Einer fehlt noch

TRIER. (kbb) Eine positive Bilanz ziehen die Mitglieder des fünften Bologna-Berater-Treffens an der Trierer Fachhochschule (FH).

Barbara Hellinge, Bologna-Beraterin der FH Trier, zeigt sich mit dem bisherigen Zwischenergebnis in Trier zufrieden. "Mit Ausnahme des Fachbereichs ‚Gestaltung' sind bereits alle anderen Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt." Der letzte Baustein soll die Umstellung im kommenden Jahr komplettieren. Zeitgleich endet auch die zweijährige Beratertätigkeit der 22 Bologna-Berater, und die Hochschulen sind auf sich allein gestellt. Bis spätestens 2010 muss das gesamte Hochschulsystem dann auf die neuen Abschlüsse umgestellt sein. Seit Beginn des "Bologna-Prozesses" im Jahr 1999, der die einheitliche Umstellung der Hochschulabschlüsse auf Bachelor und Master bis spätestens 2010 zum Ziel hat, wurden in der Bundesrepublik in der Folgezeit 22 besonders förderungswürdige Hochschulen ausgewählt, darunter auch die FH Trier als einzige in Rheinland-Pfalz.Übergangslösungen für 5000 Studenten

Im Sommersemester 2005 zählte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Deutschland 333 Hochschulen. Die Umstellung des traditionellen Abschlusssystems bringt den Universitäten, Fach- und Kunsthochschulen in diesen Jahren einen tiefen Umbruch. Nicht nur, dass Diplom und Magister Artium zum Auslaufmodell werden. Auch für die rund 5000 Studenten, die derzeit noch einen der alten Abschlüsse anstreben, müssen Übergangslösungen geschaffen werden. Für die Hochschulen bedeutet das eine zusätzliche Arbeitsbelastung, denn die Umstellungen sind zeit- und kostenintensiv. Studien- und Prüfungsordnungen müssen umgeschrieben und "akkreditiert" werden, wie es in der Fachsprache heißt. Daher konnten sich die Hochschulen vor rund zwei Jahren an einer Ausschreibung zur Teilnahme am "Kompetenzzentrum Bologna" beteiligen, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin gefördert wird. Die besten 22 wurden ausgewählt, darunter auch die FH Trier. Sie erhielten in der Folge eine "Bologna-Beraterin" von der Hochschulrektorenkonferenz zur Seite gestellt. "Wir sehen uns gemeinsam so genannte ‚Best-Practice'-Modelle an und diskutieren, ob man die gelungenen Umsetzungsmodelle einzelner Hochschulen auch in allgemeiner Form anwenden kann", erklärte Peter Zervakis, Projektleiter des Kompetenzzentrums anlässlich des fünften Bologna-Beratertreffens in Trier. "Problematisch ist aber vor allem der Informationsmangel, gerade bei jungen Studenten und Erstsemestern, die oft nicht ausreichend über die neuen Abschlüsse informiert werden. Zudem besteht bisweilen noch nicht ganz Einigkeit darüber, wie die Balance aus Schlüsselqualifikationen und Fachwissen in den neuen Studiengängen konkret ausgestaltet werden soll", sagte Zervakis. Dafür werde das Studium in Zukunft "intensiver, verschulter und mobiler". Konkret bedeutet das, dass nicht mehr einzelne Lehrveranstaltungen nach freiem Belieben gewählt werden können, sondern dass mehrere Veranstaltungen zu so genanten "Modulen" zusammengefasst werden, für die es jeweils eine Gesamtnote gibt. Außerdem beträgt die Regelstudienzeit für den Bachelor-Abschluss in der Regel sechs Semester, danach kann mit weiteren zwei Semestern der Grad "Master" erworben werden. Im vergangenen Wintersemester strebte jeder achte Student einen der neuen Abschlüsse an, bei den Studienanfängern war es fast jeder dritte. Die neuen Zahlen der HRK besagen, dass im laufenden Semester 45 Prozent aller Studiengänge umgestellt seien, an Fachhochschulen rund 70 Prozent.