo Magalhães gegründet. Als kleines Projekt neben dem Studium gestartet, wurden bis heute schon über 33 Millionen Postkarten von etwa 600.000 Mitgliedern aus 212 unterschiedlichen Ländern verschickt. Der Ablauf ist einfach: Man registriert sich auf der Webseite und bekommt eine Identifikationsnummer, die man auf der Karte vermerkt und eine Adresse, an die man seine Postkarte schickt. Wenn der Empfänger die Karte mit der ID-Nummer auf der Webseite registriert, kann man eine Antwort von einem anderen Postcrossing-Mitglied erhalten. Dieser Vorgang kann beliebig oft wiederholt werden.

Ben, 10 Jahre, aus Trier hat eine Postkarte in die Niederlande geschickt: "Ich habe geschrieben, dass ich aus der ältesten Stadt Deutschlands komme und gefragt, wie es so in Holland ist. Ich würde gerne nochmal eine Postkarte schreiben." Auch Luzia, 10 Jahre, aus Trier, ist begeistert vom Postcrossing: "Ich habe über meine Hobbys, meine Familie und meine Mäuse geschrieben. Das hat sehr viel Spaß gemacht." Bei den Kindern stehen vor allem Postkarten mit typischen Trierer Motiven, wie dem Petrusbrunnen, hoch im Kurs.

Auch wenn der Spaß im Vordergrund steht, ist das Postcrossing eine tolle Lehrmethode, wie Scherf weiß: "Es ist eine sehr gute Methode um Englisch zu üben und neue Wörter zu lernen. Zusätzlich geht es darum, den Kindern zu zeigen, dass Englisch die Hauptverkehrssprache ist und sie sich damit fast überall auf der Welt verständigen können." 72.546 Kilometer haben die Postkarten der Klasse insgesamt auf ihren Wegen nach China, Russland oder in die USA schon zurückgelegt. Susanne Scherf würde sich freuen, wenn sich in Zukunft noch weitere Klassen am Postcrossing beteiligen: "Wir sind zur Zeit die einzige Klasse, die bei Postcrossing mitmacht. Vielleicht nehmen sich die anderen ja ein Beispiel."

Mehr Informationen zu Postcrossing im Internet:
postcrossing.com

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