"Endlich hat man was von Schule"

"Endlich hat man was von Schule"

TRIER. Seit den Sommerferien rauchen in dem Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasium die Köpfe ganz besonders. Die Schule ist nach Mainz und Kaiserslautern die dritte in Rheinland-Pfalz, die in einem Bildungsgang hochbegabte Mädchen und Jungen fördert.

Landläufig werden sie "Überflieger", "Genies" oder "kleine Einsteins" genannt. Doch gerade das käme bei den Kindern schlecht an, berichtet Schulleiter Bernhard Hügle. "Es sind eben nur Kinder, die ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend gefördert werden sollen." Seit September sind am AVG zusätzlich zu den anderen "neuen" Fünftklässlern in einer Ganztagsklasse 16 Jungen und vier Mädchen aufgenommen worden, die in einem Aufnahmeverfahren den Anforderungen einer Schule für Hochbegabtenförderung/Internationale Schule gerecht wurden. Die meisten Kinder seien zehn Jahre alt, erläutert Hügle, ein Junge ist noch neun. Sie kommen beispielsweise aus Wittlich, Serrig oder Brauneberg. "Das Einzugsgebiet ist größer als das, das wir sonst haben", bestätigt Hügle. Aber noch nicht so groß, wie es eigentlich dem landesweiten Konzept der Hochbegabtenförderung entspricht. Der Grund: Noch gibt es kein Internat für die hochbegabten Schüler im AVG, für das die Nikolaus-Koch-Stiftung die Finanzierung zugesichert habe. "Im Bedarfsfall", schränkt Hügle ein, doch wenn es kein Angebot gebe, dann entstehe auch kein Bedarf - zwei Interessenten mussten deshalb nach Kaiserslautern abgewiesen werden. Langfristig werde die Einrichtung eines Internats aber angestrebt. Bereits im fünften Schuljahr lernen die Hochbegabten in Trier zwei Fremdsprachen (jeweils vier Wochenstunden in Englisch und Latein) und bereiten sich auf den bilingualen Zug vor, der das internationale Abitur ermöglicht. In der sechsten Klasse kommt Französisch dazu. Die Stundentafel für die hochbegabten Fünftklässler sieht außerdem in einer so genannten "Anreicherung" unter anderem naturwissenschaftliches Experimentieren, ein geschichtliches Stadtprojekt und Methodentraining vor. "Die Kinder haben in der Grundschule bisher ja quasi nebenher gelernt", erläutert die Leiterin des Hochbegabtenzweigs, Elfriede Mommenthal-Aymanns. "Lernen lernen", einen Zeitplan für die Aufgaben erstellen, soziale Kompetenzen ausbilden - das sind Lernziele, denen sich die Hochbegabten auch stellen müssen. Insgesamt werde mehr und schneller unterrichtet. Wichtige Einheit ist das "Flexi-Band". Was irgendwie nach Gymnastik klingt, beinhaltet eines der wichtigen pädagogischen Ziele: die Integration von Hochbegabten in die Schule. Dazu dienen vielseitige Arbeitsgemeinschaften, die von allen Fünft- und Sechstklässlern gemeinsam besucht werden können. Während "Flexi-Band" erledigen die Kinder in einer Wochenstunde selbständig Hausaufgaben - mehr als zwei Stunden Hausaufgaben pro Woche zu Hause sind nicht vorgesehen. Eine mitttägliche Spieleeinheit an frischer Luft kommt dem Bewegungsdrang der Kinder entgegen. Derzeit gibt es das Mittagessen noch im Mergener Hof, ab dem Sommer dann in dem Mehrzweckhallen-Neubau auf dem Schulhof. Ein erster Elternabend habe positive Rückmeldungen zum Hochbegabtenzweig gegeben, sagen Hügle und Mommenthal-Aymanns. Die Kernaussage der Kinder laute: "Endlich hat man mal was von Schule." Am 26. November findet eine Informationsveranstaltung über die verschiedenen Bildungsgänge des AVG statt. Wer sein Kind im Hochbegabtenzweig anmelden will, muss sich bis 9. Dezember bewerben (Gutachten der Grundschule ist ausreichend). Am 12. und 13. Januar 2006 folgt Probeunterricht mit diagnostischen Tests, der sich die Auswahlkonferenz anschließt.