1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Eine Traumzeit auf sechs Saiten

Eine Traumzeit auf sechs Saiten

Gut 150 Zuhörer kamen anlässlich des zehnten "Liedermacherfestivals" in die Tufa. Initiator Walter Liederschmitt lud diesmal in den großen Saal, wo Liedermacher und Songwriter eine breite Palette handgemachter Musik aufführten.

Trier. (fbb) "Spill' ma bluus kei' Blues", singt Patric Ludwig in breitester Mundart und tut es eben doch. Dann trägt der behäbige Saarburger zusammen mit Holger Rauscher an zwei Gitarren weniger hochvirtuos, dafür aber aus tiefster Seele "Hugerleiderlieder" vor, und jeder der gut 150 Gäste in der Tuchfabrik spürt, dass es authentischer heute Abend nicht mehr werden kann: Also lassen die Besucher des zehnten "Liedermacherfestivals" die genialen Dilettanten erst nach einigen Zugaben von der Bühne des großen Saals.Atmosphärischer Akustikpop

Seit 1998 veranstaltet der umtriebige Walter "Woltähr" Liederschmitt das Festival, zu dessen Jubiläum er und Andreas Sittmann von den "Rambling Rovers" erstmals im großen Saal Freunden und Kollegen aus der Szene ein Forum bieten. Liederschmitt und Sittmann selbst eröffnen mit ihren Bands das Programm, welches stilistisch recht offen ist: Zwar dominieren die dutzendfach aufgestellten Akustikgitarren die Lieder, von denen die meisten auf Deutsch gesungen werden, soweit man den diversen zu vernehmenden Dialekten dieses Attribut zubilligen möchte. Dennoch gibt es durchaus eine gewisse Bandbreite: Karin Otto und Jürgen Trunczik als Duo "Traumzeit" etwa tragen das Gefühlige schon im Namen, und ihr "Mutmachlied" ist ein typischer Vertreter der etwas betulichen Empfindsamkeitsmusik, die viele mit dem Begriff "Liedermacher" verbinden. Der erwähnte Patrick Ludwig kommt dagegen stoisch und karg wie ein Saarburgischer Johnny Cash daher, während "Why Didn't They Ask Evans" zügigen, vielschichtigen Folk-Rock machen. Beschlossen wird das Programm von den Brüdern Gert und Daniel Bukowski, die als "Tunessy" schon so einige Fans nicht nur in der Region haben. Der atmosphärische Akustikpop mit zweistimmigem Gesang, perlendem Klavier, Gitarre und Cajon wäre für sich schon ein schöner Abschluss gewesen. Doch dann kommt auch noch Verstärkung durch Uwe Heil, der sich wie der leibhaftige Bruce Springsteen durch einen neuen Song rockt. Dann kommt, ein Jahr nach ihrem ersten gemeinsamen Auftritt an gleicher Stelle und viele gemeinsame Projekte später, Michael Kiessling auf die Bühne und frotzelt kräftig mit dem Brüderpaar, um erst mit gewohnt rauchiger Stimme und großen Gesten den Chansonnier zu machen. Schließlich beendet der kurze, musikalische Gag "Susanne" den Auftritt, bevor Walter Liederschmitt und Freunde mit dem "Bürgerlied" nochmal traditionelles, politisches Liedermachergut vortragen, mit dem der Abend dann ausklingt.