Ende der Durststrecke bei Hochwald-Sprudel

Nach schwierigen Zeiten bei der Firma Hochwald-Sprudel, einem der 15 größten Mineralbrunnen Deutschlands, werden in Kürze am Standort Thalfang (Kreis Bernkastel-Wittlich) 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Weitere 400 Arbeitsplätze an den Standorten Schwollen und Thalfang wurden mit Hilfe eines sogenannten Kreditmediators gesichert.

 Nach der Krise haben Marco Schupp (links) und Vater Günter wieder gut lachen: Die beiden Geschäftsführer stehen an einer Anlage in Thalfang, an der ein Grapefruit-Orange-Mischgetränk abgefüllt wird. TV-Foto: Friedemann Vetter

Nach der Krise haben Marco Schupp (links) und Vater Günter wieder gut lachen: Die beiden Geschäftsführer stehen an einer Anlage in Thalfang, an der ein Grapefruit-Orange-Mischgetränk abgefüllt wird. TV-Foto: Friedemann Vetter

Thalfang/Schwollen. Die Krise beim Unternehmen Hochwald-Sprudel mit Produktionsstätten in Thalfang und Schwollen ist überwunden. Der Hunsrücker Mineralbrunnen war in der Wirtschafts- und Finanzkrise in schwieriges Fahrwasser geraten.

Nach der Übernahme der insolventen Diamantquelle mit rund 100 Mitarbeitern vor sechs Jahren hatte die Unternehmerfamilie 55 Millionen Euro investiert, rund 40 Millionen allein in Thalfang. An dem Wachstumsstandort entstanden zwei weitere Abfüllanlagen, darunter eine, in der Fruchtsäfte ohne Konservierungsstoffe verarbeitet werden.

Dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise. Laut Seniorchef Günter Schupp brachen die Marktpreise für Sprudel und andere Erfrischungsgetränke bei steigenden Rohstoffkosten ein. "Diese Entwicklung war für uns nicht absehbar", versicherte Schupp, dessen Sohn Marco ebenfalls in der Geschäftsführung tätig ist, bei einer Pressekonferenz in Thalfang. Es wurde eng für die Unternehmerfamilie, die bei einem Bankenkonsortium um eine Verlängerung der Kreditlaufzeit nachsuchte. Doch die Geldinstitute spielten nicht mit.

Vor einem halben Jahr kamen dann Hans-Joachim Metternich und sein Team ins Spiel. Metternich ist seit Frühjahr als Kreditmediator (siehe Extra) für die Bundesregierung tätig und soll Unternehmen helfen, die Probleme haben, ihre Investitionen zu finanzieren. Metternich soll vor allem Freiberufler und Mittelständler unterstützen. Firmen wie BASF und Mercedes bräuchten den Mediator nicht, sagte der ebenfalls anwesende Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Und: "Die haben alle schlaue Leute unter Vertrag." Das häufigste Problem laut Metternich: "Zwischen den Firmen und dem Geldinstitut ist der Gesprächsfaden abgerissen." Das sei auch in dem Fall so gewesen.

Das konnte der frühere Chef der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz offenbar ändern. Nach sechsmonatigen Verhandlungen wurde erst in dieser Woche eine Lösung festgeklopft. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 75 Millionen Euro "ist jetzt super aufgestellt", bescheinigte Metternich.

Brüderle sieht in dem Ergebnis einen Beleg dafür, dass die Einführung des Kreditmediators die richtige Entscheidung war. Er habe in diesem Fall einem Traditionsunternehmen geholfen, "das noch in Generationen denkt". Durch die Einigung, bei der die Banken laut Metternich auch auf Geld verzichteten, wurden rund 400 Arbeitsplätze in Thalfang und Schwollen gesichert. 250 Menschen sind unmittelbar bei Hochwald-Sprudel beschäftigt, weitere 150 bei Dienstleistern.

Auch die Mitarbeiter leisteten ihren Beitrag in der Krise, sagte der Junior-Chef. Sie hatten auf Lohnerhöhungen und Teile des Weihnachtsgelds verzichtet. Dank der neuen Lösung soll eine derzeit stillgelegte Anlage demnächst wieder laufen. In Kürze sollen 20 neue Arbeitsplätze entstehen.

EXTRA

KREDITMEDIATOR



Seit Frühjahr 2010 ist der langjährige Chef der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz Hans-Joachim Metternich Kreditmediator in Deutschland. Die Stelle wurde von der Bundesregierung geschaffen, um die Versorgung des Mittelstands mit Krediten zu verbessern. Er soll zwischen Unternehmen und Banken vermitteln. Mehr als 1000 Unternehmen haben die Hilfe bereits in Anspruch genommen. iro

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