Eine weitere Schulbaustelle

Bisher sind nur der Abriss und der Neubau der Realschule plus Waldrach geplant. Nun stellt sich die Frage, ob nebenan auch neu gebaut werden soll. Und wie es in Osburg weitergeht, ist ebenfalls noch offen.

Waldrach/Osburg Markus Lehnert ist von Hause aus Pädagoge und könnte sich als Leiter der Ruwertalschule eigentlich auf die Sommerferien freuen. Doch Lehnert muss derzeit ranklotzen. Denn er möchte, dass aus seiner Sicht keine halben Sachen gemacht werden. Sein Ziel: Auch die Grundschule Waldrach soll neu gebaut werden.
Die Schule für Kinder aus dem ersten bis vierten Schuljahr ist etwas Besonderes. Denn sie bildet mit der Realschule plus die Ruwertalschule. Bis vor einigen Jahren war die Verbandsgemeinde Ruwer als Träger für Unterbringung und Betrieb der Schule zuständig. Doch inzwischen hat der Landkreis Trier-Saarburg die Trägerschaft für alle Realschulen plus übernommen. Für die Grundschule ist weiter die Verbandesgemeinde zuständig.
Nachdem der Kreistag beschlossen hat, die Realschule plus zu sanieren, haben die Fachleute der Kreisverwaltung festgestellt, dass die Bausubstanz marode ist. Deshalb gibt es nun den Plan, das alte GEbäude abzureißen und eine neue und moderne Realschule plus zu bauen (der TV berichtete). Zwar hat die auf demselben Grundstück liegende Grundschule das gleiche Alter. Doch an einen Neubau hat bisher niemand gedacht. Stattdessen sollte saniert werden.
Bei der jüngsten gemeinsamen Sitzung von Bau- und Planungsausschuss sowie Schulträgerausschuss des Verbandsgemeinderats Ruwer hat Schulleiter Lehnert versucht, die Ausschussmitglieder wachzurütteln. Er machte in einem Vortrag deutlich, dass auch eine sanierte Schule absehbar zu klein sein wird.
"Ab 2018 gibt es drei Eingangsklassen", sagt er. Die Schule sei jedoch nur auf jeweils zwei Klassen pro Jahrgang ausgelegt. "Es müsste also irgendwie erweitert werden." Zudem enstpreche der Bau von 1970 nicht den pädagogischen Konzepten. Es sei wenig sinnvoll, einen Teil der Räume in die Realschule plus auszulagern. Und die Situation in der in der Mehrzweckhalle eingerichteten Mensa sei auf Dauer nicht tragbar. Den Neubau planen und bauen würde der Landkreis. Die Verbandsgemeinde müsste sich nur finanziell beteiligen. "Der Landkreis wäre bereit dazu", sagt Schulleiter Lehnert.
Ein Schulneubau in Waldrach? Mit diesem Gedanken können sich gleich mehrere Redner anfreunden. So spricht sich Heinfried Carduck (CDU) für einen Neubau aus. Der Ortsbürgermeister von Waldrach stellt in Aussicht, dass in der Sitzung des Ortsgemeinderats Waldrach am heutigen Montag ein entsprechendes Signal gesetzt werden soll (siehe Info). Auch Stephan Metzdorf (SPD) sekundiert. "Aus einem Käfer Baujahr 1960 macht man keinen Sportwagen", stellt er fest. Wilfried Forster (FWG) wirbt für eine zeitnahe Entscheidung. "Wir müssen zu Potte kommen." Marianne Rummel (Bündnis90/Grüne) sagt, dass über das Thema schon viel früher hätte gesprochen werden müssen. Und schon ist in der Sitzung eine gewisse Ratlosigkeit greifbar. Denn so richtig scheint aktuell niemand zu wissen, was der derzeit erkrankte Bürgermeister Bernhard Busch mit dem Landkreis bezüglich Grundschule abgesprochen hat. Das soll nun geklärt werden. Einen vorbereitenden Beschluss für die Sitzung des Verbandsgemeinderats in der kommen Woche gibt es nicht.
Was ein Neubau einer Grundschule in Waldrach kosten würde, kann derzeit noch niemand sagen. Legt man den geplanten Neubau der Grundschule Osburg zugrunde, weiß man, wo die Reise hingeht. In der Ausschusssitzung liegen drei Varianten vor. Laut Sitzungsvorlage sollten die Ausschussmitglieder sich entweder dafür entscheiden, das Gebäude aus Stahlmodulen (Kosten rund 5,13 Millionen Euro), aus Holzmodulen (Kosten rund 5,17 Millionen Euro) oder in Massivbauweise (Kosten rund 5,45 Millionen Euro) bauen zu lassen. Doch auch in dieser Angelegenheit gibt es keinen endgültige Festlegung. Für die eine Variante spricht die Bauzeit, für die andere das Material. Josef Kruft (FWG) favorisiert die Stahlbauweise, Marianne Rummel die massive Bauweise. Stefan Metzdorf kann sich mit der Holzbauweise anfreunden.
Alles andere als anfreunden können sich die Kommunalpolitiker aus der VG Ruwer mit der Tatsache, dass die Grundschule Schöndorf geschlossen werden soll. Denn diese ist im abgelaufenen Schuljahr nur von insgesamt 20 Kindern besucht worden. Und das Bildungsministerium ist der Meinung, dass der Standort geschlossen werden sollte. Doch gibt es einen Beschluss des Verbandsgemeinderats, alle Grundschulstandorte in der Verbandsgemeinde zu erhalten. Josef Kruft stellt deshalb die Lage dar und bekräftigt das Ziel, ein vom Land gefordertes Konzept vorzulegen. Wie das aussieht, ist weiter offen. Als Maßnahme zu Stärkung des Standorts nennt er beispielsweise, dass Kinder aus dem Einzugsgebiet der Schule nicht mehr so leicht in Kindergärten aufgenommen werden, die eben nicht im Einzugsgebiet von Schöndorf liegen.KommentarMeinung

Die Verbandsgemeinde kann das nicht leisten
Eher selten zeigt sich so deutlich wie bei der Sitzung in Waldrach, dass die Zuständigkeit für Grundschulen besser auf Kreis- als auf Verbandsgemeindeebene aufgehoben ist. Da wird sich weiter ergebnislos mit der Frage beschäftigt, wie die Grundschule Osburg gebaut werden soll. Da fällt wohl eher zufällig auf, dass eine Sanierung der Grundschule Waldrach möglicherweise keine gute Idee ist. Und da wird - weil aus Proporzgründen alle möglichen Grundschulstandorte erhalten bleiben sollen - weiter händeringend wie erfolglos nach Ideen gesucht, die Schöndorfer Schule zu erhalten. Welche Probleme sich aus dieser Gemengelage und einem fehlenden Gesamtkonzept ergeben, wird daran deutlich, dass plötzlich zwei Neubauvorhaben im Raum stehen, die beide schnell umgesetzt werden müssten. Sicher, auch auf Kreisebene wird in Sachen Schulen viel Rücksicht auf Befindlichkeiten genommen. Doch ist man dort wenigstens so aufgestellt, dass Millionenprojekte geräuschlos abgewickelt werden können. Eine VG kann eine solche Aufgabe jedoch nicht leisten. h.jansen@volksfreund.deExtra: ORTSGEMEINDE WILL HALLE ZURÜCK


Der Ortsgemeinderat Waldrach möchte die Mehrzweckhalle in der Ruwertalschule vom Landkreis zurückhaben. In diesem Raum ist derzeit die Mensa der Schule untergebracht. Der Rat spricht in seiner heutigen Sitzung, 19 Uhr, Rathaussaal, über einen entsprechenden Antrag. Hintergrund des Vorstoßes ist nach Auskunft von Ortsbürgermeister Heinfried Carduck, dass der Raum von der Ortsgemeinde finanziert worden und wohl aus Versehen an die Verbandsgemeinde übertragen worden sei, als die VG die Trägerschaft für die Schulen übernahm. Beim Übergang der Realschule plus ging der Raum an den Kreis. Der Raum werde laut Carduck von Vereinen benötigt.

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