Eiscafé in Schweich: Drei Generationen und 50 Sommer

Tradition : Drei Generationen und 50 Sommer

Seit einem halben Jahrhundert betreibt eine italienische Familie eine Eisdiele in Schweich.

Mit dem Traum von der Selbstständigkeit im Kopf und 32 Jahre jung klapperte Arduino Costanti 1968 einige Moselorte ab. Die Wahl des Italieners aus dem Eismachertal Val di Zoldo fiel auf Schweich. „Es kamen damals so viele Leute aus der Kirche“, erinnert er sich an den Moment der Entscheidung, die Eisdiele Cortina in der Moselstadt zu eröffnen. Und dann habe es pünktlich zur Eröffnung, am 25. April, den ganzen Tag geregnet, erinnert sich Costanti. Wie an vielen Tagen des Sommers 1968.


Ein halbes Jahrhundert später, die Haare grau, die florierende Eisdiele längst an Tochter Fabiola, 52, und Schwiegersohn Plinio Soccol, 54, übergeben, steht der 82-Jährige wider in Schweich. Extra zum 50. Geburtstag der Eisdiele ist er mit Frau Ada, 77, aus dem Tal in den Dolomiten angereist. Silberne Eisbecher, die sich in Regalen aneinanderreihten, gehören ebenso zur Vergangenheit wie der erste Standort. Vor acht Jahren hat die zweite Generation neue Räume gemietet, die Eisdiele modernisiert und vergrößert.


Geblieben ist das exklusive Eismacherrezept: „Wir benutzen nur natürliche Produkte“, sagt Plinio Soccol. Er klingt stolz. Preise, Fläche der Eisdiele und Anzahl der Eissorten (anfangs zwölf, heute 28) und Anzahl der Kreationen (mehr als 120) sind gestiegen. Costantis Enkelkinder Nicola, 31 und Diana, 25, sowie deren Freund Stefano, 27, helfen schon lange mit. Die gute Seele der Eisdiele, „Onkel“ Luiguino Costanti, ist leider verstorben. Nach wie vor kehren die Soccols im Winter in ihr italienisches Heimatdorf, in dem laut Fabiola Soccol 80 Prozent der Bewohner Eisdielenbesitzer sind, zurück. Wenn, meist zu Karneval, wieder Leben in der Eisdiele in der Brückenstraße einkehrt, wissen die Schweicher, der Frühling steht vor der Tür.

Die Selbstständigkeit in Deutschland forderte auch ihren Tribut: Während die Eltern in Deutschland arbeiteten, besuchte Fabiola Soccol, wie alle Kinder der Eisdielenbesitzer, ein streng geführtes Internat im Val di Zoldo, an das sie sich nicht gerne zurückerinnert. Ihre eigenen Kinder wurden im Sommer von Oma Ada versorgt. Dankbar ist die Familie „Nonno Bepi“, wie sie Guiseppe Calchera, Gründer des gleichnamigen Eiscafés in Trier, nennen. „Er hat meinen Vater damals sehr unterstützt, damit er sich selbstständig machen konnte“, sagt Fabiola Soccol. Dankbar sind auch viele Schweicher. „Das Cortina ist seit 50 Jahren eine große Bereicherung für Schweich“, sagt ein Gast, während er genüsslich Schokoeis löffelt.