Einsatz für den Frieden

Sich für Minderheiten einzusetzen, ist für Thomas Zuche ein besonderes Anliegen. Beruflich berät er junge Migranten, in der freien Zeit engagiert er sich bei der Arbeitsgemeinschaft Frieden für das Gedenken an die Nazizeit.

Trier. "Manchmal merke ich richtig, dass ich durch bestimmte Begegnungen meine Akkus wieder für Jahre auflade", sagt Thomas Zuche. Begegnet ist er in den vergangenen Jahren so manchem Täter und Opfer der Nazizeit. Einigen Biografien hat sich Thomas Zuche genähert und stellt sie im Buch "StattFührer - Trier im Nationalsozialimus" vor, das er herausgegeben hat. "Die Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt mich seit meinem Geschichtsunterricht. Das war die Initialzündung", erzählt er. Auch seine Mutter habe viel vom Krieg gesprochen. "Als Kind hat mich das sehr schockiert. Dieses Entsetzen hat bis heute angehalten."Der Einsatz für den Frieden zieht sich durch Thomas Zuches Leben. Nach dem Abitur entscheidet er sich für den Zivil- und gegen den Kriegsdienst. 1979 gründet er die Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) mit, die aus einer Friedenswoche entstanden war. "Die Resonanz auf die Veranstaltung war so gut, dass wir uns in einem Verein organisiert haben." Fünf Jahre lang engagiert sich Thomas Zuche hauptamtlich als Friedensarbeiter in der AGF. "Ich hatte drei Schwerpunkte: die Militärbeobachtung, die Gedenkarbeit und den Ost-West-Dialog." Nachdem Weimar Partnerstadt von Trier geworden ist, reist er zu DDR-Zeiten zu einem Friedensseminar in die ostdeutsche Stadt in Thüringen. Der Besuch des westdeutschen Friedensarbeiters bleibt nicht undokumentiert. "Es gibt eine 220-seitige Stasi-Akte darüber." Thomas Zuche hat sie sich angeschaut. "Es ist zum Beispiel minutiös festgehalten, mit wem ich mich wann wo getroffen habe."Auch in Trier gab es Nazis und Widerstand gegen sie

Heute konzentriert sich der 47-Jährige auf die Aufarbeitung der Nazizeit, die er mit anderen Mitgliedern des AGF-Arbeitskreises "Trier im Nationalsozialismus" betreibt. "Die Nazizeit hat eben nicht nur in Berlin und Auschwitz stattgefunden. Auch hier haben Nazis Menschen verfolgt, und es wurde Widerstand geleistet", sagt er. Zum Geschehen in Trier organisiert Thomas Zuche regelmäßig Vorträge. Außerdem engagiert er sich im Förderverein des Dokumentations- und Begegnungszentrums des ehemaligen Konzentrationslagers Hinzert. Seit Juni ist er im Sprecherrat der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen Rheinland-Pfalz, die unter anderem Zuschüsse für Erinnerungsprojekte gibt.Ein derartiges Projekt hat Thomas Zuche mit dem Kulturverein Kürenz nach Trier geholt: die Stolpersteine. Gedenktafeln, die der Künstler Gunter Demnig in den Bürgersteig einlässt, erinnern an die Opfer der Nazizeit. "Meine Frau und ich sind Paten für einen Stein. Er erinnert an ein Zigeunerkind, das mit drei Jahren deportiert wurde", erzählt Thomas Zuche. Soziale Schiene nach dem Studium

Im Job hat er nach Politik-, Geschichts- und Theologiestudium die soziale Schiene eingeschlagen. Zunächst war Thomas Zuche in der Flüchtlingsarbeit und einem Projekt mit straffälligen Jugendlichen tätig. Heute betreut er im Jugendmigrationsdienst Ausländer und Asylanten.Entspannung findet er beim Musikhören. "Vor kurzem habe ich mir insgesamt 61 CDs mit geistlichen Kantaten von Bach angehört", erzählt er. Die Kunst genießt er auch bei Ausstellungen, für die er schon mal bis in die Niederlande fährt. Beste Unterhaltung bieten ihm Karikaturen, vor allem des Zeichners Tom, die er bei der täglichen taz-Lektüre schätzt. "Ich habe vor sechs Jahren angefangen, Karikaturen zu sammeln und inzwischen mehrere Kisten voll."