Eine Zunft nur für abgedankte Prinzenpaare

Ein bisschen elitär klingt es schon: Nur närrische Majestäten können aktives Mitglied werden. Doch die Prinzenzunft, die ihr 25-Jähriges feiert, steht dem gesamten Volk offen. Präsident Jürgen Schlich (55) erzählt, warum er auf das soziale Engagement des Vereins und den jährlich verliehenen Franz-Weißebach-Preis stolz ist.

 An der Karnevalskappe der Prinzenzunft sollt ihr sie erkennen, die ehemaligen Trierer Stadtprinzenpaare. Jürgen Schlich trägt sie mit Stolz. TV-Foto: Mechthild Schneiders

An der Karnevalskappe der Prinzenzunft sollt ihr sie erkennen, die ehemaligen Trierer Stadtprinzenpaare. Jürgen Schlich trägt sie mit Stolz. TV-Foto: Mechthild Schneiders

"Wir sind ein Verein mit einem einmaligen Namen. Wenn man im Internet unter ‚Prinzenzunft‘ sucht, findet man nur uns. Wir haben noch ein Alleinstellungsmerkmal: den Franz-Weißebach-Preis. Er wird an Menschen verliehen, die den Karneval fördern oder ähnliche Wesenszüge haben wie der Namensgeber, also humorvoll sind und soziales Engagement aufweisen. Die Preisträger sind ein illustrer Kreis. TV-Serie Mein Verein

Erstmals wurde er 1988 an Alt-Oberbürgermeister Felix Zimmermann verliehen. Ex-Ministerpräsident Carl-Ludwig Wagner steht an zweiter Stelle - das erfüllt uns mit Stolz. Der jüngste Preisträger, Stephan Ackermann, ist nach Hermann-Josef Spital (1994) und Reinhard Marx (2003) der dritte Bischof. Als Triers Oberhirten waren sie prädestiniert, den Preis zu erhalten. Das Preisgeld ist für eine karitative Organisation in Trier gedacht. Wir sind ein kleiner Verein. Das liegt daran, dass wir aus den vergangenen 50 Jahren maximal 100 aktive Mitglieder gewinnen konnten. Denn als aktives Mitglied muss man Prinz oder Prinzessin der Stadt Trier gewesen sein. Wenn man Prinz war und kommt nach der Session ins normale Leben zurück, fällt man in ein Loch, und wir fangen sie auf. Wir fördern den Zusammenhalt der Ehemaligen und unterstützen - falls gewünscht - künftige Prinzenpaare. Wir helfen, Ansprechpartner zu finden, denn die Sponsorensuche wird nicht einfacher.Kein Ball im November

Zum Karneval bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Als unsere jüngste Tochter ins Grundschulalter kam, wollte sie in der Kindergarde tanzen. Sie hatte eine Klassenkameradin bei der KG Onner ons. Meine Frau Heike und ich sind ein Jahr später, 1988, Mitglieder geworden. Ohne unsere Tochter wären wir nie aktiv geworden. 2008 feierten die Onner onser ihr 143-jähriges Bestehen, also 13 Mal elf Jahre. Die KG bewarb sich bei der ATK, um das Prinzenpaar stellen zu dürfen. Intern fiel die Wahl auf uns. Wir sagten zunächst Nein, aber unsere Argumente wurden immer löchriger. Und so haben wir uns eine Nacht Bedenkzeit auserbeten. Morgens haben wir uns angeschaut und uns war klar: Wenn man einmal im Leben die Möglichkeit hat, Prinzenpaar zu werden, muss man Ja sagen - das ist wie Rosenmontag, Silvester und Weihnachten an einem Tag.Wir sind seit 2007 Mitglied bei der Prinzenzunft, nach 2008 sind wir aktiv geworden. Seit 2009 war ich Vizepräsident. Am 14. Mai wurde ich Präsident, als mein Vorgänger Rolf Schichel aus gesundheitlichen Gründen abgetreten war. Wir hätten ihn gerne gehalten, er hat sehr viel Erfahrung. Der Prinzenball im November war "sein Kind". Das war keine karnevalistische Veranstaltung, eher Varieté; wir sind ja keine KG im engeren Sinne. In diesem Jahr liegt der Ball auf Eis. Wir feiern stattdessen unser Jubiläum am Freitag im Estricher Hof. Auch die Verleihung des Weißebach-Preises am 25. Oktober im Barocksaal des Hauses Bernard Massard hat nichts mit Karneval zu tun. Das ist unser Hauptakt, der wird Bestand haben."Aufgezeichnet von Mechthild SchneidersIn unserer TV-Serie "Mein Verein" lassen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu Wort kommen. Jeden Mittwoch stellen wir einen Verein aus der Perspektive eines Mitglieds vor. Dazu gibt es die wichtigsten Daten in Kurzform. Sie wollen Ihren Verein vorstellen? Schreiben Sie uns bitte eine E-Mail mit einigen Daten an trier@volksfreund.deExtra

Die Prinzenzunft Trier wurde 1987 gegründet. Präsident ist Jürgen Schlich, sein Vorgänger Rolf Schichel ist Ehrenpräsident. Ulrike Feltes führt die Geschäfte. Dem Verein gehören 100 Mitglieder an, davon 25 aktive, alles ehemalige Stadtprinzen und -prinzessinnen. Ältestes Mitglied ist Jürgen Schellenberg, Stadtprinz von 1969, mit 72 Jahren. mehi prinzenzunft-trier.de

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort