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Enger Zusammenhalt über die Schulzeit hinaus

Enger Zusammenhalt über die Schulzeit hinaus

Ein Klassentreffen der besonderen Art haben acht Frauen in Trier erlebt. Sie alle haben vor 65 Jahren gemeinsam Abitur gemacht - und sich seitdem nicht aus den Augen verloren. Die Frauen verbinden eine tiefe Freundschaft und außergewöhnliche Erinnerungen.

Trier. Aus Essen, Köln und Freiburg sind sie nach Trier gereist, um gemeinsam mit ihren ehemaligen Mitschülerinnen zu Abend zu essen. Bis hierhin nichts Ungewöhnliches. Allerdings sind die acht Damen mittlerweile jede rund 85 Jahre alt.
In ihrer früheren Heimat haben sich die Frauen getroffen, um sich an ihren gemeinsamen Schulabschluss vor 65 Jahren zu erinnern - und zusammen sozusagen ihr "eisernes Abitur" zu feiern.
Mit Abendessen, Rundfahrten, Museumsbesuch und einer Bootstour auf der Mosel haben sich die früheren Klassenkameradinnen für ihr Wiedersehen ein komplettes Wochenendprogramm zusammengestellt.
1947 zählten die heute 85-Jährigen zu 20 Schülerinnen, die in Trier ihr Abgangszeugnis erhielten. Sie gehörten zur Gründerklasse der 1938 eröffneten Städtischen Studienanstalt - einer reinen Mädchenschule, die später zum Treveris-Gymnasium wurde. Sie absolvierten das erste Zentralabitur in der französischen Besatzungszone. In nur zehn Minuten wurden die Schülerinnen in acht Fächern mündlich geprüft. Allerdings wurde diese Form der Abschlussprüfung nur zwei Jahre lang praktiziert.
Auch nach so langer Zeit haben die Frauen immer noch guten Kontakt zueinander. "Wir telefonieren pausenlos", sagt Hilde Haas. "Jede kann noch mitten in der Nacht anrufen, wenn sie ein Problem hat. Es wird immer geholfen."
Ein Klassenverband, der für heutige Verhältnisse ungewöhnlich scheint. Der Grund dafür ist allerdings schnell gefunden: "Nach dem Krieg gab es ja nichts, und wir haben alles geteilt. Wenn eine ein Butterbrot mitbrachte, durfte jede einmal abbeißen", erklärt Haas, die anderen nicken zustimmend. Cliquen habe es bei ihnen nicht gegeben, alle hätten sich untereinander gekannt - auch die Familien. Neidgefühle seien undenkbar gewesen, berichten die Frauen, auch wenn sie alle arm gewesen seien. "Wenn eine ein neues Kleid hatte, haben wir uns für sie gefreut", erzählt Helga Peiper-Vorwohl. Ihre Kleider hätten sie sich teilweise aus Gardinen genäht.
In ihrer schulfreien Zeit, berichten sie, hätten die Mädchen für die verwundeten französischen Soldaten im Lazarett gesungen und getanzt. Bei der Erinnerung daran müssen sie lachen. Dieser Zusammenhalt ist über die Jahrzehnte nie abgerissen - und soll auch so bleiben. Noch heute treffen sich die Frauen jedes Jahr zu einer Wandertour im Schwarzwald. "Es war eine tolle Freundschaft. So etwas gibt es heute ja kaum noch", sagt Hannelore Hödle-Zöllner. tkr