Ende einer Hotel-Geschichte

Das ehemalige Hotel "A La Petite Marquise" auf dem Echternacher Marktplatz wird abgerissen. In sechs Wochen soll hier kein Stein mehr auf dem anderen stehen. Ein Blick auf das, was war, und auf das, was kommen wird.

Echternach Steine bröckeln von den Wänden. Sie haben Löcher in der Fassade hinterlassen. Früher muss das ehemalige Hotel einmal prunkvoll ausgesehen haben - die spitzen Giebel, die Ornamente. Doch der Glanz vergangener Tage scheint kaum noch durch. Über den Türbögen spannt sich eine Markise, inzwischen ganz vermodert. Die Worte Kaffee und Kuchen kann man noch entziffern. Serviert wird im ehemaligen Hotel "A la Petite Marquise" seit gut 20 Jahren nichts mehr. Einst haben die Besucher von den Terrassen den Ausblick auf den Echternacher Marktplatz genossen. Heute wirkt die Ruine wie ein Fremdkörper zwischen all den neuen und restaurierten Bauten. Dieser Fremdkörper wird bald dem Erdboden gleichgemacht. Noch steht das Hotel zwar. Fast unmerklich haben die Abrissarbeiten aber begonnen. Die Gemeinde Echternach hat die "Petite Marquise" im März für drei Millionen gekauft (der TV berichtete). Inzwischen wurde eine Firma beauftragt, die das Gebäude abtragen soll. Die Angestellten des Unternehmens haben die Absperrungen der Stadt beiseite geräumt und eigene aufgestellt. Fenster und Türen sind inzwischen mit Holzpaletten verrammelt. Die Arbeiter werden nun in der Bauruine ein wenig aufzuräumen. Das ist weniger ein Versuch zu retten, was dort vielleicht noch zu retten ist, als eine Sicherheitsvorkehrung: Das Innere des Anwesens ist mit Asbest verseucht. Wenn sie damit fertig sind, kann die Abrissbirne kreisen. Dann ist das Hotel mit Geschichte selbst Geschichte. Entstehen soll auf dem Gelände für rund 16,7 Millionen Euro ein neuer Gebäudekomplex. Rund 7000 Quadratmeter haben die Planer für 27 Wohnungen im Ober-, ein Restaurant im Untergeschoss und eine Tiefgarage Platz. Losgehen mit dem Bau soll es im Oktober 2018, fertig sein wird man wohl im Juli 2020. Also aus alt mach neu? Nicht ganz. Denn die Fassade der "Petite Marquise" ist denkmalgeschützt. Die Vorderfront muss genau vermessen und später wieder aufgebaut werden. Erhalten bleiben soll außerdem die "Petite Portugaise": ein Häuschen im Hinterhof, in dem portugiesische Angestellte des Hotels lebten.KommentarMeinung

Die Echternacher packen es anDie "Petite Marquise" ist lange Zeit der Schandfleck von Echternach gewesen. Jahrelang verfiel das Gebäude auf dem Markplatz, bis die Luxemburger es nicht mehr ausgehalten haben. Also hat die Stadt das Gebäude gekauft und den Abriss prompt selbst in die Hand genommen. Einen solchen Einsatz würde man sich auch für so manche Bauruine in Bitburg wünschen. Davon gibt es ja genug - ob nun das Kösterhaus, die alte Schalterhalle der Volksbank und so weiter. Hier müssten die Eigentümer allerdings an die Verwaltung verkaufen.Beginnen könnten die Bitburger schon einmal mit dem alten Aldi am Beda-Platz. Der gehört ihnen ja schon. Aber offenbar ist der Abriss der Stadt zu teuer. Schade. c.altmayer@volksfreund.de