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Eine Trierer Kassiererin erzählt aus ihrem Arbeitsalltag in Zeiten von Corona

Kostenpflichtiger Inhalt: Angst, unmögliche Kunden, Spaß : Eine Kassiererin erzählt: „Wir spielen Corona-Bingo“

Eine Trierer Kassiererin erzählt von ihrer Angst vor dem Virus, von unmöglichen und netten Kunden. Und sie verrät, wie sich ihr Team trotz der ernsten Lage einen Spaß erlaubt.

Im Hauptjob studiert sie, nebenbei jobbt unsere Interviewpartnerin als Kassiererin in einem Trierer Supermarkt. Im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund erzählt die Mittzwanzigerin, die anonym bleiben möchte, warum in ihrem Arbeitsleben nichts mehr ist, wie es noch vor drei Wochen war.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den vergangenen Wochen verändert?

Kassiererin: Es gibt neue Hygienevorschriften. Wir sollen uns nicht ins Gesicht fassen, müssen Handschuhe tragen, die auf der Arbeit getragene Kleidung heiß waschen, Abstand zu den Kunden halten und darauf achten, dass sich auch die Kundschaft daran hält. Alle Flächen, mit denen Menschen in Berührung kommen, müssen regelmäßig desinfiziert werden. Und ich habe eine Bescheinigung bekommen, dass ich zu den Arbeitskräften gehöre, die für die Lebensmittelversorgung wichtig sind – für den Fall, dass eine Ausgangssperre verhängt wird.

Wie schützen Sie sich?

Kassiererin: Zunächst haben die Kollegen, auch ich, Witze über Corona gemacht. Vor drei Wochen gab es auch noch gar keine Sicherheitsmaßnahmen. Dann wurden erst mal Abstände auf den Böden gekennzeichnet. Es gab lange keine Masken oder Handschuhe für die Mitarbeiter. Dann kamen die Glasfronten zu unserem Schutz. Alle Mitarbeiter haben nun großen Respekt vor der Situation.

Machen Sie sich Sorgen?

Kassiererin: Ich bin der Auffassung, dass ich mich mit dem Coronavirus infizieren werde. Und ein großes Problem sehe ich darin, dass wir so lange arbeiten müssen, bis wir getestet werden und der Test positiv ist – in der Zwischenzeit könnten wir andere Menschen anstecken.

Was macht das mit Ihnen und Ihren Kollegen?

Kassiererin: Wir haben Angst, uns und andere zu infizieren. Seit Mitte März haben wir den ganzen Tag eine Security, die darauf achtet, dass die Leute den Sicherheitsabstand einhalten und sich nicht um Klopapier prügeln und nur haushaltsübliche Mengen kaufen. Außerdem kontrolliert die Security den Einlass, damit nicht zu viele Leute im Laden unterwegs sind.

Und wie verhalten sich die Kunden?

Kassiererin: Schon im Februar fingen die Hamsterkäufe an: Nudeln, Fertiggerichte und andere haltbare Lebensmittel waren plötzlich schneller weg als sonst. Dann kamen immer mehr Kunden mit Handschuhen und Atemmasken. Die Menschen wirkten zunehmend gereizt und beschwerten sich über fehlendes Klopapier. Seit Wochen lassen die Auspacker das Klopapier einfach auf Paletten stehen, weil die Kundschaft es ihnen beim Einräumen sowieso aus der Hand reißen würde. Manchen Menschen kann man die Angst in den Augen ablesen. Gleichzeitig nehmen viele Jugendliche die Situation nicht ernst und veranstalten Corona-Partys. Wir verkaufen deshalb am Wochenende nur noch zwei Flaschen Alkohol pro Person. Und abends werden keine Paletten Dosenbier mehr an die Leute herausgegeben.

Was tun Sie, um mit der schwierigen Situation klarzukommen?

Kassiererin: Wir spielen eine Art Corona-Bingo an der Kasse. Irgendjemand fragt ja immer nach Seife, Klopapier oder Nudeln. Trotz Empfehlung, mit Karte zu zahlen, fragen Leute auch noch immer: „Darf ich auch bar zahlen?.“ Und dann hört man auch immer irgendwelche Corona-Sprüche. Für jede Kategorie machen wir uns einen Strich in der Liste. Wer am Ende der Schicht die meisten hat, hat gewonnen. Aber was ganz lieb ist: Viele Leute sagen: „Bleiben Sie gesund!” und bedanken sich, dass wir weiterhin für sie arbeiten.