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Einsatz für Paulinstraße steht am Scheideweg

Einsatz für Paulinstraße steht am Scheideweg

Die Standortqualität der Paulinstraße in Trier zu beleben und zu stärken, ist Ziel des sogenannten Business Improvement District (BID). Die Stadt hofft auf eine Gesetzesinitiative des Landes, um die Finanzierung des Projekts dauerhaft auf sichere Füße zu stellen.

Trier. Ein Jahr nach Gründung der Interessengemeinschaft BID Paulinstraße (der TV berichtete) befasste sich der Dezernatsausschuss III des Trierer Stadtrats am Mittwochabend mit der Bilanz. Projektleiterin Silke Steuer stellte Erfolge und Probleme vor.

Finanzierung: Stadtverwaltung und Ortsbeirat Trier-Nord tragen die Personalkosten der im April 2013 geschaffenen Projektleitungsstelle (19,5 Stunden pro Woche). Es gibt keine festen Beiträge der 35 Mitglieder. Jedenfalls kam durch Gewerbetreibende und Immobilieneigentümer ein Jahresbudget von 10 775 Euro für Maßnahmen zusammen.

Aktionen: Das eigens geschaffene Logo zeigt typische Gebäudesilhouetten mit dem Slogan "Paulinstraße erkunden.erleben.erfahren." Auf der Internet-Seite www.facebook.com/bidpaulinstrasse präsentiert die Gemeinschaft sich und ihr Programm. Die Weihnachtsbeleuchtung soll in diesem Jahr ausgeweitet werden. Ein Flugblatt gibt eine Übersicht zu den Parkplätzen. Bäumchen begrünen die Bürgersteige, Infotafeln zeigen die Lage der Betriebe. Zuletzt verschönerten zum Teil großflächige Kunstwerke die Straße. Brandneu ist der Einkaufsführer zum Mitnehmen für die Kunden.

Leerstand: Zu Beginn des Projekts standen elf Läden leer, inzwischen nur noch vier. Zwei dieser vier sind wegen Bauarbeiten und Mietinteressenten derzeit nicht in der Vermarktung.

Resonanz: Laut Silke Steuer wissen die Mitglieder das verbesserte Erscheinungsbild der Straße und die gewachsene Solidarität untereinander zu schätzen. Eine aktive Mitarbeit bei der Organisation können sich die meisten vor allem aus Zeitgründen jedoch nicht vorstellen und wünschen sich daher wie bisher eine externe Projektleitung. Steuer wies auch auf das schwer zu kalkulierende Budget sowie das Problemfeld Verkehr hin: zu hohes Verkehrsaufkommen, zu schnelles Fahren, zu wenige Querungsmöglichkeiten für Fußgänger, zu wenige Parkplätze.

Debatte: Ausschussmitglied Begona Hermann (SPD) plädierte dafür, den BID "auf jeden Fall" weiterzuführen. Das Verkehrsproblem sei ohne den geplanten Durchbruch beim Wasserweg in Trier-Nord kaum zu lösen. Karl Biegel (CDU) fand "toll, was da gelaufen ist". Der Umgang mit dem Verkehr sei zwiespältig: "Wenn wir Verkehr rausnehmen, nehmen wir auch Kunden raus. Wenn wir ihn verlangsamen, könnte das eine Verlagerung zur Folge haben."
Richard Leuckefeld (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte daran, er sei von Anfang an gegen die Ansiedlung des BID in der Paulinstraße gewesen: "Das Karl-Marx-Viertel wäre besser geeignet, denn es ist homogener und entwickelt mehr Eigendynamik. Wir sollten das Projekt in der Paulinstraße nicht vorzeitig aufgeben. Aber die Mitglieder erwarten Handlungen von der Stadt, obwohl wir nur einen Anstoß geben wollten."

Ortsvorsteher: Christian Boesen (CDU), Ortsvorsteher von Trier-Nord, berichtete von Bestrebungen, die Schranke auf dem Gelände des Gesundheitsamts in der Paulinstraße künftig etwa von freitagmittags bis sonntagabends zu öffnen: "Dadurch ständen 20 Parkplätze zur Verfügung. Zudem sollten wir darüber nachdenken, eventuell eine sogenannte Brötchentaste für 20 bis 30 Minuten kostenloses Parken einzuführen. Der Ortsbeirat hat Geld zum Aufstellen von Bänken freigegeben."

Dezernent: Thomas Egger verwies auf eine Gesetzesinitiative von SPD und Grünen im Land. Sie solle die Voraussetzung dafür schaffen, Gewerbetreibende beziehungsweise Hauseigentümer zu Beiträgen zu verpflichten. "So ließe sich eine Budgetsicherheit schaffen", sagte Egger. Ohne eine solche Grundlage sehe er - ebenso wie die Industrie- und Handelskammer - keine Zukunft für solche Projekte. Wenn ein entsprechendes Gesetz etwa im Sommer 2015 in Kraft trete, könne die Stadt darauf reagieren und die Projektleitung noch übergangsweise selbst finanzieren. Ein konkreter Beschluss stand im Dezernatsausschuss nicht an.