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Enge Räume, leckes Dach und Klapperfenster

Enge Räume, leckes Dach und Klapperfenster

Der Verbandsgemeinderat Ruwer hat nach ausgiebiger Debatte den Auftrag zur Sanierung des Feuerwehrhauses Mertesdorf erteilt. Das über 54 Jahre alte Gebäude soll auch einen Anbau erhalten, da die bisherigen Aufenthaltsräume nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen.

Mertesdorf/Waldrach. Unerwartet heftig hat der Verbandsgemeinderat Ruwer in jüngster Sitzung über die Sanierung des Feuerwehrhauses Mertesdorf debattiert. Dabei war das Projekt im Verbandsgemeindehaushalt 2014 längst mit 30 000 Euro veranschlagt worden. Da die Gesamtsanierung in diesem Jahr noch nicht abgeschlossen werden kann, sollen die restlichen 15 000 Euro im Haushalt 2015 erscheinen.Ein Punkt sorgt für Kritik

In der Sitzung am Mittwoch schlug die Verwaltung vor, den Auftrag zum Pauschalpreis von etwa 42 400 Euro an die Mertesdorfer Firma Volker Dick zu vergeben. Der Angebotspreis sei von der Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung geprüft und als angemessen beurteilt worden. Die Vergleichsanfrage nach einem ähnlichen Pauschalangebot bei einer Trierer Firma sei ohne Ergebnis geblieben. Grund: Dieser Betrieb könne für 2014 keine Aufträge mehr annehmen. An diesem Punkt entflammte die Kritik von CDU und Grünen. Beklagt wurde die "überstürzte Verfahrensweise" ohne Beratung im Bauausschuss. Im bereits 2012 erstellten Feuerwehrkonzept für die Verbandsgemeinde (VG) sei das Gebäude als offenbar unbedenklich aufgeführt worden. Warum nun diese Eile? Wäre es nicht erforderlich gewesen, im Interesse der Mertesdorfer Wehrleute ein fundiertes Sanierungskonzept zu erstellen? Bürgermeister Bernhard Busch konterte mit dem Hinweis, dass sich Feuerwehr und VG über ein solches Konzept schon verständigt hatten - es sei auch der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) vorgelegt worden. Busch: "Das hätte dann ein Volumen von 200 000 Euro gehabt. Die ADD hat gleich erklärt, dass es dafür keinen Zuschuss gebe."Menschenwürdige Unterkunft

Als die CDU-Fraktion mit einem Antrag auf Vertagung und Verweisung an den Ausschuss winkte, erhielt VG-Wehrführer Christian Kühn das Wort, der zusammen mit Mertesdorfer Wehrleuten die Diskussion aus dem Zuschauerraum beobachtete. Eindringlich appellierte er dafür, das Ziel einer menschenwürdigen Unterkunft für die engagierten, ehrenamtlichen Mertesdorfer Wehrleute im Auge zu behalten. Kühn: "Wenn die Entscheidung heute vertagt wird, sitzen wir in einem Jahr wieder vor derselben Vorlage." Starke Schützenhilfe erhielt Kühn von SPD-Ratsmitglied Klaus Simon, selbst aktiv bei der Mertesdorfer Wehr. Gisberth Theis (CDU) erklärte schließlich, den Vertagungsantrag trotz der Bedenken zurückzuziehen. Der Auftrag an die Firma Dick wurde einstimmig bei zwei Enthaltungen beschlossen.Meinung

Kurz vor der FrustrationNatürlich müssen alle größere Ausgaben einer Kommune der Kontrolle ihrer gewählten Vertreter unterliegen. Doch das kann notfalls auch der Verbandsgemeinderat direkt erledigen. Werden 42 000 Euro zur dringenden Minimalsanierung eines Feuerwehrhauses schon zur Existenzfrage für eine Verbandsgemeinde, nur weil der Haupt- und Finanzausschuss nicht darüber beraten konnte? Im Falle Mertesdorf hat sich der gesunde Menschenverstand durchgesetzt. Wäre der Punkt in der jüngsten Sitzung vertagt worden, hätten die Betroffenen noch lange auf eine Lösung ihrer Probleme warten müssen. So weit kam es zum Glück nicht, da die Debatte von einer Dele gation junger Mertesdorfer Wehrleute verfolgt wurde. Zunächst gerieten die Ehrenamtlichen an den Rand der Frustration. Am Ende durften sie beruhigt heimfahren. Politikverdrossenheit kann schon durch kleine Stiche an der Basis entstehen. trier@volksfreund.deExtra

Der eingeschossige Bau mit zwei Fahrzeughallen war Anfang der 60er Jahre errichtet worden. Inzwischen ist die Dacheindeckung sanierungsbedürftig, die Fenster sind marode und weisen eine schlechte Dämmwirkung auf. Die PVC-Böden wellen sich mit "Eselsohren" hoch und sind kaum mehr zu reinigen. Längst entsprechen die Räume nicht mehr der größeren und veränderten Mitgliederstruktur. Da die Mertesdorfer Wehr einen starken Zulauf an weiblichen Wehrleuten hat, ist der Einbau einer Damentoilette dringend erforderlich. Auch insgesamt ist die bestehende Sanitäranlage erneuerungsbedürftig. Mehr Mitglieder und mehr Gerät erfordern zudem die Errichtung eines Anbaus. Diese Maßnahme ist im Auftragspaket mit enthalten. f.k.