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Einwohnermeldeamt unterschlägt Triererin fünf Jahre ihres Lebens

Einwohnermeldeamt unterschlägt Triererin fünf Jahre ihres Lebens

Wer - aus welchen Gründen auch immer - bei der Stadt Trier einen Meldebescheid anfordert, der erwartet vollständige und richtige Angaben. Bei Rosalia Jacquin war weder das eine noch das andere der Fall. Korrektur? Fehlanzeige. Der TV ist dem Fall nachgegangen.

Auf der Suche nach ihrer Familiengeschichte ist Rosalia Jacquin auf eine Lücke beim Trierer Einwohnermeldeamt gestoßen. Dort waren nur die Wohnsitze Jacquins ab 1956 gelistet - geboren wurde sie aber bereits 1951 in Trier.

Der Fall: "Ich war einfach nicht existent in Trier, obwohl ich doch hier gelebt habe!", entrüstet sich TV-Leserin Rosalia Jacquin. Seit einigen Jahren befasst sie sich mit Familienforschung, vor allem mit dem Schicksal ihres aus Polen stammenden Vaters, eines ehemaligen Zwangsarbeiters, der früh bei einem Arbeitsunfall starb (der TV berichtete).
Im Zuge ihrer Nachforschungen wandte sich Rosalia Jacquin an das Einwohnermeldeamt. Sie forderte eine Aufstellung über ihre bisherigen Wohnsitze an - und erlebte eine Überraschung: "Die Aufstellung begann mit April 1956 in der Herrmannstraße, was überhaupt nicht stimmt", sagt sie.
Geboren ist sie 1951 - in Trier. In die Herrmannstraße zog sie erst im Juni 1968. "Vorher hatte ich schon neun Wohnsitze, die allesamt unterschlagen worden sind!" Rosalia Jacquin gab sich nicht zufrieden: "Ich habe darauf bestanden, dass die alten Karteikarten aus dem Archiv geholt werden." Sie erhielt schließlich eine Kopie der Karteikarten, auf denen alle Wohnsitze akribisch handschriftlich - und korrekt - eingetragen waren. Die Triererin bat um Änderung und Korrektur der fehlerhaft im System erfassten Daten. "Dies, sagte die Mitarbeiterin des Amts höflich, aber bestimmt, werde nicht geschehen. Eine Erklärung gab sie nicht ab." Rosalia Jacquin stellt fest: "Ich finde es nicht in Ordnung, dass ein Teil meiner Lebensgeschichte, die ja in Trier anfängt, in meiner Akte einfach unterschlagen wird!"

Die Recherche: Der Trierische Volksfreund hat beim Trierer Presseamt nachgehakt. "Früher gehörte das Einwohnermeldeamt zum Polizeipräsidium Trier", informiert Dieter Jacobs. Mit der Eröffnung des Bürgeramts sei die Aufgabe von den städtischen Kollegen übernommen worden, berichtet er. "Damit ging eine Vielzahl von Daten in das städtische Amt über. Die alten Karteikarten kamen ins Archiv."
Die Daten darauf wurden nicht elektronisch miterfasst: "Auch durch Änderungen der EDV-Programme wäre es ein zu hoher personeller Aufwand gewesen, diese Daten nachzutragen." Sie würden sehr selten nachgefragt, argumentiert er. "Und die Karteikarten sind ja noch vorhanden." Wie es zu den falschen Eingaben zum Wohnsitz in der Hermannstraße gekommen sei, könne leider nicht mehr nachvollzogen werden.

Die Reaktion: "Ich bezweifle, dass es einen Mehraufwand an personeller Arbeit gegeben hätte, die Daten aus den Karteikarten gleich richtig zu übernehmen", kommentiert Rosalia Jacquin und resümiert: "Als Bürgerin bin ich enttäuscht. Mir steht doch ein korrekter Meldebescheid zu!"
Sie haben auch ein Thema, das der Trierische Volksfreund recherchieren sollte, weil es für die Öffentlichkeit interessant ist? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an die Adresse
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