Einkaufen, was erlesen und teuer ist - Bei der Versteigerung des Großen Rings kommen mehr als 11.000 Flaschen unter den Hammer

Einkaufen, was erlesen und teuer ist - Bei der Versteigerung des Großen Rings kommen mehr als 11.000 Flaschen unter den Hammer

Im internationalen Weinhandel spielen die Tropfen des Großen Rings Mosel VDP ganz oben mit. Kein Wunder also, dass die Qualität des 2015er Jahrgangs bei der Versteigerung im IAT Plaza Hotel Trier die Preise hochjagte. Das Weingut J.J. Prüm aus Bernkastel-Kues erhielt 10.120 Euro für eine Trockenbeerenauslese.

Rajiv Kehr strahlt. Der Geschäftsmann aus Indien hält ein Glas in der Hand und sieht höchst zufrieden aus. Er liebt die Weine von Saarwinzer Egon Müller. Ausnahmslos alle. Deshalb kommt er jedes Jahr zur Versteigerung des Großen Rings nach Trier. Was er seinen Kunden im heißen Indien empfiehlt, trinken sie. "Kühler Riesling und asiatisches Essen, das passt großartig", schwärmt er. Dabei kauft der Händler nur das, was ihm selbst schmeckt. So halten es viele. Auch Sebastian Thomas, Weinimporteur aus England. Seine erlesene Kundschaft aus Großbritannien vertraut ihm, weil er ein Kenner ist. Und wenn er von der "spielerischen Leichtigkeit, der Frische, dem niedrigen Alkohol und der Einzigartigkeit der Weine" spricht, glaubt man ihm gerne, dass seine Auswahl bei den Engländern gut ankommt.

Die Ware ersteigern dürfen allerdings nur die sieben zugelassenen Kommissionäre, die wiederum ihre Aufträge von ihren Kunden, Händlern oder Importeuren erhalten. Über Jahre sind so enge Handelsbeziehungen gewachsen. "Gutes Netzwerken ist ganz wichtig", sagt Kommissionär Matthias Hild aus Wincheringen, der bereits in der dritten Generation mitsteigert. Mit ihm arbeiten die Weinhändler Christoph und Janine Spies aus Losheim im Saarland zusammen. Christoph Spies weiß genau, was die Mosel-Liebhaber unter seinen Kunden wollen. Nur zu welchem Preis? "Ich setze mir Limits. Und bin mit einigen im Dauerkontakt über Whatsapp."

Auf diese Kommunikation kann Linden Wilkie glücklicherweise verzichten. Der Importeur für den Hongkonger Markt kauft ein, was hervorragend und teuer ist. 80 Prozent der Tropfen gehen an Privatkunden. Die Qualität sei exzeptionell, sagt er. Genau das, was seine Kunden aus Hongkong wollen. "Ich probiere alles und kaufe alles, was ich selber mag. Spätlesen und Kabinette sind meine Favoriten, vor allem die von Johann Josef Prüm (Bernkastel-Kues) und Maximin Grünhaus (Mertesdorf)."

Darüber dürfte sich Carl von Schubert besonders freuen. Seit Mai dieses Jahres ist er mit seinem Weingut Maximin Grünhaus wieder Mitglied im Großen Ring und bereits im August wurde er zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt, nachdem Egon Müller zurückgetreten war.

Die Preise für dessen Weine schießen jedes Jahr bei der Versteigerung in die Höhe, was gewieften Sommeliers allerdings keine Kopfschmerzen bereitet. "Es gibt andere Weingüter, die auch gute Weine haben", sagt Arno Steguweit. Der Sommelier aus Berlin, der bereits fürs Adlon die Weinauswahl traf, berät namhafte Restaurants und hält vor allem den niedrigen Alkoholgehalt der Moselweine für "unschlagbar". "Was hier wächst, wächst nirgendwo sonst auf der Welt." So in etwa würde das auch Auktionator Max von Kunow unterschreiben. Selbstbewusst ruft er den ersten Winzer auf: "Wir versteigern jetzt die Weine vom Weingut von Othe8graven. Herr Jauch, bitte zu mir aufs Podium."Hintergrund

Bei der Weinversteigerung des Großen Rings Mosel sind am Freitagnachmittag insgesamt 11.201 Flaschen Prädikatswein, verteilt auf 67 Lose, für insgesamt rund 1.620.522 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) versteigert worden. Zum Ticketpreis von 40 Euro konnten die rund 300 Gäste alle angestellten Weine probieren. Der Große Ring wurde 1908 gegründet und schloss die seit Mitte des 19. Jahrhunderts an Mittelmosel, Saar und Ruwer bestehenden Versteigerungsringe bedeutender Weingüter zusammen. Bei der Gründung gehörten der Vereinigung 56 Mitglieder an. Heute nennt sich der Verein Großer Ring VDP (Verband deutscher Prädikatsweingüter) Mosel und zählt 31 Mitglieder. Vorsitzender des Großen Rings ist Dr. Carl von Schubert vom Weingut Maximin Grünhaus in Mertesdorf. vkExtra

Wie viel mögen wohl die beiden Weine des Weingutes von Othegraven bringen? Besitzer Günther Jauch (links im linken Bild) und sein Geschäftsführer Andreas Barth sind gespannt. TV-Foto: Hans Krämer. Foto: Hans Krämer

Die höchsten Flaschenpreise: 10.120 Euro für 1,5 Liter Trockenbeerenauslese Graacher Himmelreich, Jahrgang 2005, Weingut J.J. Prüm. 3498 Euro für 1,5 Liter Scharzhofberger Auslese Goldkapsel 2015, Weingut Egon Müller. 2249 Euro Auslese Juffer Sonnenuhr 2015, Weingut Fritz Haag.vk
www.grosserring.de

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