En Bodderschmeer und mehr

An anderer Stelle wurden hier bereits die Wörter Leem und Schmeer mit ihren mehrfachen Bedeutungen beschrieben. Reduziert man Leem und Schmeer auf Brot, so könnte man glauben, der Trierer würde das Bibelwort .

..nicht vom Brot allein lebt der Mensch.... nicht kennen. Brot muss zu seiner Lieblingsspeise gehören, denn er liebt es in allen Varianten. Es scheint, als ob er von ihm ausschließlich lebt. Beginnen wir mit ner Leem als neutrale Brotschnitte. Schon sind wir mittendrin. En Leem kann auch einfach ein Butterbrot sein mit Butter bestrichen. Legt man Wert auf gute Butter, so ist das en Bodderleem, gleichbedeutend ist die Bodderschmeer. En Schmeer besitzt immer einen Aufstrich oder einen Belag wie en Sießschmeer mit Marmelade oder Gelee. Bei einer Woorschdschmeer und einer Schöngkenschmeer ist der Belag eindeutig. Unter einer Kiesschmeer versteht der Trierer meist eine mit Kladdschkies beschichtete Brotscheibe, wobei der Quark mit Kräutern oder einer Tomatenscheibe verfeinert werden kann. Die Kiesschmeer kann auch zu einem Schusters Kotelett mutieren, wenn die Brotscheibe mit Limburjer Kies bestückt und dieser mit scharfem Mosdert bestrichen wird. En Schmeer für die weniger betuchten Bürger, die sich Fleisch zur Mahlzeit nicht leisten können. Noch bescheidener geht es bei der Peifenschmeer zu. Eine einfachen, trockene Brotscheibe ohne jegliche Auflage, über die nur der Wind gepfiffen hat. Ein Lufthauch ist über sie gestrichen und hat sie noch getrocknet.
Ein weiteres Wort darf nicht fehlen. En Luunen bezeichnet eine dicke Brotscheibe ohne jegliche Zutaten. Vermutlich ist dieses Wort über das Rotwelsche ins Trierische eingedrungen analog zu lau luunen, also nichts. Die Scheibe ist ohne jeglichen Belag, mit nichts bestrichen. Wie man merkt ist, ist der Trierer mit Brotscheiben zufriedenzustellen. Er sollte sie nur nicht trocken hinunterwürgen müssen.
Josef Marx ist Autor des Trierer Wörterbuchs, das im Trier-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich ist. Gemeinsam mit Horst Schmitt hat er über 10 000 Stichwörter in Hochdeutsch-Trierisch und Trierisch-Hochdeutsch zusammengetragen sowie die Kolumnensammlung "Milljune Leit - mindestens drei", die im Weyand-Verlag erschienen ist. Die beiden Autoren erläutern in unserer Kolumne "Trierisch balaawern" wöchentlich Besonderheiten der Trierer Mundart.