Endlich ohne Hetze nach Hetzerath
Schweich/Hetzerath · Mit dem Zug vom Stefan-Andres-Schulzentrum in Schweich nach Hetzerath – das sorgt seit Jahren bei Eltern und Schülern für Unmut. Das Hauptproblem: Viele Kinder verpassen nach der sechsten Stunde den Zug, weil sie zu wenig Zeit zum Umsteigen haben. Der TV hat nachgefragt. Das Ergebnis: Ab dem 2. Dezember können sich die Hetzerather Schüler über einen Linienbus freuen, der sie ohne Umsteigen nach Hause bringt.
Die Suche hat begonnen. Eltern von Viertklässlern beginnen jetzt damit, eine weiterführende Schule für ihr Kind zu finden. Und die Schulen rühren die Werbetrommel. Das Schweicher Stefan-Andres-Schulzentrum wirbt auch an der Grundschule Hetzerath um neue Schüler. Und auch wenn die meisten von denen später auf Schulen in Wittlich oder Salmtal gehen werden - das Interesse am Schulstandort im Nachbarkreis ist groß: 44 kleine Hetzerather sind dort an weiterführenden Schulen angemeldet. Doch mit der Verkehrsanbindung sind die Eltern seit Jahren unzufrieden. Mehrmals fragten sie beim Kreis und bei den Verkehrsbetrieben an, ob ein besserer Buslinienverkehr eingerichtet werden könne - immer erfolglos. Das Argument lautete stets: "Die Schiene hat Vorrang vor dem Bus." Sprich: Die Kinder fahren mit dem Bus vom Schulzentrum zum Schweicher Bahnhof und von dort mit dem Zug nach Hetzerath.
Das Problem ist, dass die Zeit für das Umsteigen nach der sechsten Stunde äußerst knapp bemessen ist - in der Regel können die Schüler den Zug dann nur rennend erwischen. "Wer unterwegs Schuhe binden muss, hat verloren", sagt ein Vater.
Die sechste Stunde endet um 13.15 Uhr. Danach steigen die Schüler um 13.24 Uhr an der Haltestelle am Brunnen in den Bus Richtung Bekond, der sie um 13.35 Uhr 400 Meter unterhalb des Bahnhofs absetzt. (Bis hinauf zum Bahnhof kann der Bus nicht fahren, weil es dort keine Wendemöglichkeit gibt.) Ihr Zug nach Hetzerath verlässt den Bahnhof um 13.37 Uhr. Zwei Minuten bleiben den Kindern also, um die Rennstrecke zum Bahnsteig, die 300 Meter steil bergauf führt, mit dem schweren Ranzen auf dem Rücken zurückzulegen - sonst verpassen sie den Zug.
Lea aus der fünften Klasse ist froh, dass ältere Schüler ihren Weg teilen. "Die Großen sehen im Internet nach, ob der Zug Verspätung hat. Dann können wir gehen. Wenn der Zug pünktlich ist, müssen wir den Berg hochlaufen. Das ist nicht so toll."
Damit ist jetzt Schluss. Auf Recherchen des Trierischen Volksfreunds hin haben sich die an der Schülerbeförderung beteiligten Stellen bewegt. Der zuständigen Kreisverwaltung Trier-Saarburg war das Problem "bisher so nicht bekannt", lautet die Begründung der Behörde für ihre bisherige Untätigkeit.
Und ab Mitte Dezember wäre es für die Schüler noch ärger gekommen: Denn die Bahn will die Zugabfahrtszeit um zwei Minuten vorverlegen. Auf Nachfrage erkennen der Zweckverband Schienennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV) und die Rhein-Mosel-Verkehrsgesellschaft (RMV) das Problem: Die Schüler haben keine Chance mehr, den Zug zu erreichen. Trotzdem antwortet der SPNV, der Zug-Fahrplan sei nicht mehr zu ändern. Die RMV dagegen, zuständig für den Busverkehr, reagiert. Joachim Huber, Verkehrsplaner bei der RMV, schafft eine Lösung: "Wir können den Bus, der von Ehrang über Schweich und Föhren nach Bekond fährt, bis Hetzerath durchfahren lassen." Die Regelung gilt ab 2. Dezember. Die Kinder steigen wie gewohnt um 13.24 Uhr in den Bus, der sie bis jetzt nur bis zum Bahnhof fuhr, und sind um 13.52 Uhr in Hetzerath, ohne umzusteigen. "Das ist ein großer Schritt in die richtige Richtung", sagt eine erleichterte Mutter.
Zumindest für ein Jahr, dämpft Huber ein wenig die Begeisterung. Dann gibt es wieder einen Zugfahrplanwechsel, und es wird neu überlegt, ob der Zug nicht wieder den Bus ablösen kann.
Extra
Der Wunsch der Hetzerather Eltern, auch morgens einen Bus fahren zu lassen, bleibt weiterhin unerfüllt. "Da sehe ich keine Lösung", so Joachim Huber, als Verkehrsplaner zuständig für den Busfahrplan bei der Rhein Mosel Verkehrsgesellschaft (RMV). Somit ändert sich morgens nichts: Ist der Zug nach Schweich spät dran, dann verpassen die Schüler den Bus zum Schulzentrum. Das bedeutet 20 Minuten strammer Fußmarsch quer durch die Stadt. Dazu kommen die Gefahren auf dem Schulweg, sagt ein Vater. Denn die Kinder müssen hinter einer nicht einsehbaren Bahnunterführung, die in einer Kurve liegt, die Straße überqueren.
Wer den Schulweg in einem Bus zurücklegt, wie die Schüler aus Klüsserath, Waldrach, Fell, Bekond, Föhren, Zemmer und anderen Ortschaften, habe es besser, findet Lea aus Hetzerath, die die fünfte Klasse in Schweich besucht.
Für die Schülerbeförderung gibt es Grundsätze, an die sich Verkehrsplaner halten müssen. Da ist zum einen das Gebot der Wirtschaftlichkeit, die den Einsatz von Bussen reglementiert. Dazu kommt die Vorgabe der Landesregierung, dass der Zug Vorrang vor dem Bus hat: Ist eine Zugverbindung vorhanden, soll vermieden werden, einen konkurrierenden Bus einzusetzen. Und zwar egal, wie oft die Kinder umsteigen müssen. Das erläutert die Kreisverwaltung Trier-Saarburg.
Fußwege von unter zwei Kilometern gelten für die Schüler ebenso als zumutbar. Zeitlich sollte der Schulweg nicht mehr als 60 Minuten in Anspruch nehmen.
In Rheinland-Pfalz gilt das sogenannte Schulstandortprinzip, nach dem immer der Landkreis, in dessen Gebiet die Schule liegt, die Aufgabe der Schülerbeförderung und die Kosten übernehmen muss.