Emotionaler Abschied und Aufbruch

Emotionaler Abschied und Aufbruch

Authentisch, menschennah und pragmatisch: Diese Eigenschaften verbinden Weggefährten und Mitarbeiter mit Generalvikar Georg Bätzing. In einer feierlichen Vesper im Trierer Dom wurde er von Bischof Stephan Ackermann offiziell verabschiedet. Ab 18. September amtiert Bätzing als neuer Bischof von Limburg (Hessen).

Trier. Freudig geht Monsignore Georg Bätzing auf eine Gruppe Ordensschwestern zu. Er schüttelt Hände, umarmt sie und begrüßt jede einzeln. Nachdem die Nonnen ihn beglückwünscht haben, strahlen sie und sind sichtlich stolz.
Mit einer Pontifikalvesper im Trierer Dom hat Bischof Stephan Ackermann seinen Generalvikar Georg Bätzing offiziell verabschiedet. Er wird am 18. September als Nachfolger von Franz-Peter Tebartz-van Elst zum neuen Limburger Bischof geweiht (der TV berichtete).
Majestätischer Beginn


Wie sehr das Bistum den 55-Jährigen schätzt, wird an der Gestaltung der Vesper deutlich. Majestätisch beginnt Josef Still die Feier an der Schwalbennestorgel mit dröhnenden Bassläufen und schillernden, hohen Tönen. Stimmgewaltig singen der Domchor und der Trierer Kathedralchor, begleitet von einem Blechbläser-Quintett. Es ist deutlich zu spüren, welch besonderer Anlass begangen wird.
Bischof Ackermann schaut nach eigener Aussage mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf den Wechsel Bätzings: "Ich schätze deine Dienstbereitschaft, deine Loyalität und Verlässlichkeit sehr. Wir lassen dich schweren Herzens ziehen. Sei in deiner alten Heimat aber immer herzlich willkommen."
Bernd Steinmetz lobt Bätzing derweil als persönlichen und menschennahen Chef: "Die Zusammenarbeit mit ihm war sehr angenehm. Er ist ein verlässlicher und authentischer Mensch. Er kann den Leuten gut zuhören."
Christina Dahmen macht gerade ihre Ausbildung im Bistum Trier. Bätzing sei ihr dabei immer freundlich begegnet: "Er kennt alle Gesichter der Azubis. Auf dem Flur fragt er öfters nach, in welcher Abteilung wir nun arbeiten oder wie es uns geht. Er hat immer ein offenes Ohr und ist sehr modern eingestellt."
Georg Bätzing sei jemand, der in die heutige Zeit gehöre, würdigt Oberbürgermeister Wolfram Leibe den 55-Jährigen: "Ich habe ihn während der Heilig-Rock-Wallfahrt kennengelernt. Er ist überzeugt von der Ökumene. Ich denke, er wird in der Kirche einiges bewirken können."
Bernhard Kaster, CDU-Bundestagsabgeordneter, charakterisiert Bätzing als sympathischen und bodenständigen Menschen: "Die Zusammenarbeit mit ihm war zielorientiert und pragmatisch. Sein Wechsel ist ein Verlust für Trier." Landrat Günther Schartz (CDU) ergänzt: "Bätzing ist genau der richtige Bischof für Limburg. Ich freue mich mit ihm und wünsche alles Gute."
Pilgerhymne ausgewählt


In besonderer Erinnerung bleiben wird Georg Bätzing als Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrten. Nicht umsonst hat der Generalvikar die Pilgerhymne aus dem Jahr 2012 für die Abschiedsvesper ausgewählt.
In seiner Ansprache bedankt er sich bei Bischof Ackermann und seinen Mitarbeitern: "All die Eigenschaften, die zu meiner Wahl als Limburger Bischof führten, habe ich Trier zu verdanken. Hier konnte ich lernen und reifen." Seine Situation beschreibt Bätzing mit der des Astronauten Neil Armstrong. In dessen letztem Interview habe der erste Mensch auf dem Mond gesagt: "Ich habe den Ruhm nicht verdient. Schließlich bin ich gewählt und zum Mond gefahren worden. Meine Leistung bestand darin, etwas verlassen zu haben." Bätzing nimmt darauf schmunzelnd Bezug: "Ich möchte meinen Wechsel nach Limburg nicht mit einer Reise zum Mond gleichsetzen, aber die Geschichte spiegelt meine Situation wider." Die Gläubigen im voll besetzten Dom würdigen seine Worte mit Applaus.Extra

Georg Bätzing wurde 1961 in Kirchen (Sieg) geboren. 1987 wurde er in Trier zum Priester geweiht. Bätzing war Kaplan in Klausen und Koblenz. Ab 1990 arbeitete er als stellvertretender Leiter des Bischöflichen Priesterseminars in Trier. 1996 wurde er zu dessen Leiter ernannt. Damit war er für die Ausbildung der Priester im Bistum zuständig. Der damalige Bischof Reinhard Marx ernannte Dr. Bätzing 2007 zum Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt. Seit 2012 war er als Generalvikar Verwaltungsleiter des Bistums. behExtra

Als künftiger Bischof von Limburg will Georg Bätzing nicht in der von seinem Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst aufwendig umgebauten Residenz leben. "Ich werde nicht in die Bischofswohnung einziehen", sagte Bätzing am Sonntag. Er werde "in ein kleines Häuslein" in der Stadt ziehen, in der zuvor ein Weihbischof gewohnt habe. Die Residenz solle vom Bistum und für andere kirchliche Zwecke genutzt werden, sagte Bätzing. Tebartz-van Elst war von 2008 bis 2014 Bischof von Limburg. Im Herbst 2013 wurde er wegen erheblich gestiegener Baukosten für das Diözesane Zentrum Sankt Nikolaus im Bistum und bundesweit kritisiert. Am 23. Oktober 2013 entband der Heilige Stuhl den Bischof von seinen Pflichten. Die Deutsche Bischofskonferenz stellte bis März 2014 eine Mitverantwortung des Bischofs für die Baukostensteigerung und Verfahrensfehler fest. Am 26. März 2014 nahm Papst Franziskus sein Angebot zum Amtsverzicht an. Seit Dezember 2014 ist Tebartz-van Elst Apostolischer Delegat im Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung mit Zuständigkeit für die Katechese. dpa/Wikipedia