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Eine Umfrage bei Handwerksbetrieben in der Region Trier

Kostenpflichtiger Inhalt: Einschränkungen durch das Coronavirus : Wie Handwerker die Situation händeln

Handwerker zu bekommen, ist normalerweise wie ein Lotteriespiel. Doch das stimmt derzeit bei der überwiegenden Zahl der Gewerke nicht. Eine Umfrage bei Handwerksbetrieben in der Region offenbart, dass die einzelnen Betriebe mit unterschiedlichen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Weit mehr als 2500 Anrufer haben sich unter der Telefonnummer 0651/207-171 bisher hilfesuchend an die Handwerkskammer (HWK) Trier gewendet. „Das Telefon steht nicht mehr still“, sagt Dr. Matthias Schwalbach, Geschäftsführer und Leiter der HWK-Wirtschaftsförderung. Die meisten Fragen drehten sich dabei um Kurzarbeit, Soforthilfen sowie darum, ob und wie die Betriebe weiterhin handwerklich tätig sein dürften. „Niemand hat eine derartige Vollbremsung unserer Wirtschaft schon einmal erlebt“, sagt Schwalbach. „Diese rasante Entwicklung und wegbrechende Aufträge belasten die Handwerker und deren Mitarbeiter stark. Um den großen Informationsbedarf der Betriebe bewältigen zu können, sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dauereinsatz.“

Doch Handwerk ist nicht gleich Handwerk. Denn die Bandbreite reicht vom Metzger über den Schreiner und den Anstreicher bis hin zum Lageristen und Estrichleger und dem Kaufmann für das Büromanagement. Entsprechend unterschiedlich sind die Folgen durch die aktuellen Einschränkungen.

Im Friseur-Handwerk geht aktuell beispielsweise gar nichts mehr. Die Coiffeure dürfen seit einigen Wochen ihre Läden nicht mehr öffnen. Das stellt nach Auskunft von Bärbel Schädlich, Hauptgeschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg, viele Mitgliedsbetriebe vor ungeahnte Probleme. „Denn die Fixkosten laufen ja weiter“, sagt sie. Die einzige Lösung für die Friseure wäre ein Ende oder zumindest eine Lockerung der aktuellen Restriktionen. Schließlich sei es für diesen Beruf unerlässlich, in engem Kundenkontakt zu sein.

Je weniger direkten Kundenkontakt, desto weniger Probleme melden andere Handwerker. Deshalb gibt es relativ wenige Kundendienst­aufträge. Das sagt beispielsweise Jörg Bolsch, stellvertretender Obermeister der Innung Sanitär Heizung Klima (SHK). In seinem Betrieb würden die Kunden angerufen, ehe der Handwerker ins Haus komme. „Viele Kunden wollen lieber abwarten“, sagt er. Die Ausnahme seien Notfälle und Arbeiten, die bereits vor der Corona-Krise begonnen worden seien. Bolsch kann der Situation auch etwas Positives abgewinnen. Denn nun sei die Zeit, im Betrieb Arbeit zu erledigen, die sonst aus Zeitmangel liegenbleibe. „Das kann natürlich nicht immer so weitergehen“, sagt der stellvertretende Obermeister.

Ähnlich sieht es bei den Malern und Lackierern aus. Aufträge wie beispielsweise Fassadenanstriche würden weiterhin ausgeführt, sagt Gert Bierwirth, stellvertretender Obermeister der Maler- und Lackierer­innung Trier-Saarburg. Es gebe jedoch auch Baustellen, wo gar nichts mehr laufe. Deshalb unterstützt er eine Idee seines Bundesverbands, dass die öffentliche Hand möglichst rasch Aufträge vergibt. Es werde in den kommenden sechs Wochen mit Umsatzausfällen von mehr als 50 Prozent gerechnet. Es bestehe ein Investitionsstau. Die mögliche Lösung: „Unsere Unternehmen benötigen keine Kredite und kein Kurzarbeitergeld. Wir benötigen Aufträge.“ So könnte der Staat auf manches Hilfspaket verzichten und würde als Gegenleistung eine sanierte Schule oder eine generalüberholte Turnhalle bekommen. Dabei solle man auf zeitaufwendige Ausschreibungen verzichten. Stattdessen sollten Aufträge freihändig oder in einer beschränkten Ausschreibung vergeben werden.

Bäcker und Metzger können zwar weiterhin nahezu ungehindert ihre Waren verkaufen. Trotzdem läuft es nicht in allen Betrieben rund. Nach Auskunft von Fleischer-Obermeister Manfred Schmitt seien einige Kunden verunsichert, ob die Metzgereien noch geöffnet haben.

Viel größere Sorgen haben Kollegen, die sich im Bereich Catering oder der Lieferung für die Gastronomie stark engagiert haben. Denn Schulessen werden derzeit nicht gebraucht, Veranstaltungen dürfen nicht stattfinden und viele Restaurants haben geschlossen.

Größere Firmen sind dazu übergegangen, ihre Belegschaft in verschiedene Teams aufzuteilen, die unabhängig voneinander arbeiten. Dadurch soll sichergestellt werden, dass beim krankheitsbedingten Ausfall einer Gruppe die andere den Betrieb aufrechterhält.

„Das geht bei unserer Betriebsgröße nicht. Hier muss jeder alles können“, sagt Schmitt. Und das ist nicht nur in seinem Betrieb so. Deshalb wollen die Innungsbetriebe sich untereinander mit Waren aushelfen, falls bei einem die Produktion zum Erliegen kommt. „Denn wer einmal weg ist, der ist für immer weg“, sagt Schmitt.

Nicht nur seinen Elektrobetrieb hat Gerd Benzmüller im Blick. Denn er ist Kreishandwerksmeister für die Innungsbetriebe in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg. Er kann die Sorgen vieler Betriebsinhaber gut verstehen. Auch seine Kundendienstmonteure fahren derzeit eher seltener zum Kunden. Und er weiß auch, dass Betriebe, die sich auf einen Auftraggeber oder ein Angebot verlassen, Probleme bekommen können.

Benzmüller rät den Handwerkern, telefonisch den Kontakt zum Kunden zu suchen. In seinem Betrieb sei es beispielsweise so, dass seine Mitarbeiter „nicht im Rudel auflaufen“. Es sei kein Problem, die Handwerker im Haus zu haben, da ein direkter Kontakt gar nicht notwendig sei. Einen entsprechenden Leitfaden für den Kundenkontakt wird die Kreishandwerkerschaft herausgeben.