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Elternumfrage: Erst digital, dann auf Papier - CDU befürchtet Manipulation​

Jugendamt erhebt Bedarf : Stadt befragt Eltern doppelt und CDU befürchtet Manipulation

Die Stadt befragt Eltern derzeit nach ihren Bedürfnissen zur Kinderbetreuung. Ein Teil der digitalen Umfrage muss nun allerdings ganz klassisch per Briefbogen wiederholt werden – Kritiker befürchten Manipulation.

Das Trierer Jugendamt Trier ruft alle rund 3500 Eltern, deren Kinder die letzten beiden Vorschuljahre einer Kita oder die Klassen 1 oder 2 einer Trierer Grundschule besuchen, zur Teilnahme an einer Umfrage auf. Die Stadtverwaltung will wissen, wie groß der Bedarf an Nachmittagsbetreuung für den Nachwuchs ist.

Hintergrund ist das vor einem Jahr verabschiedete Gantagsförderungsgesetz (GaFöG) des Bundes. Nach diesem haben Eltern von Grundschulkindern ab 2026 einen Rechtsanspruch auf kostenfreie Betreuung an sieben Stunden pro Tag, von montags bis freitags und auch – bis auf vier Wochen pro Jahr – in den Ferien. Inkraft tritt das Gesetz zum Schuljahr 2026/27, zunächst für die 1. Grundschulklassen, danach kommen Jahr für Jahr die Klassen 2, 3 und 4 dazu.

Wie die verpflichtende tägliche Betreuung bis in den Nachmittag auf die Beine gestellt werden soll, ist bislang noch unklar. Absehbar ist zurzeit vor allem nicht, woher das zusätzliche Personal kommen soll. Erklärtes Ziel des Gesetzes ist es aber, Lücken im bestehenden Betreuungsangebot von Horten, Ganztagsschulen und auch Tagesmüttern und -vätern zu schließen. Denn in nahezu allen Stadtteilen ist der Bedarf größer als das Angebot.

Dazu kommt, dass die Betreuung in den Grundschulen für alle gratis sein soll. Ein Hortplatz kostet dagegen – je nach Elterneinkommen – bis zu 382 Euro im Monat. Viele Horte bieten dafür aber auch Betreuung bis um 18 Uhr an statt wie Ganztagsschulen bis um 15 oder 16 Uhr und an Freitagen nur bis mittags.

„Mit der Teilnahme an dieser Befragung unterstützen Sie die Stadt Trier dabei, ein bedarfsgerechtes Ganztags- und Nachmittagsangebot für Grundschulkinder und Ihre Familien zu planen und umzusetzen“, heißt es in dem Brief der Stadt an die Eltern. Verteilt wurde das Infoschreiben über die Kitas und Grundschulen. Abgefragt wird in der noch bis zum 6. Februar laufenden Umfrage neben dem Alter des Kindes und der Grundschule im Einzugsgebiet, wie der Betreuungsbedarf zurzeit gedeckt wird und ob die Eltern „die Einrichtung einer Ganztagsschule im Schulbezirk“ befürworten und diese auch in Anspruch nehmen würden. Ob die Eltern „mangels eines Betreuungsbedarfs nur eingeschränkt arbeiten können“, wird ebenfalls abgefragt. Auf einer Skala von „nicht wichtig“ bis „wichtig“ können Eltern zudem ankreuzen, wie wichtig ihnen bei der Entscheidung für zusätzliche Bildungs- und Betreuungsangebote am Nachmittag die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Kosten de Angebots, die individuelle Förderung des Kindes und flexible Betreuungszeiten sind.

Um an der Umfrage teilzunehmen, kann per Smartphone ein QR-Code gescannt werden, der dann auf die Homepage der Stadt und die dortige digitale Umfrage führt, von der es auch eine englische Version gibt. Das Problem: Grundsätzlich kann der QR-Code von jedem und unendlich oft gescannt werden. Jutta Albrecht, sozialpolitische Sprecherin der CDU im Stadtrat, sieht darin eine Manipulationsgefahr und die Möglichkeit, dass Eltern durch Mehrfachteilnahme den tatsächlichen Bedarf an Ganztagsbetreuung unzulässig in die Höhe treiben können.

Dass der Zugang zur Umfrage nicht auf eine einmalige Teilnahme pro Familie beschränkt ist, bestätigt Rathauspressesprecher Michael Schmitz auf Volksfreund-Nachfrage. Dass die Fragen manipulativ und auf ein bestimmtes Ziel hin – nämlich mehr Ganztagsschulen zu etablieren – gestellt seien, wie ebenfalls von Albrecht kritisiert, sei allerdings nicht richtig. „Es ist eine ergebnisoffene Umfrage, es gibt kein ,gewünschtes Ergebnis‘“, stellt Schmitz klar. Auch die bisherige Zahl der Rückmeldungen sei plausibel – es gebe bislang keine unerwartet oder unrealistisch hohe Menge an Teilnehmern.

Trotzdem: Eine einzige Frage wiederholt die Stadt im Einzugsgebiet der Grundschule Heiligkreuz jetzt nochmal ganz klassisch per auf Papier ausgedrucktem Fragebogen. Bei der Grundschule Heiligkreuz geht es nämlich schon aktuell darum, ob diese Ganztagsschule werden soll. „Ich möchte mein Kind für das Schuljahr 2024/25 für die verbindliche Ganztagsschule am Standort Heiligkreuz anmelden“, lautet daher die Ja- oder Nein-Frage, die sich ausschließlich an Eltern im Einzugsgebiet der Schule richtet.

Wegen der „von Kritikern gesehenen Brisanz“ werde diese konkrete Bedarfserhebung im Schulbezirk nun noch einmal in Papierform vorgenommen, bestätigt Rathaussprecher Schmitz. Sicherzustellen, dass der Bedarf pro Kind nur einmal angemeldet werden kann, ist dafür allerdings offenbar nicht der Grund. Vielmehr will die Verwaltung „auf die kritischen Stimmen eingehen“ und durch die Wiederholung „die Akzeptanz des Ergebnisses erhöhen“, teilt das Rathaus mit.