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Einmal Tatort und zurück: Schauspieler Isaac Boateng will seiner Wahlheimat Trier treu bleiben

FOTO: Anita Riemersma (h_st )
Trier. Als Schauspieler vor einem Millionenpublikum auftreten, für viele bleibt es ein Traum. Isaac Boateng hat es geschafft: 2013 war er im Tatort zu sehen. Kollegen rieten ihm, Trier zu verlassen. Doch er blieb - und versucht von hier aus, seine Karriere voranzutreiben. Alexander Triesch

Isaac Boateng stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Mit beiden Händen klammert er sich an Gitterstäben fest, bewegt die Pupillen immer wieder nach links und rechts. Dann drückt er seinen Kopf gegen das Metall, schließt die Augen. "Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe, und hinter tausend Stäben keine Welt", rezitiert die Stimme im Hintergrund.

Die Szene stammt aus dem Kurzfilm "Der Panther", einer Interpretation des gleichnamigen Gedichts von Rainer Maria Rilke, die Boateng (34) im vergangenen Jahr mit einem Kollegen gedreht hat. "Gefangenschaft ist das zentrale Thema. Mir ist es wichtig zu zeigen, dass Menschen im Alltag Zwängen ausgeliefert sind", sagt der gebürtige Ghanaer, der seit mehr als 20 Jahren in Trier lebt und als Schauspieler arbeitet.

Für das knapp zwei Minuten lange Video, das bei Youtube zu sehen ist, stand Boateng einen ganzen Tag vor der Kamera. Mit neuem Material will er Präsenz zeigen. "In der Branche ist das enorm wichtig", sagt er. "Man muss regelmäßig zeigen, was man kann."Von der Bühne geträumt

Boateng drehte schon mit Kathy Karrenbauer, trat beim Trierer Römerspektakel Brot & Spiele auf und war 2013 als Gegenspieler der Saarbrücker Ermittler in der Tatort-Folge "Melinda" zu sehen. "Sieben Tagen war ich damals am Set und habe viel von meinen Kollegen lernen können", sagt Boateng, der am Conservatoire de Musique in Luxemburg studiert hat und gerade die Ausbildung zum Schauspiellehrer absolviert. Unter anderem musste er für die Rolle Dialoge in arabischer Sprache lernen. "Das war schon eine Herausforderung", sagt Boateng. "Aber es hat sich gelohnt. Die Resonanz war wirklich gut."

Seine Schauspiel-Kollegen haben ihm damals geraten, die Stadt zu wechseln, wenn er größere Neben- oder sogar Hauptrollen im Fernsehen möchte. Nach Köln zu ziehen oder nach Berlin, dorthin, wo die wichtigen Produktionsstudios sind. "Aber ich wollte in Trier bleiben", sagt Boateng.

Im Trierer Theater hat vor knapp 20 Jahren seine Schauspiel-Karriere begonnen. Boateng war Praktikant in der Bühnenbeleuchtung und beobachtete die Darsteller bei ihren Auftritten. "Irgendwann wollte ich selbst auf dieser Bühne stehen und Teil der aufregenden Geschichten sein." Sich immer wieder auf neue Charaktere einzulassen und ihnen ein Gesicht zu geben, sei spannend, sagt der 34-Jährige.

Heute ist Boateng vor allem als Zenturio und als Gladiator Valerius im Amphitheater bekannt. Dort führt er die Besucher zurück ins alte Rom. "Die Reaktionen des Publikums sind mir wichtig. Vor der Kamera kann man darauf schlecht reagieren", sagt Boateng, der sich beide Türen offen halten will: "Ich habe im Film Fuß gefasst, will aber auch weiterhin Theater machen."

 … und im Tatort 2013 als Bösewicht Uael Alchalaf. Foto: Manuela Meyer
… und im Tatort 2013 als Bösewicht Uael Alchalaf. Foto: Manuela Meyer FOTO: Manuela Meyer info@manuelameyer. (h_st )