Endlagerspektakel

TRIER. (ruf) Die Anti-Atomkraft-Konferenz in Trier diente dem Informationsaustausch. Gemeinsame Aktionen und Proteste sollen künftig in Deutschland und Frankreich abgestimmt werden.

Die Regierung Frankreichs diskutiert in diesen Tagen über die Zukunft der französischen Energiepolitik. Im Herbst soll - das zeigen die öffentlich geführten Debatten - ein neues Atom-Programm auf den Weg gebracht werden. Dazu zählt das Projekt, einen neuen Reaktortyp zu entwickeln, dessen Bau immer wahrscheinlicher wird. Als erster Standort für diesen "Europäischen Druckwasser Reaktor" könnte ein Ort in der Normandie vorgesehen sein. Das berichtete Annie Griffon von dem französischen Netzwerk Atomausstieg bei der deutsch-französischen Anti-Atomkraft-Konferenz in Trier. Die Initiative, die Annie Griffon vertritt, umfasst 650 französische Vereinigungen. Diese protestieren zum Beispiel gegen das geplante Atommüll-Endlager im lothringischen Bure.Die Bevölkerung wehrt sich erfolgreich

"In Frankreich ist Bure der einzige Ort, über den noch als Endlager nachgedacht wird", erklärte MichelMarie im Namen der örtlichen Bürgerbewegung "Bure Stop". Überlegungen, andere Städte in dieser Hinsicht zu untersuchen, waren vor drei Jahren an dem Widerstand der Bevölkerung gescheitert. "Seit zehn Jahren ist Bure im Gespräch", sagte Michel Marie. "Erst jetzt begreifen die Menschen, um was es geht." Im deutschen Gorleben protestiert seit 26 Jahren die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg gegen Castor-Transporte und Endlager-Politik. Mit mehr als 1000 Mitgliedern sind dort mehr Menschen organisiert als in allen Parteien der Region insgesamt. Als Vertreter der Gorleber Initiative erinnerte Francis Althoff an die für Juni erwarteten Vorschläge des EU-Konvents zur künftigen Gestalt der Europäischen Union. Diese Empfehlungen sollen den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten als Grundlage dienen, bei der nächsten Regierungskonferenz das EU-Vertragswerk zu erneuern. Dabei geht es auch um den Euratom-Vertrag, mit dem 1957 die Europäische Atomgemeinschaft gegründet wurde."Bei Euratom Subventionen im Spiel"

"Der Vertrag bevorzugt die Atomenergie", mahnte Althoff und informierte über Bemühungen, die Konvent-Beratungen hinsichtlich eines Gegenmodell zu Euratom zu beschließen. "Viele von uns wussten nicht, wie schwierig es ist, in dieser Hinsicht Einfluss auszuüben", sagte Markus Pflüger von der Initiative für Atomausstieg Trier. "Bei Euratom sind viele Subventionen im Spiel." Pflüger wies auf Uranhexafluorid-Transporte hin, die per Bahn durch Trier führen. Dadurch wird aufbereitetes Uran aus Pierrelatte in Südfrankreich zur Anreicherung nach Gronau und im Anschluss nach Lingen/Westfalen gebracht. Dort wird es zu Brennelementen verarbeitet. Beim Treffen in Trier wurden außerdem internationale Aktionen vereinbart. Neben der Anti- Atom-Konferenz Anfang Mai in Münster sollen Demonstrationen bei der G8-Umweltkonferenz Ende April in Paris stattfinden. Ein Marsch von Cattenom nach Bure ist vom 23. bis 29. August vorgesehen. Diesen Weg würde der Atommüll von Cattenom nehmen, wenn in Bure das Endlager fertig gestellt wäre.