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Endlich richtig wuchern mit dem Wein

Endlich richtig wuchern mit dem Wein

Der noch vor wenigen Monaten wegen eines Artikels kritisierte Journalist Jakob Strobel y Serra erhält zunehmend Befürworter. In Mertesdorf hat sich nun der Moselochsen-Autor dafür eingesetzt, den Moselwein würdiger zu vermarkten.

Mertesdorf. Die Mosel, für die er weltweit nur zwei nennenswerte Konkurrenten in Portugal und Frankreich sieht, darf ebenso wie ihr Wein nicht länger unter Wert verkauft werden. Das ist die Botschaft von Reisejournalist Jakob Strobel y Serra, der mit seinem Moselochsen-Artikel (siehe Extra) für Aufruhr gesorgt hat. Bei einer Veranstaltung in Mertesdorf appelliert es deshalb auch an seine Zuhörer "Wuchern Sie mit den Pfunden, die wirklich welche sind." Billigtourismus sei der weltweit renommierten Weinregion unwürdig.
Vor allem fehle Infrastruktur für anspruchsvolle Weinliebhaber. Sie schätzten Weinverkostungen in schickem Ambiente und kreative Events. Die These des Journalisten: Moseltourismus muss in erster Linie Weintourismus sein. Strobel y Serra: "Der Wein ist der Schlüssel zum touristischen Erfolg der Mosel."
Albrecht Ehses, bei der IHK Trier Geschäftsführer für Wein und Tourismus, erinnert an das vor Jahren ambitioniert gestartete und am Kirchturmdenken gesch eiterte Wein- und Gourmetfestival. Dabei würden Leuchtturm-Initiativen wie das Mosel-Musikfestival die Region voranbringen.
Winzer Thomas Ludwig aus Thörnich bedauert interne Umgangsprobleme. Statt stolz zu sein auf erfolgreiche Kollegen, würden diese vielfach schlechtgeredet. Dabei profitierten letztlich doch alle von deren Erfolg. Als Moseljünger, einer Vereinigung qualitätsorientierten Winzer, sieht Ludwig die Moselochsen-Debatte als Chance. Für Andrea Weber vom Hotel Deutscher Hof in Trier machen vor allem "Qualität und Herzblut" die Mosel aus. Die Region werde kaum von Spitzenbetrieben allein leben können. Dennoch brauche es Qualität auf allen Ebenen. "Regionaltypisch, aber gut", bringt Heike Clüsserath, Winzerin aus Trittenheim, die Kernkompetenzen auf den Punkt.
Strobel y Serra berichtet davon, dass viele Menschen in der Region etwas verbessern wollen. Er ist positiv überrascht von dem gesunden Maß der Moselaner an Selbstkritik und Selbstbewusstsein. Nun gelte es, das zusammenzubringen für eine "Raketenzündung, um die Mosel voranzubringen". urs
Extra

Moselochsen: Der Bonner Journalist Jakob Strobel y Serra arbeitet seit 1993 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), seit 1997 als Redakteur beim Reiseblatt der FAZ. In diesem erschien im August 2013 sein Mosel-Reisebericht mit dem Titel "Der Schönheit wohnt der Schrecken inne". Darin kritisiert er die "Schnitzelparadiese" des Billig- und Massen-Tourismus an der Mosel und vergleicht die Mosellaner mit "uneinsichtigen Moselochsen", was über Monate für Aufruhr sorgte. Das Thema seines Vortrags im Hotel-Weingut Weis in Mertesdorf lautete "Anregungen für einen erfolgreichen Weintourismus an der Mosel". Eingeladen dazu hatten der Arbeitskreis der Weinbau-Ingenieure und Winzermeister Mosel-Saar-Ruwer mit der Vereinigung Ehemaliger Trie-rer Weinbauschüler (VLF Trier). urs