Einkauf zum Nulltarif

TRIER. Die Idee des Umsonstladens gewinnt auch in Trier zunehmend Freunde: Vor kurzem eröffnete eine solche Einrichtung in Ehrang, und im Ex-Haus werden bereits seit 2005 immer mittwochs von 16 bis 19 Uhr allerlei gebrauchte Sachen angeboten – gratis und für jedermann.

Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul. Oder doch? Bernd Schuch, der ehrenamtliche Betreuer des ersten eigenständigen und unabhängigen Trierer Umsonstladens wacht mit Argusaugen über die Funktionstüchtigkeit der gebrauchten Dinge in seinem Angebot. Ganz genau prüft er Bekleidung, Geschirr, Dekogegenstände oder Spielzeug. "Aussortiert werden Sachen, die Löcher haben, dreckig oder beschädigt sind. Man muss die Sachen schließlich noch nutzen können." "Bedürftiger Stadtteil"

Zwei kleine Räume und eine Umkleidekabine umfasst der Laden, in dem alles gut sortiert und überschaubar in Regalen untergebracht ist. Die Idee des Umsonstladens stammt von einem engagierten Mitarbeiter des Exhauses, Norbert Damm, unter dessen Leitung der Laden im Februar 2005 eröffnet wurde. Bernd Schuch hat den Laden im November 2005 übernommen und erklärt die Idee: "Trier Nord ist ein bedürftiger Stadtteil, in dem die Arbeitslosenrate hoch ist. In den meisten Familien ist der soziale Rahmen gering. Deshalb wurde der Laden ins Leben gerufen und wird mittlerweile sehr gut angenommen." Was zu Beginn auf den Stadtteil Trier Nord bezogen war, hat sich mit der Zeit zur Anlaufstelle für Menschen aus der ganzen Umgebung entwickelt. Und so funktioniert das Konzept: Wer Sachen hat, die gebraucht, aber noch gut in Schuss sind, kann diese im Exhaus, Zurmaienerstraße 114, abgeben. Angenommen werden Spielsachen, Bücher, CDs, Kleidung, Computer oder auch Geschirr und Dekosachen - immer unter der Voraussetzung, dass sie funktionstüchtig sind. Im Gegenzug können Interessierte vorbeikommen und das mitnehmen, was sie brauchen können - und zwar völlig kostenfrei. Die anfängliche Begrenzung auf die Mitnahme von drei Teilen hebt Schuch auf: "Diese Einschränkung haben wir gelockert, weil wir so viele Sachen haben, die abgegeben werden sollen. Und die Leute bringen immer mehr, als sie mitnehmen." Falsche Scham nicht angebracht

Der Umsonstladen soll auch ein Treffpunkt sein. "Was ich wirklich schön finde, ist, dass es hier multikulturell zugeht und sich ganz verschiedene Menschen zum Tauschen und Reden treffen", erzählt Bernd Schuch. Falsche Scham oder Angst seien nicht angebracht. "Es gibt viel Armut da draußen, die meisten trauen sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen." Infos über den Laden gibt's demnächst auf der Internetseite www.exhaus.de, wie Exhaus-Leiter Hilger Hoffmann erklärt. Für die Zukunft wünschen sich Hoffmann und Schuch, dass der Laden größer wird - vor allem aber, dass sich seine Existenz schnell herumspricht und viele Menschen vorbeikommen, um zu geben, zu nehmen oder sich auszutauschen.

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