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Eine Woche mit Bus, E-Bike, Rad, Carsharing und Elektroauto - TV-Redaktionsmitglieder ziehen Bilanz

Eine Woche mit Bus, E-Bike, Rad, Carsharing und Elektroauto - TV-Redaktionsmitglieder ziehen Bilanz

Mit dem Bus oder (E-)Bike zur Arbeit, wie klappt das? Was für Vor- und Nachteile haben Carsharing und Elektroauto im Stadtverkehr? Vier TV-Redaktionsmitglieder haben eine Woche lang den Selbstversuch gemacht und ziehen jetzt für die Verkehrsserie Bilanz.

Von Start bis Schluss im Omnibus: Meine Woche auf Linien

Von unserem Redaktionsmitglied
David Falkner


Das Angenehme: Nach einer Woche Busfahren kann ich mit Überzeugung sagen, dass es funktioniert. Manchmal. Und für die meisten. Für mich zum Beispiel. Wesentliche Verspätungen gab es keine, überfüllt waren die Busse auch nicht. Ich musste auf meinen Strecken nicht umsteigen, der Aufwand bewegte sich meistens im akzeptablen Rahmen. Auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause hatte ich Zeit zum Entspannen, zum Lesen und zum Arbeiten. Es fühlt sich gut an, an meiner Haltestelle in den Bus zu steigen und dann einfach chauffiert zu werden - und dabei auch noch Emissionen zu sparen.

Das Nützliche: Als Vielfahrer spart man mit dem Bus im Vergleich zum Auto viel Geld. Aber: Je weniger man den Bus nutzt, desto teurer wird es. Einzelfahrkarten gehen sehr schnell spürbar ins Geld, und die Wochenkarte lohnt sich natürlich nur, wenn man auch täglich fährt. Eine positive Überraschung gibt es auch: Busfahren spart Zeit, weil man nicht selbst fahren muss, sondern gefahren wird und die Zeit im Bus tatsächlich produktiv nutzen kann.
Abgesehen von den Wegen zur Bushaltestelle und von der Bushaltestelle zum Ziel, die ich immer zu Fuß zurückgelegt habe, braucht die Fahrerei mit dem Bus nur unwesentlich mehr Zeit als mit dem eigenen Auto.

Das Ärgerliche: Busfahren verlangt viel Zeit, Geduld und Planung. Das kann nicht jeder ohne weiteres aufbringen. Ohne Auswendiglernen des Fahrplans geht wenig. Oft muss man sich anpassen und anders planen, als man das möchte - weil der Bus nicht immer so fährt, wie es gerade praktisch wäre. Und wenn man doch mal Pech hat und einen Bus verpasst, muss man warten. Und warten. Und warten. Teilweise bis zu einer Stunde. Das verlangt Demut, die man sich erst angewöhnen muss, wenn man sonst an den Komfort und die Freiheit eines eigenen Autos gewöhnt ist.

Fazit: Busfahren ist nicht für jeden. Man muss an den richtigen Orten wohnen und die richtigen Ziele haben, damit es funktioniert. Außerhalb der Hauptfahrtzeiten und abseits der großen Verkehrslinien ist die Fortbewegung mit dem Bus mühsam. Man braucht Zeit und viel vorausschauendes Planen - und wenn es dann mal nicht klappt, auch Geduld. Im Bus ist man ständig unter Menschen. Mancher mag das, andere kommen damit wahrscheinlich weniger zurecht. Mein Fazit: Alles könnte ein bisschen besser sein - aber mit genug Planung und Aufwand funktioniert das Busfahren überraschend gut.

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Mit dem E-Bike unterwegs: Mal King of the Road, mal froh über einen vollen Akku

Von unserem Redakteur
Michael Schmitz

Fahrgefühl: Ist was für Senioren, dachte ich bisher über E-Bikes. Dann der erste Kontakt, dem rund 80 Kilometer folgen. Das Gefühl: King of the Road, König der Straße. Man sitzt nicht auf dem Rad, man thront. Die Motorunterstützung macht Radeln spielend leicht. An der Ampel lasse ich den Pizzaboten mit seinem Moped stehen. Steigungen sind kein Problem, das macht man locker im Sitzen.

Technik: Ein Hercules Edison Di2 hat mir Zweirad Henn aus Trier freundlicherweise zum Testen geliehen. Rund 3000 Euro würde es kosten. Das ist schon mehr als ein Einsteigermodell. Der Motor kann auf drei Stufen (eco, normal, hoch) zugeschaltet werden, funktioniert tadellos. Besonderheit: Sogar die Gangschaltung geht bei Bedarf automatisch. Braucht man aber nicht unbedingt. Der Akku hätte mich ziemlich genau eine Woche lang zur Arbeit und zurück gebracht - wenn ich den Härtetest nicht gemacht hätte (siehe unten). Aufladen geht zackig, da reicht schon fast eine Mittagspause.

Tempo: Ein E-Bike fährt zwar schnell, aber rasen kann man damit nicht. Grund: bei 25 Kilometern pro Stunde schaltet der Motor ab. Täte er es nicht, wäre ich mit einem Kleinkraftrad unterwegs - das bisher auf Radwegen noch verboten ist. Will ich schneller als 25 fahren, muss ich strampeln wie jeder andere Radler auch. Dass ich die rund acht Kilometer zur Arbeit dennoch um vier bis fünf Minuten schneller als sonst zurücklege, liegt daran, dass man schneller auf höheren Geschwindigkeiten ist und die kontinuierlicher hält. Der wichtigste Vorteil: alles ist viel weniger anstrengend.

Härtetest: Donnerstag die Sickingenstraße zum Petrisberg hinauf. Der Akku steht bei 22 Prozent, natürlich lasse ich den Motor erst mal auf "hoch" stehen. Locker ziehe ich an einer Radlerin vorbei. Dann der Schreck beim Hotel Petrisberg: nur noch acht Prozent. Im Normal- und Eco-Modus mache ich die zweite Hälfte der Steigung und muss dann tüchtig mitstrampeln - oben bin ich auf drei Prozent. Merke: Wer öfter solche Berge fährt, sollte den Akku stets gut laden.

Fazit: E-Bike fahren macht Spaß. In Trier könnten E-Bikes viele Autofahrten vermeiden helfen. Die Fahrrad-Verweigerungs-Ausrede "Ich wohne ja in Mariahof" zählt da nicht mehr. Statt der 4000-Euro-Prämie für E-Autos, die die Straßen auch nur verstopfen, wären 1000 Euro Zuschuss zu E-Bikes das deutlich besser angelegte öffentliche Geld.

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Bald gibt es einen Zweitwagen weniger auf den Straßen im Trierer Tal

Von unserem Redakteur
Christian Kremer

Die Vorteile: Gesundheit, Geld und gutes Gewissen - das sind drei Argumente fürs Fahrrad, die ich bestätigen kann. Um ehrlich zu sein, betreibe ich das Experiment nun nicht nur für eine, sondern für sechs Wochen. In dieser Zeit habe ich dreieinhalb Kilogramm abgenommen, etwa 200 Euro und rund 75 Kilogramm CO2 gespart. Diese Zahlen sprechen für sich.

Der Schweinehund: Das wechselhafte Wetter der vergangenen Wochen war das wohl größte Hindernis auf dem Weg in den Sattel. Trotzdem habe ich alle meine Fahrten ins Büro mit dem Fahrrad erledigt. Täglich kommen da circa 14 Kilometer zusammen. Das ist kein Problem, weil ich im Tal wohne und arbeite. Da sind keine Berge auf dem Weg, die vielleicht besser mit dem E-Bike zu erklimmen wären.
Manchmal ist die Versuchung mit dem Familienzweitwagen vor der Haustür groß. Und vermutlich hätte ich mich hinters Steuer gesetzt, wenn ich mir keine Regenausrüstung fürs Fahrrad zugelegt hätte. Trotz der wasserdichten Jacke, Hose und des Rucksacks bin ich einmal richtig durchnässt worden - an dem Tag, als Trier-West wegen des Tiefdruckgebiets Elvira von Wassermassen überflutet wurde. Eine Ausnahme! Und mit der Zeit ist einem der ständige Nieselregen sowieso egal. Wie sagte meine Oma immer: "Wir sind ja nicht aus Zucker!"

Das Klamottenproblem: Radeln bedeutet Schweiß. Deshalb muss ich jeden Tag Extra-Klamotten fürs Büro mitnehmen. Mit Rucksack ist das kein Problem.

Der Rest des Alltags: Zu beruflichen Terminen komme ich innerhalb Triers mit dem Rad. Ein Problem sind nur die Höhenstadtteile - da wäre vermutlich ein E-Bike die bessere Lösung. Und wenn der Weg weiter ist, kann ich ihn mit einem Firmenwagen zurücklegen. Größere Einkäufe habe ich bisher auch nicht mit dem Fahrrad erledigt. Der Rucksack ist voll mit Ersatz- und Regenkleidung und anderen Utensilien. Deshalb kann ich darin nur kleine Dinge unterbringen. An meinem Rad ist leider kein Platz für Gepäckträgertaschen, weil ich die meiste Zeit mit Kindersitz unterwegs bin. Nur so kann ich meine Tochter morgens zur Kita bringen.

Fazit: Auf Triers Straßen ist künftig ein Auto weniger unterwegs. Unser Zweitwagen kommt weg. Ganz will ich aber nicht aufs Auto verzichten. Längere Strecken werde ich weiter mit dem Erstwagen fahren, den eigentlich meine Frau braucht, um zur Arbeit im Nordsaarland zu pendeln. Auch für die Fahrt zum Einkaufen von Getränkekisten nutze ich weiter das Auto.

Die einzelnen Tagesberichte lesen Sie im Blog auf verkehr.blog.volksfreund.deE-Auto: Eine super Sache - für Idealisten

Von unserer Redakteurin
Marion Maier

Das Fahrgefühl: Es macht wirklich Spaß, mit dem E-Auto zu fahren - und ich bin nun wirklich kein Auto-Freak. Aber bei mir hat es einen regelrechten Wow-Effekt ausgelöst, den e-Golf, den mir freundlicherweise die Trierer Stadtwerke ausgeliehen haben, zum ersten Mal zu starten. Der Motor gibt keinen Mucks von sich! Beim Fahren ist nur die Reibung der Reifen auf dem Untergrund wahrzunehmen. Ist dieser glatt, erzeugt das fast lautlose Fortbewegen ein Gefühl des Schwebens. Schön! Das Beschleunigen geht mit 110 PS spritzig flott und angenehm stufenlos, Gänge gibt es nicht. Ein schlechtes ökologisches Gewissen erübrigt sich fast - ich fahre mit Ökostrom. Die Ökobilanz hatte ich allerdings nicht im Blick.

Die Technik: Das E-Auto zu fahren, ist unkompliziert. Es funktioniert wie bei einer Automatikschaltung. Ich muss nur den Schalthebel auf vorwärts oder rückwärts stellen und Gas geben oder bremsen. Auch sonst ist die Technik beherrschbar, man sollte sich aber etwas Zeit nehmen, sich mit den verschiedenen Ladesäulen und Steckern auseinanderzusetzen. Sonst geht es wie bei mir. Ich habe mich über die langsame Schnellladesäule im Ostallee-Parkhaus gewundert, hatte bei den drei Möglichkeiten aber just den einen langsam ladenden Wechselstrom(AC)-Anschluss gewählt. Schnelles Laden geht nur mit Gleichstrom (DC).

Die Herausforderung: Das Problem beim E-Auto ist die Reichweite: maximal 188 Kilometer in meinem Fall. Bei Ladezeiten von einer Stunde für 80 Prozent Ladung an der Schnellladesäule bedeutet das: Langstrecken sind tabu, wenn ich nicht ständig pausieren möchte. Und bei Kurzstrecken muss ich planen, ob die Ladung ausreicht. Wer zu Hause eine Garage hat, kann jede Nacht "tanken" (sechs bis acht Stunden dauert langsames Vollladen) und hat so problemlos immer die komplette Reichweite zur Verfügung. Wer das - wie ich - nicht hat, muss noch mehr planen. Wann tanke ich? Wo tanke ich? Geh ich zwischendrin einkaufen oder lasse ich das Auto über Nacht stehen? Im Parkhaus Ostallee kann ich als SWT-Kundin kostenlos laden. Fürs Parken zahle ich ab neun Stunden dann aber 13,50 Euro.

Das Fazit: Ja, es ist ein schönes Auto - für Menschen, die ihre nicht allzu langen Fahrwege planen können und wollen. Ich müsste mich umstellen, aber das ginge. Für ein E-Auto muss ich aber auch tiefer in die Tasche greifen. Fast 13.000.Euro beträgt der Unterschied zwischen e-Golf und Benziner. Das gleicht die E-Prämie nicht aus. Idealismus gehört also auch dazu. Ob ich davon genug habe, muss ich mir noch überlegen.

Die einzelnen Tagesberichte lesen Sie im Blog auf verkehr.blog.volksfreund.deCarsharing: Volle Punktzahl für geteiltes Auto

 Michael Schmitz mit dem E-Bike auf der Sickingenstraße.
Michael Schmitz mit dem E-Bike auf der Sickingenstraße. Foto: Friedemann Vetter
 Entspanntes Fahren - wenn der Akku voll ist: Marion Maier im E-Auto.
Entspanntes Fahren - wenn der Akku voll ist: Marion Maier im E-Auto. Foto: Friedemann Vetter
 Ein Auto für mehrere Menschen: Inge Kreutz holt das Auto am Stadtmobil-Parkplatz in der Zellstraße ab.
Ein Auto für mehrere Menschen: Inge Kreutz holt das Auto am Stadtmobil-Parkplatz in der Zellstraße ab. Foto: Friedemann Vetter
 Fährt mit dem Rad zur Arbeit: TV-Redakteur Christian Kremer.
Fährt mit dem Rad zur Arbeit: TV-Redakteur Christian Kremer. Foto: Friedemann Vetter


Von unserer Redakteurin
Inge Kreutz

Die Idee: Viele Autos stehen die meiste Zeit herum: Schon allein deshalb ist die Idee, dass sich mehrere Menschen ein Auto teilen, sinnvoll. Hinzu kommt, dass es für alle, die weniger als 12.000 Kilometer im Jahr fahren, auch billiger wird als ein eigener Wagen - rechnet jedenfalls Patrick Wagner vor, Inhaber des Trierer Zweigs von Stadtmobil Carsharing. Einer seiner PKW ersetze acht Privatautos. Neben Wagner bietet auch Flinkster in Trier Carsharing an. Hinzu kommen Privatleute, die ihre Wagen übers Internet vermieten.

Das Konzept: Patrick Wagner, der den TV sein Angebot diese Woche testen ließ, hält sieben Wagen vor, die meisten stehen in den Parkhäusern Hauptmarkt und Ostallee, je einer in Trier-Nord und Trier-Süd. Sie können im Internet oder über eine Hotline reserviert und zum gebuchten Zeitpunkt mit einer Chipkarte geöffnet werden. Tippt man seine Pin in den Bordcomputer, gibt dieser den Fahrzeugschlüssel frei, und die Fahrt kann beginnen. Rund 90 Trierer nutzten sein Angebot derzeit, sagt Wagner, im Monat verzeichne er etwa 140 Fahrten.

Der Preis: Wer Stadtmobil nutzen möchte, zahlt eine Aufnahmegebühr (60 Euro) und muss 400 Euro Kaution hinterlegen. Dann fallen im Classic-Tarif sieben Euro im Monat an. Die Fahrt in einem Kleinwagen wie einem Ford Fiesta kostet 24 Cent pro Kilometer bei Fahrten unter 100 Kilometern, hinzu kommen 1,80 Euro pro Stunde. Für Partner von Carsharing-Mitgliedern, Studenten oder Besitzer einer SWT-Jahreskarte wird's billiger.

Der Praxistest: Alles läuft rund: Das Auto steht pünktlich zur Verfügung, Chipkarte und Bordcomputer funktionieren auf Anhieb. Praktisch für Familien: Im Kofferraum jedes Wagens liegt ein Schalensitz für Kinder bis 36 Kilo. An vier weiteren überprüften Terminen wäre jeweils das nächstgelegene Auto in Trier-Süd frei gewesen. Wer Tage im Voraus buche, erhalte fast immer sein Wunschauto, sagt Wagner. Wer später dran ist, muss unter Umständen einen weiteren Weg zum Auto in Kauf nehmen.

Das Fazit: Vielfahrer kommt Carsharing teurer als der Privatwagen. Auch, wer Wert auf die Möglichkeit spontaner Trips legt oder zeitlich wenig flexibel ist, dürfte sich mit den geteilten Autos schwertun. Für alle anderen ist Carsharing eine Alternative. Und wer nicht ganz aufs eigene Auto verzichten will oder kann, der schafft vielleicht den Zweitwagen ab. Ringen sich genug Trierer dazu durch, gibt's eine verlockende Belohnung: Parkplätze für alle. Die einzelnen Tagesberichte lesen Sie im Blog auf verkehr.blog.volksfreund.de