Entschärfung am Sonntag: Bombe schlummert unter Sportplatz in Trier-Euren (Update)

Blindgänger : Entschärfung am Sonntag: Bombe schlummert unter Sportplatz in Trier-Euren (Update)

Der auf dem Sportplatz in Trier-Euren entdeckte Blindgänger soll am Sonntag entschärft werden. 2300 Menschen müssen dafür ihre Wohnungen verlassen.

Update Mittwoch, 17.59 Uhr: Der zu evakuierende Gefahrenbereich umfasst nach Angaben der Stadt folgenden Straßen: Am Irminenwingert (dort von Nr. 37 bis 43), Am Irrbach, An der Lokrichthalle, Eifelstraße, Eurener Straße (dort von Nr. 51 bis 169 und Nr. 170a, 172, 174 und 176), Holbeinstraße, Im Geimersfeld (dort von Nr.1 bis 10), Im Pi-Park, Im Schankenbungert, Im Speyer (dort von Nr. 3 bis 11), Jägerstraße, Jahnstraße, Lenus-Mars-Straße, Ludwig-Steinbach-Straße (dort von Nr. 2 bis 4), Martha-Brach-Str, Mohrenkopfstr., Nikolaus-Theis-Str., Ottostr (dort von Nr. 1 bis 19a), Reichertsberg, Schalkenbachstr, Schweringstr, Spirostr, Tempelweg, Udostr (von Nr. 2 bis 46 gerade und von Nr. 9 bis 29 ungerade) und Werner-Siemens-Str.

Update Mittwoch, 17.20 Uhr: Die in Trier-Euren entdeckte Weltkriegsbombe wird am kommenden Sonntag, 22. September, entschärft. Das teilte die Stadt Trier mit. Die Entschärfung sei für 12.30 Uhr vorgesehen. Dazu müssten rund 2300 Einwohner im Umkreis von 500 Metern um den Fundort der Bombe ihre Wohnungen ab 11 Uhr für drei Stunden verlassen. Die Stadt hat für Betroffene ab Donnerstag, 9 Uhr, eine Hotline für weitere Fragen eingerichtet, Telefon 0651/718-1817.

Foto: Stadt Trier

Update Mittwoch, 12.30 Uhr: Die Trierer Polizei teilt auf Twitter mit, dass bei der Sondierung keine weiteren Kampfmittel gefunden wurden. Über die Entschärfung werde heute Nachmittag entschieden. Gegen 17 Uhr sei mit Einzelheiten zu rechnen.

Foto: TV/Schramm, Johannes
Pressekonferenz zur Fliegerbombe in Trier-Euren

Bombe schlummerte jahrelang unter dem Spielfeld

Weltkriegsbombe in Trier gefunden

Hunderte, wenn nicht gar Tausende Fußballpartien sind auf der Bezirkssportanlage in Trier-West/Euren ausgetragen worden. Zahllose Trainer und Ersatzspieler haben bei Regen in den beiden Unterständen am Spielfeldrand Schutz vor der Nässe gesucht. Sie haben alle nicht gewusst, was nun herausgekommen ist: Rund 1,30 Meter unterhalb der Spielfläche hat in all den Jahren ein Relikt des Zweiten Weltkriegs gelegen, das hätte explodieren können. Laut Stadtverwaltung ist am Dienstagmittag gegen 12.35 Uhr bei Sondierungen im Zuge des Baus eines neuen Kleinspielfelds eine britische 250-Kilo-Bombe gefunden worden.

Was mit der Bombe des Typs MC 500 wann genau geschehen soll, ist am Dienstag noch kein Thema. Denn die Bombe hat einen Aufschlagzünder und ist in solch einem Zustand, dass nicht umgehend gehandelt werden muss. Das Weltkriegsrelikt wird vorerst einmal gut bewacht.

Beigeordneter Thomas Schmitt kann die wohl drängendste Frage der Journalisten bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz nicht beantworten: Wann wird die Fliegerbombe entschärft, und wie viele Menschen müssen während der Entschärfung ihre Wohnungen und Häuser verlassen?

Es ist nicht das erste Mal, dass solch ein Blindgänger von den Experten des rheinland-pfälzischen Kampfmittelräumdiensts unschädlich gemacht werden muss. Laut Thomas Schmitt bietet sich für die Entschärfung das kommende Wochenende an. Ein wenig zuwarten können die Verantwortlichen auch deshalb, weil vom Blindgänger keine direkte Gefahr ausgeht. Bewacht wird das Fundstück trotzdem rund um die Uhr. Und Schmitt bittet nachdrücklich darum, dass sich Schaulustige fernhalten sollen. Der Trainingsbetrieb in der Turnhalle neben dem Fundort kann jedoch vorerst weitergehen.

Unsicher ist der Entschärfungstermin auch deshalb, weil es sich bei dem Fundstück nicht um einen Zufallstreffer handelt. Anhand von Luftbildaufnahmen wird das Gelände des seit vielen Jahren genutzten Fußballplatzes nämlich systematisch abgesucht. Dabei ist unter anderem auch ein alter Metallkanister gefunden worden. Und eben die Bombe. Die könnte bei einem Angriff am 1. April 1943 gefallen sein. Damals, so hat der Eurener Heimatforscher Adolf Welter herausgefunden, griffen sechs Mosquito-Bomber der 105. Staffel der Royal Air-Force das Eurener Ausbesserungswerk der Reichsbahn an. 17 Menschen wurden damals getötet.

Wie geht es nun weiter? Bei Entschärfungen von Weltkriegsbomben dieser Größenklasse ist es normalerweise üblich, dass pro Zentner Gewicht jeweils 100 Meter Sicherheitsradius ausgewiesen werden. Das würde bei einem Fünf-Zentner-Sprengkörper einen 500-Meter-Sicherheitsradius ausmachen (siehe Grafik). Würde das so umgesetzt, wäre ein Gebiet ungefähr zwischen Tempelweg und Numerianstraße betroffen. Innerhalb des Gebiets liegen unter anderem eine Kindertagesstätte, eine Schule, ein Seniorenheim, eine Tankstelle sowie zahlreiche Betriebe.

Was jenseits der dann notwendigen Räumung von Häusern und Wohnungen bei einem Entschärfungstermin besonders berücksichtigt werden muss, ist die Verkehrssituation. Die Fundstelle liegt in Sichtweite der Eurener Straße. Die ist Umleitungsstrecke für den Verkehr in Richtung Zewen und Luxemburg, der normalerweise auf der Luxemburger Straße unterwegs ist.

Dezernent Thomas Schmitt hat bei der Pressekonferenz angekündigt, dass vermutlich erst am späten Mittwochnachmittag feststehen wird, wann genau der Kampfmittelräumdienst seine Arbeit an der britischen Bombe beginnen wird. Sobald der Termin bekannt ist, werden die betroffenen Anwohner informiert. Sie müssen damit rechnen, dass sie – wie in solchen Fällen üblich – schon geraume Zeit vor der eigentlichen Entschärfung den Sicherheitsbereich verlassen müssen. Vermutlich wird es auch wieder Sammelquartiere für diejenigen geben, die kein Ausweichquartier bei Freunden oder Verwandten haben.

Foto: Stadt Trier
Bei einer Pressenkonferenz erklärt Ordnungsdezernent Thomas Schmitt (links) die Situation. Foto: Rainer Neubert
So sieht die britische Fliegerbombe aus der Nähe aus, die bei Arbeiten auf dem Sportplatz in Trier-Euren gefunden worden ist. Foto: Rainer Neubert

Selbstverständlich wird die Stadt dafür sorgen, dass auch diejenigen in Sicherheit gebracht werden, die nicht selbst das Gebiet rund um den Sportplatz verlassen können.

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