Entschärfung nach Plan

TRIER-WEST/EUREN. Kurt Mazzucco weiß nicht mehr, wie viele Bomben er bereits entschärft hat. "Sehr viele", sagt der Experte des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz ruhig. Gleich wird er einem fünf Zentner schweren Sprengkörper gegenüber treten. "Die Entschärfung ist kein Problem, nur die Warterei macht nervös."

Mazzucco wartet mit seinem Team dort, wo Baggerfahrer Manfred Daleiden - "Das war ein echter Schock" - die Bombe am Dienstag entdeckt hatte. Das Grundstück an der Kreuzung Spirostraße/Im Schankenbungert ist längst komplett abgeriegelt. Um die Männer vom Kampfmittelräumdienst herum läuft die Evakuierung dieses Teils von Trier-West und Euren, die wie geplant um 16 Uhr begonnen hat. Rettungskräfte des Malteser Hilfsdienstes, des Deutschen Roten Kreuzes und der Feuerwehren gehen von Haus zu Haus und überprüfen, ob die Anwohner der Aufforderung gefolgt sind, die Sperrzone zu verlassen.Hubschrauber kreist um den Fundort

Die Rettungsdienste helfen alten und kranken Menschen, reden gut zu und leisten Überzeugungsarbeit. Die Türen der bereits kontrollierten Häuser werden mit Klebeband markiert. Ein Hubschrauber kreist um den Fundort der englischen Fliegerbombe und hält den Luftraum frei.

"Die Entschärfung ist kein komplizierter Vorgang", verrät Dietmar Schmid, Einsatzleiter des Kampfmittelräumdienstes. "Wenn man den Zünder identifiziert hat, weiß man, was man damit machen muss." Mazzucco, der Entschärfer, teilt diese Zuversicht. "Wir konzentrieren uns auf den technischen Ablauf und machen den Job. Man macht sich schon Gedanken, aber erst hinterher."

Sein Job beginnt um 17.55 Uhr. Jetzt befinden sich nur noch Mazzucco und zwei Kollegen im 500-Meter-Umkreis um die Bombe. Auch die Einsatzleiter müssen die Sperrzone verlassen. Man sammelt sich in der Messeparkhalle, in der auch viele Anwohner der beiden Stadtteile darauf warten, in ihre Häuser zurückkehren zu können. Bürgermeister Georg Bernarding, Berufsfeuerwehr-Chef Herbert Albers-Hain - sie alle warten auf das Ergebnis der Entschärfung. Um 18.15 Uhr die gute Nachricht: Die Bombe ist entschärft, Mazzucco und sein Team haben es geschafft. Albers-Hain informiert die Anwohner. Applaus füllt die Halle.

Sie lebte auf der Bombe: Katharina Schmidt, Jahrgang 1924, wohnte 36 Jahre lang in dem mittlerweile abgerissenen Gebäude in der Spirostraße direkt über dem Fundort. "Man hat jetzt schon ein mulmiges Gefühl", verrät sie dem Trierischen Volksfreund. "Ich habe schon während des Krieges in dieser Wohnsiedlung gelebt, allerdings in einem anderen Haus. Auch das Bombardement habe ich miterlebt."

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