Endstation Schrottplatz

Die marode Bahnüberführung zwischen Trier-Süd und Weismark ist ein Fall für die Schrottverarbeitung. In der Nacht zum Sonntag wurde die 95 Jahre alte und rund 60 Tonnen schwere Stahlkonstruktion abgerissen.

Trier-Süd/Weismark. Das erlösende Kommando kommt um 1.23 Uhr: "Ihr dürft. Es ist geerdet!" Die Betriebsamkeit, die zuvor nur seitlich an den Widerlagern herrschte, verlagert sich auf die Aulstraßen-Brücke. Oder das, was noch davon übrig ist: An den vorangegangenen Tagen wurde der Überbau bereits um 100 Tonnen Asphalt und (Stahl-) Beton erleichtert. Jetzt geht es den stählernen Trägern (60 Tonnen) an den Kragen. Dass die Schweißer erst nach ungeduldigem Warten ans Werk können, liegt an der Bahn. Mit reichlich Verspätung passiert der letzte Zug aus Perl die Aulstraßen-Brücke. Dann wird - wie bereits in Gegenrichtung - aus Sicherheitsgründen die Oberleitung (15 000 Volt) abgeschaltet.

Im Schein der Schweißfunken gerät Martin Bismor ins Schwärmen: Das sei ein finales Highlight seines Berufslebens, sagt der Chef des Stadt-Tiefbauamts, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. In ein gutes Dutzend Elemente zerkleinern die Mitarbeiter einer Spezialfirma die Brückenträger, die dann mit zwei mobilen Kränen herausheben werden.

Auch wenn ein Stadtteile verbindendes Bauwerk "einfach so" von der Bildfläche verschwindet, kommt bei den Schaulustigen nur wenig Nostalgie auf. Viel zu sehr hat die Aulstraßen-Brücke (Baujahr 1913) zuletzt genervt. 1994 ist sie im Zuge der Bahnreform in städtischen Besitz übergegangen.

An dem ungewollten Geschenk mit rapide nahendem Verfallsdatum hatte niemand Freude: Die marode Brücke musste 2005 erst für Fahrzeuge über 2,8 Tonnen und im vergangenen Frühjahr komplett gesperrt werden. Der parallel verlaufende Fußgänger- und Fahrradsteg bleibt erhalten.

Gegen 5.30 Uhr kann Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani, die vier Stunden lang tapfer ausgehalten hat, beruhigt nach Hause fahren. Die letzten Teile der Brücke sind in Transportcontainer verladen. Sie landen nun auf dem Schrottplatz. Der Erlös (80 Euro für eine Tonne Alteisen) ist gemessen an den Kosten bescheiden. Rund 460 000 muss die Stadt für den Abriss und die Leihbrücke bezahlen, die voraussichtlich Ende November geliefert, dann befahrbar gemacht und Anfang 2009 für den Verkehr freigegeben werden soll. Ein echter Neubau soll bis 2014 folgen.