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Eine Umgehung für die Umgehung

Eine Umgehung für die Umgehung

18 400 Fahrzeuge, davon 550 Lastzüge, rollen täglich über die B 49. Zu viele, da sind sich alle Zewener einig. Abhilfe schaffen soll eine Umgehungsstraße mit einem 500 Meter langen Tunnel. Die Planungen dafür stammen aus den 1990er Jahren.

Trier-Zewen. Als Zewens letzter Bürgermeister, Nikolaus Hamm, im Januar 1969 den Eingemeindungsvertrag in die Stadt Trier unterzeichnete, standen ganz oben auf der Prioritätenliste die "sogenannte kleine Umgehung" der B 49 sowie der Ausbau der Verbindungsstraße von Zewen nach Euren. Während dieser sogenannte Promilleweg noch heute einem maroden Feldweg gleicht, wurde die Umgehung tatsächlich gebaut und 1976 eingeweiht. Die neue Wasserbilliger Straße führt seitdem jenseits der Bahn am Stadtteil vorbei und entlastet Kant-, Fröbel- und die alte Wasserbilliger Straße.
Doch die damaligen Planer hatten die Entwicklung des Verkehrs gänzlich unterschätzt. Heute quälen sich - statistisch gesehen - 13 Autos jede Minute des Tages auf der Zewener Straße entlang, darunter immer wieder Sattelschlepper. Tatsächlich dürfte ihre Zahl tagsüber erheblich höher sein, weil dann die meisten der 18 400 Fahrzeuge (Stand: Lärmaktionsplan 2012) rollen - davon sind 550 LKW.
LKW sind enorme Belastung


"Tagsüber ist das eine enorme Belastung", bestätigt Ortsvorsteher Helmut Mertesdorf (CDU), "allein durch den Tanktourismus und die LKW, die die Maut prellen." Eine zu große, da sind sich Zewener und Trierer Verwaltung einig. So beschloss der Stadtrat im Mai 1999 den Bau einer "großen Umfahrung". Sie sollte auf einer Länge von 1300 Metern zwischen B 49 und Mosel verlaufen. Kernstück sollte ein 500 Meter langer Tunnel sein. 40 Millionen D-Mark, etwa 20,5 Millionen Euro, waren damals für das Projekt veranschlagt worden.
Nun ist die Umgehung im Mobilitätskonzept 2025 wieder aus der Versenkung aufgetaucht und "sollte (…) mit hoher Priorität verfolgt werden". Und die Landesregierung will das Projekt für den Bundesverkehrswegeplan 2025 anmelden (der TV berichtete). Mertesdorf freut\'s, er bleibt aber skeptisch: "Nach meiner Meinung ist nur eine Planung mit Tunnellösung möglich. Und das ist eine teure Aktion", gibt der 71-Jährige zu bedenken.
"Ich bin da gespalten", sagt Michael Theis, der einen Elektroinstallateurbetrieb mit Ingenieurbüro in der Hauptstraße betreibt. "Ich bin Zewener und wohne im Ort." Der Verkehr sei ein Problem, denn die Straße ist die einzige Verbindung in die Stadt. "Als ich gestern im Ort zu einer Reparatur war, haben mir die Kollegen Teile zu Fuß gebracht", erzählt der 28-Jährige. "Das geht schneller als mit dem Auto." Die Monteure würden auf dem Weg zum und vom Kunden oft im Stau stehen. "Das kostet uns richtig Zeit." Andererseits sei die Lage des Betriebs an der vielbefahrenen Straße "für uns super, weil die Kunden die Werbung sehen". Insofern sieht Theis einer Umgehung mit gemischten Gefühlen entgegen. "Ich sehe das Positive daran, aber auch die negativen Aspekte."
Landwirt Hans-Peter Grundhöfer sieht nicht nur die Umsätze an seinem Stand an der B 49 schwinden, wenn die Umgehung kommt. "Die Trasse durchschneidet die Felder", befürchtet der 49-Jährige. "Wir haben so schon Probleme, Land zu bekommen, weil es so wenig landwirtschaftlich nutzbare Fläche gibt. Eine weitere Reduzierung würde die Bauern hier schwer treffen."
Ein anderes Projekt, über das sich die Zewener Gedanken machen, ist der Moselaufstieg, der nicht auf der Prioritätenliste des Landes steht. Worüber sich Mertesdorf freut. "Wir hätten die größten Nachteile." Auf jeden Fall noch mehr Verkehr. "Und der Wald würde durch die Schneise sehr geschädigt."
Direkt hinter dem Ort würde eine 50 Meter hohe Böschung aufgeschüttet. "Wir bekämen die Abgase und den Lärm ab." Ein Zubringer zur Autobahn wäre zwar wichtig, "aber nicht an dieser Stelle, das ist zu nah am Stadtteil".
Dagegen begrüßt er die Planung zur Reaktivierung der Westtrasse. "Das ist grundsätzlich eine gute Sache. "Man ist mit dem Zug in fünf Minuten in Trier-West und braucht nur noch über die Römerbrücke zu gehen." Der Bus sei keine Alternative. Wenn das Angebot und der Preis für die Zugfahrt stimmen, "wird das angenommen, auch in Richtung Luxemburg".Extra

Zewener- und Wasserbilliger Straße gehören nach dem Lärmaktionsplan zu den lautesten in der Stadt Trier. Tagsüber wurden bis zu 64,8 dB gemessen, das ist etwa so laut wie ein Staubsauger, nachts 57,3 dB. Ab einem Dauerschallpegel von 60 dB treten Stressreaktionen im Schlaf auf. Deshalb sieht der Lärmaktionsplan besonderen Handlungsbedarf. Empfohlen wird eine nächtliche Temporeduzierung auf 30 km/h. Wegen der schwierigen rechtlichen Situation - die Straßen sind Bundesstraßen (B 49) - "ist eine Umsetzung nicht absehbar", bemängelt Ortsvorsteher Helmut Mertesdorf. Die Stadt wird die schalltechnische Wirksamkeit erst in Pilotprojekten in Paulin- und Matthiasstraße prüfen. mehi