Einmal um die ganze Welt

TRIER. Mit Ehrgeiz und Herz machte Alfred Lehnertz Karriere in der Justizverwaltung. Nun wurde der ehemalige Geschäftsleiter der Amtsgerichte Trier, Prüm, Wittlich und Saarburg feierlich in den Ruhestand verabschiedet.

38 500 Kilometer. Soweit ist Alfred Lehnertz in seinem Leben schon gewandert. Bestätigt und abgestempelt von Wander-Kontrolleuren des Deutschen und des Internationalen Volkswander-Verbandes. Erst am vergangenen Samstag hat der Eifeler aus Heckhuscheid im belgischen Lüttich wieder eine 50-Kilometer-Strecke abgewandert. "Da muss man schon stramm gehen", sagt der 63-Jährige mit energisch nach oben gerecktem Kinn. Verweilen, Picknick und gemütliche Pausen seien kaum drin. "Aber wenn etwas Schönes an der Strecke liegt, nehme ich mir trotzdem die Zeit. Zum Beispiel für Kapellen." Manche Marathon-Wander-Kollegen hätten diese Muse nicht."Karriere sucht ihresgleichen"

Vielleicht verdankt Alfred Lehnertz genau diesen Eigenschaften seine steile Karriere im Justizapparat: Zielstrebigkeit und Ehrgeiz vermischt mit Innehaltenkönnen sowie dem Blick und dem Herz für wesentliche Kleinigkeiten. Eine Karriere, "die ihresgleichen sucht", wie Jutta Terner, Präsidentin des Trierer Amtsgerichts, bei der Verabschiedung Lehnertz' in den Ruhestand betonte: Die Rechtsanwaltsgehilfen-Lehre mit "sehr gut" bestanden, im Jahr 1961 als Angestellter in den Justizdienst am Amtsgericht Prüm eingetreten, 1967 der erste Wechsel ans Amtsgericht Trier, 1972 nach Saarburg, ab 1980 dort Geschäftsleiter, 1983 die "Sehr-gut"-Prüfung zum Oberamtsrat, 1991 vier Monate Aufbauhilfe in Thüringen, 1995 und 1996 Geschäftsleiter am Amtsgericht Wittlich, seit 1996 Geschäftsleiter am Amtsgericht Trier. Dazu Dozent am Justizausbildungs-Zentrum Saarburg. "Bei der Verwaltung der Justiz ist man immer zuerst dem Gesetz verpflichtet, aber man ist auch immer noch Mensch", beschreibt Lehnertz das Spannungsfeld seines 45-jährigen Arbeitslebens. Nicht nur in der Personalführung, auch bei der Rechtspflege habe er einige Male Entscheidungen treffen müssen, die weh getan hätten. "Gott sei Dank hat der Mensch die wunderbare Gabe, sich eher an die schönen als an die schweren Dinge zu erinnern." Zu seiner Verabschiedung hatte Lehnertz in den Großen Sitzungssaal Nummer 121 des Landgerichts Trier eingeladen. Beinahe 100 Mitarbeiter und Geschäftsleiter anderer Gerichte im ehemaligen Regierungsbezirk Trier kamen. "Menschlich und fachlich vorbildlich", lobt Jutta Terner den scheidenden Justizoberamtsrat. "Mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsgefühl und einer kaum zu übertreffenden Hilfsbereitschaft." Über so viel Lob freute sich der zweifache Vater und zweifache Opa. Nicht ohne zu erwähnen - Gerechtigkeit muss sein -, auch "eine negative Eigenschaft" zu haben: "Ich konnte manchmal wohl schlecht zuhören, ich hoffe, das können Sie mir verzeihen", bat er seine Mitarbeiter, die halb wohlwollend, halb wissend und zustimmend lachten. Auch für den Ruhestand hat Lehnertz einen ehrgeizigen Plan: "Ich will einmal um die Welt wandern." 2500 Kilometer müssen dazu in seinem Wanderbuch noch abgestempelt werden, dann hat er die 41 000 Kilometer Erdumfang voll. "Bis Ende des Jahres schaffe ich das wohl nicht ganz, schließlich bin ich auch Familienmensch. Und die soll im Ruhestand ganz klar vorgehen."