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Mutmacher: Einzelhändler entwickeln kreative Ideen

Kostenpflichtiger Inhalt: Mutmacher : Einzelhändler entwickeln kreative Ideen

Den Einzelhandel trifft die Corona-Krise besonders hart. Die Läden müssen geschlossen bleiben. Viele Unternehmer in Trier und der Region haben einen Lieferservice eingerichtet und nutzen verstärkt das Internet.

Geschlossene Läden, aber laufende Fixkosten: Vor diesem Problem steht der stationäre Einzelhandel derzeit in ganz Deutschland. Und das schafft bei so manchem Existenzängste. Denn Ladenbesitzer und Mitarbeiter sind auf ihre Arbeitsstelle angewiesen. Um ihre Waren trotzdem an den Mann und die Frau zu bringen, bieten viele Einzelhändler nicht nur einen Lieferservice an, sondern haben auch ihr Online-Angebot aufgemöbelt. Wir zeigen einige Beispiele.

Trier

Kuscheltiere, Eisenbahnen, Brettspiele – für Kinder gibt es in Spielzeugläden einiges zu entdecken und zu bestaunen. Doch genau das ist im Moment nicht möglich. Franz Josef Fries vom Spielzeuggeschäft Rappelkiste in Trier hat wie viele andere Ladeninhaber damit zu kämpfen, dass die Kunden nicht hereinkommen und sich selbst etwas aussuchen können. Er hat sich in Zeiten der Krise ein neues Einkaufskonzept überlegt. Zwischen 12 und 15 Uhr sind seine Mitarbeiter im Laden und nehmen Bestellungen entgegen. „Die Mitarbeiter machen für Kunden Fotos und Videos von bestimmten Spielzeugen und Regalen“, sagt Fries. „Dann können sich die Kunden etwas aussuchen.“

Foto: TV/Schramm, Johannes

Doch nicht nur Brettspiele helfen gegen die Langeweile. Etwas Neues zu lernen ist ein bewährtes Gegenmittel. Wer schon immer mal ein Instrument spielen wollte, kann sich beim Musikhaus Reisser in Trier online beraten lassen. Auf der Homepage können Kunden einen Termin für einen Videochat vereinbaren, bei dem Mitarbeiter Sven Braun den Anrufer über sein Wunschinstrument informiert. „Seit dem 18. März bieten wir die Online-Beratung und den Online-Shop an“, sagt Georg Kern, Inhaber des Musikhauses Reisser. Sein Mitarbeiter Sven Braun ist sich sicher: „Dieses Angebot werden wir auch nach Corona weiterführen.“ Bisher sei die Webseite nur ein Online-Schaufenster gewesen, sagt Kern. „Jetzt können Kunden richtig einkaufen und bestellen.“ Kern ist damit zufrieden:„Die Beratung und den Shop haben die Kunden gut angenommen. Wir haben auch schon einiges darüber verkauft.“

Schweich

Stephanie Jonas und ihr Team vom Blumengeschäft Ton Blüte in Schweich bieten seit kurzem einen Lieferservice in einem Umkreis von 15 Kilometern an. „Den Service haben wir aus der Not heraus geboren“, sagt sie. „Die Leute wollen es zu Hause schön haben, können aber nicht zu uns kommen.“ Extra Liefergebühren erhebt sie keine und geht damit bewusst ein, finanziell draufzulegen. „Nur so haben wir die Möglichkeit, unsere Ware an den Kunden zu bringen. Die ist schließlich verderblich“, sagt sie.

„Wenn die Kunden nicht zu den Büchern kommen, müssen die Bücher zu den Kunden“, sagt Thomas Brausch von Die Buchhändler in Schweich. Seit elf Jahren liefere er schon Bücher aus, sagt er. Aber jetzt werde das Angebot verstärkt angenommen. „Man merkt, dass die Kunden Wert darauflegen, dass ihr Buchhändler vor Ort ist“, sagt er. Von morgens 7.30 Uhr bis abends würden er und seine Frau Bücher zu Kunden bringen. Seine Mitarbeiter sind – wie wohl auch die Mitarbeiter der meisten Einzelhändler – in Kurzarbeit. „Ich habe auch Unterstützung vom Land beantragt. Aber das läuft schleppend an“, kritisiert er.

Konz

Seit 2017 hat Stefan Holbach für sein Schuh- und Sportgeschäft ein digitales Schaufenster auf seiner Internetseite, wo man Waren auch bestellen kann. Aber wegen der Corona-Krise habe er seinen Facebook-Auftritt ausgebaut. „Ich wollte den Kontakt zu meinen Kunden nicht verlieren“, sagt Holbach. „Ich mache Videos und stelle Schuhe vor.“ Statt seine Kunden im persönlichen Gespräch zu beraten, erklärt er seine Produkte einer Kamera. „Ich gehe davon aus, dass wir einen Teil dieses Services auch später weiterführen“, sagt er.

Auch ein Lieferangebot habe er schon länger. „Wenn jemand gefragt hat, haben wir auch geliefert. Besonders Altenheime sind wir regelmäßig angefahren.“ Weil seine Mitarbeiter in Kurzarbeit sind, fährt der Chef höchstpersönlich zu den Kunden und liefert die Ware aus.

Hermeskeil

Bei Siegbert Haag bleiben die Türen seines Juweliergeschäfts Haag Schmuck und Uhren in Hermeskeil geschlossen, seine Werkstatt ist aber noch offen. „Ich habe den Vorteil, dass ich noch in der Werkstatt arbeiten kann“, sagt Haag. „Jetzt habe ich die Zeit, Reparaturen zu machen, die schon lange hier liegen“, sagt er. „Vorne am Laden habe ich eine Klingel. Wer etwas zur Reparatur bringen oder abholen will, kann vorbeikommen“, sagt er. Doch Haag berät Kunden auch telefonisch, wenn diese Wünsche hätten. Außerdem könnten Kunden Fotos von Schmuck und Uhren schicken. „Ich liefere sie dann auch aus.“

Saarburg

Uwe Greif vom Modegeschäft Bonnie & Kleid in Saarburg präsentiert seine Kleider nicht mehr nur auf Schaufensterpuppen. Er postet Outfits auf Facebook und Instagram für Kunden, die derzeit bei ihm bestellen können. „Bisher läuft es aber schleppend“, sagt er. „Die Bestellungen fangen nicht auf, was das Ladengeschäft sonst bringt.“ Er hofft, dass die Ladenschließung nicht mehr allzu lange dauert. „Im Juni kommt schon die Herbstmode. Dann bleiben wir auf der Sommermode sitzen“, sagt er. Was dann mit der übrig gebliebenen Sommerkleidung passiert, wisse er nicht.

Auf ihrer Internetseite www.einkaufserlebnis-trier.de hat die Trierer City Initiative den Bereich „Corona: Trier hält zusammen!“ geschaffen. Dort veröffentlicht sie Neuigkeiten aus dem Trierer Einzelhandel sowie aus der Gastronomie. Auch der Hochwald Gewerbeverband listet auf seiner Seite www.hgv-hochwald.de in der Rubrik „Wer liefert was“ Einzelhändler auf, die telefonische Beratungen und Lieferservices anbieten.