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Eine wohl einzigartige Verbindung

Eine wohl einzigartige Verbindung

Gold und Eisen miteinander zu verschmelzen - das ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, zu unterschiedlich sind die Reaktionen beim Erhitzen. Dem Trierer Schmuckkünstler Ralph Dotzel jedoch ist dieses Kunststück gelungen.

Trier. Er ist so etwas wie ein moderner Alchemist. Fünf Jahre hat Ralph Dotzel experimentiert, bis sie ihm gelang: die Vermählung von Gold und Eisen. Gold schmilzt bei wesentlich niedrigeren Temperaturen als Eisen, und so ist eine "mariage" der beiden Materialien eigentlich nicht möglich. Doch mit Hilfe selbstverständlich geheim gehaltener Chemikalien ist Dotzel genau das gelungen. "Bei einer Präsentation in Luxemburg haben mich einige Chemiker regelrecht belagert, um hinter mein Geheimnis zu kommen - vergeblich", sagt Dotzel. Warum gerade Eisen? "Ich liebe es, Gegensätze zu vereinen. Schon der griechische Philosoph Heraklit hat gesagt: Die schönste Harmonie entsteht durch Zusammenbringen der Gegensätze."
Menschen Ganz nah


Gegensätzliches vereinigt Ralph Dotzel auch in sich selbst: Maschinenbauer, Steinmetz, Kunstschmied - das sind nur einige der Stationen, die er absolvierte, bis er zu seiner jetzigen Profession fand. Als staatlich anerkannter Künstler schmiedet er, neben anderen Metallen, Gold und bearbeitet Edelsteine. "Mein eigentlicher Lehrmeister ist die Natur, denn hier wird mir bewusst, wie sich scheinbar Unvereinbares zu einer Einheit verbinden kann."
Eine Inspirationsquelle für die fein ziselierten Unikate ist die Mokume-Gane-Technik aus Japan um 1600. Ähnlich dem bei uns eher bekannten, seit mehr als 1000 Jahren hergestellten, Damaszener-Stahl werden Metalle und Metalllegierungen schichtweise miteinander geschmiedet. Der besondere Effekt dieses Verfahrens sind die kontrastreichen Muster. Der Künstler kann die Struktur auf sich beruhen lassen oder mit einem weiteren Arbeitsgang und einer Modelliermasse selbst gestalten.
Die Firma Dotzel ist ein Familienbetrieb. Im kürzlich eröffneten Atelier in der Trierer Jüdemerstraße, in der Nähe des Viehmarkts, das auch als Werkstatt und Verkaufsraum dient, arbeiten Ehefrau Heike, ebenfalls staatlich anerkannte Künstlerin, und Tochter Rahel, die von ihren Eltern zur Goldschmiedin ausgebildet wurde. Sohn Marlon, der im zweiten Lehrjahr in die Elektrotechnik umschwenkte, hilft, wann immer nötig, aus.
Wer eher selten in die Jüdemerstraße nach Trier kommt, um dort einzukaufen - der Dotzelsche Schmuck ist inzwischen bis nach New York erhältlich. hek