Ende einer Institution im Maarviertel

Ende einer Institution im Maarviertel

Was sich bereits vor mehr als einem Jahr in Trier-Nord angekündigt hat, ist ab dem 1. Januar Realität: "Der Krebs" ist nicht mehr. Dafür öffnet das "Lädchen am Stadion" seine Pforten.

Trier-Nord. "Beide sind immer sehr freundlich und hilfsbereit", ist sich die Kundschaft des "nah und gut"-Lebensmittelladens von Franz und Susanne Krebs in der Kloschinskystraße einig. Eine junge Anwohnerin schwärmt vom selbstgemachten Wurstsalat, eine ältere Dame lobt den Lieferservice, ein Mädchen die Pferdehefte und Süßigkeiten und ein Junge die gute Fleischwurst.

Ende Dezember war endgültig Schluss mit dem früheren Edeka-Supermarkt: Franz Krebs schließt die Pforten; nach etwa einer Woche Umbau wird die "Awo Suchthilfe gGmbH" Neuwied in Kooperation mit dem Trierer Awo-Stadtverband das Geschäft übernehmen und als "Lädchen am Stadion" wieder eröffnen.

Der Abschied von den Kunden fällt nicht leicht



"Kropa" hieß das Lebensmittelgeschäft während der Nachkriegszeit; im Dezember 1971 wurde es von Ferdinand Krebs und im Mai 1974 von dessen Sohn Franz übernommen. Ihm und seiner Frau Susanne, die jahrzehntelang die Fleischtheke betreut hat, fällt der Abschied von ihrer Kundschaft nicht leicht: "Es ist schade, man hat sich in all den Jahren aneinander gewöhnt", sagt er. Eine veränderte Bewohnerstruktur im Viertel, mehrere Lieferantenwechsel und sinkende Umsätze hätten den Schritt unumgänglich gemacht.

"Wir sind froh, dass es weitergeht", betont Franz Krebs und berichtet: "Es gab auch private Interessenten, doch sie haben das Risiko nicht tragen können." Unterstützung erhielt er von höchster Stelle: Im Juli besuchte Oberbürgermeister Klaus Jensen den Laden. "Das ist kein Geschäft, das ist eine Sozialstation", sagt er lachend im Gespräch mit dem TV.

Für viele ältere und einsame Menschen sei "der Krebs" ein wichtiger Ansprechpartner und garantiere die Nahversorgung im Viertel. "Der Fortbestand des Geschäfts liegt mir sehr am Herzen", betont Jensen.

Ab Januar werden im "Lädchen am Stadion" vier Menschen Arbeit finden, die aufgrund ihrer Suchterkrankung schwer in den "ersten Arbeitsmarkt" zu integrieren sind. "Die Awo-Gemeindepsychiatrie betreibt im Westerwald erfolgreich mehrere Läden - das hat uns Mut gemacht", sagt Jürgen Borniger, Geschäftsführer der Neuwieder Awo-Suchthilfe.

Auch in Pfalzel, wo die Awo seit rund einem Jahr betreutes Wohnen für Suchtkranke anbietet, solle in Kürze ein Laden eröffnet werden. "Wir möchten in einem beschützten Rahmen, aber unter realen Bedingungen ein Arbeitsfeld für unsere Bewohner schaffen", sagt Borniger. Das Lebensmittelangebot des "Krebs" solle beibehalten und die Auslieferung von Waren verstärkt werden. Im Januar werde das "Lädchen am Stadion" offiziell von OB Jensen eröffnet.

Kontakte sollen weiterhin gepflegt werden



Mit etwas Wehmut bewältigten Susanne und Franz Krebs ihre letzten Tage im Laden. "Die Ungewissheit, ob es weitergeht, war schlimm", sagen sie rückblickend. "Es war ein schöner Abschluss für das Jahr. Wir haben einen Lebensabschnitt erfolgreich zu Ende gebracht." Kontakte wolle sie pflegen und im Laden weiterhin einkaufen, sagt Susanne Krebs.

Auch ihr Mann wird sich öfter dort sehen lassen: "Ich habe versprochen, gelegentlich zur Unterstützung vorbeizukommen." Langeweile wird bei beiden nicht aufkommen: Während Franz Krebs eine Teilzeitstelle bei einem Lieferservice antritt, freut sich Susanne Krebs auf ihre neue Arbeit im Schönfelderhof-Laden. Extra Den Laden der Familie Krebs führt die AWO Suchthilfe gemeinnützige GmbH Neuwied weiter. Suchtmittelabhängigen Menschen sollen hier gemeinsam mit anderen behinderten und nichtbehinderten Menschen unter realistischen Bedingungen und unter pädagogischer Begleitung eine Wiedereingliederung in das Arbeits- und Erwerbsleben erfahren. Nach der Renovierung wird das "Lädchen am Stadion" am Donnerstag, 8. Januar, um 7 Uhr wieder öffnen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 7 bis 13 Uhr und von 14 Uhr bis 19 Uhr sowie Samstag von 7 Uhr bis 13 Uhr. (red)