Einmalige Leistung
Die Leistung von Hermann Lehnertz ist unglaublich und wohl kaum zu überbieten: 44 Jahre lang leitete er als Dirigent die Sängergemeinschaft Moselland Kenn 1962.
Kenn. (dis) Der Verein war erst ein Jahr alt, als der heute 76-jährige ehemalige Lehrer aus Föhren das Dirigat übernahm. "Mein Vorgänger, ein Organist, war nach Köln versetzt worden. Die Kenner Sänger suchten verzweifelt nach einem musikalischen Leiter und sprachen mich an", sagt er. Sie hatten ihm "fast ein Ohr abgeschwätzt", denn er wollte nicht so recht eine Nebentätigkeit übernehmen."Damals meinten die Eltern, ein Lehrer habe sich nur um die Kinder zu kümmern und solle sich ausschließlich darauf konzentrieren", erinnert sich der Dirigent. Weil die Kenner nicht locker ließen, willigte Lehnertz dann doch ein. "Aber nur für die Zeit der sechs Wochen dauern-den Sommerferien", gab er die Zusage. Doch aus den sechs Wochen wurden am Ende 44 Jahre, in denen er sich für die Sängergemeinschaft engagierte. Ein harmonisches Verhältnis, bei dem es in der langen Zeit nie ein böses Wort oder internen Krach gab, wuchs heran. Der scheidende Dirigent hat selbst zum Taschenrechner gegriffen und die investierten Stunden ermittelt. Geprobt hat er mit seinem Verein immer am Donnerstagabend. Wie beim Fußball, so erzählt er, wurde zwei mal 45 Minuten gesungen und eine "Halbzeit" von 15 Minuten eingelegt. Zusätzlich waren Proben für besondere Anlässe von ihm und den Sängern zu bewältigen. Bei drei Stunden Probe in der Woche kommt er in den 44 Jahren allein schon auf rund 6700 Stunden. Wenn noch die kirchlichen und weltlichen Auftritte, die Vorbereitungen für Theateraufführungen, musikalische Sketche und Familienabende hinzu gezählt werden, ergeben sich schnell ein paar tausend Stunden mehr."Chorgesang hat nur noch geringen Stellenwert"
Lehnertz erinnert sich: "In den Aufbaujahren hatte die Sängergemeinschaft rund 16 aktive Sänger in ihrer Runde." Schon im Jahre 1972 öffnete sich der Verein auch für Frauen. Der Aufschwung begann. Die Sänger brachten ihre Frauen und Freundinnen mit, andere weibliche Interessierte stießen zur Gemeinschaft, deren Mitgliederzahl schnell auf 40 Aktive anstieg. "Wegen des geringen Stellenwertes des Chorgesanges in der Gesellschaft ist die Mitgliederzahl in den letzten Jahren wieder rasant gesunken", sagt Lehnertz. In den letzten zehn Jahren konnte er kein neues Mitglied mehr begrüßen. Hermann Lehnertz wird am heutigen Donnerstag, 6. Dezember, in einer Feierstunde im Gasthaus Waldfrieden in Kenn von seinem Verein verabschiedet.