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Entscheidung mit der Narrenkappe: Stadtratsmehrheit kippt Alkoholverbot an Weiberfastnacht - Karnevalistenpräsident erleichtert

Entscheidung mit der Narrenkappe: Stadtratsmehrheit kippt Alkoholverbot an Weiberfastnacht - Karnevalistenpräsident erleichtert

Am Ende einer emotionalen Debatte stand eine große Überraschung: Mit der hauchdünnen Mehrheit von 25:24 Stimmen hat der Stadtrat eine Neuauflage der restriktiven Sicherheitsvorkehrungen an Weiberfastnacht 2015 verhindert. Kein Alkoholverbot, kein Narrenkäfig - Triers Karnevalisten-Chef zeigt sich erleichtert.

Trier. Bei Tagesordnungspunkt elf der Stadtratssitzung am 11. 11. legte sich CDU-Mann Thomas Albrecht ganz besonders ins Zeug. Der Karnevalsprinz von 1996 trug seine Rede in Reimform vor: "Wir wollen sagen mit diesem Gedicht: In Trier brauchen wir den Narrenkäfig nicht." Viel Beifall auch von den Ratsbänken gegenüber, wo die Sozialdemokraten Thomas Neises (Prinz 2009) und Thiébaut Puel (KG Rot-Weiß Ehrang) auf eigene Weise ihre Solidarität mit dem Brauchtum bekundeten: Sie trugen ihre Narrenkappen. Als nach Albrecht auch noch der jugendpolitische SPD-Sprecher Andreas Schleimer sich "für einen lebendigen Straßenkarneval" aussprach, war klar, dass der Stadtvorstand um eine Mehrheit für die von ihm vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen für Weiberfastnacht 2015 bangen musste.
Die Stadt hatte eine Neuauflage der Richtlinien vorgeschlagen, die an Weiberfastnacht dieses Jahres galten: Alkoholverbot im öffentlichen Raum mit Ausnahme einer umzäunten Zone ("Narrenkäfig") mit Einlasskontrollen und Bändchenkennzeichnung minderjähriger Besucher. Einziger Unterschied zu 2014: Die Verbotszone sollte etwas verkleinert werden, aber immer noch zahlreiche Straßen und Plätze der Altstadt umfassen. Einen Änderungsantrag legte die FDP am Dienstag vor. Kernpunkte: Streichung des generellen Alkoholverbots - was denn auch den "Narrenkäfig" überflüssig macht. Die städtische Beschlussvorlage verfehle das Thema und das Verbot seinen Zweck, erklärte FDP-Ratsmitglied Martin Neuffer: "Sie stellen alle Trierer unter Generalverdacht und treffen die Karnevalsvereine. Wer sich sinnlos betrinken will, wird das außerhalb der Verbotszone tun." In diesem Sinne äußerten sich auch Susanne Kohrs von der Linkspartei ("Alkoholverbot ist keine Lösung. Es bekämpft ein Symptom, löst aber kein Problem") und Piratin Darja Henseler ("Wir sollten nicht alles reglementieren, sondern den Leuten zutrauen, Verantwortung für sich selbst zu tragen"). Hans-Alwin Schmitz (FWG) und Thorsten Kretzer (Grüne) äußerten vor dem Hintergrund der Massenbesäufnisse und Randale von Weiberfastnacht 2012, die den Restriktions-Stein erst ins Rollen gebracht haben, ein gewisses Verständnis für die Stadt. Einziger Befürworter der harten Linie war in der Ratsdebatte Michael Frisch (AfD): "Wollen wir herausfordern, dass ein Herzinfarkt-Patient nicht behandelt werden kann, weil 60 Alkoholleichen den Krankenhausbetrieb blockieren?"Auch die Bürgermeisterin reimt


Auch der gereimte Rettungsversuch von Bürgermeisterin Angelika Birk ("Weil viele junge Leute unter die Räder kamen, werben wir für Weiberfastnacht in einem sicheren Rahmen") fruchtete nicht: CDU, Linke, Piraten und große Teile der SPD unterstützten das Ansinnen der Liberalen. Beschlossen hat der Stadtrat eine "Gefahrenabwehrverordnung light": Am 12. Februar 2015 ist es von 9 bis 19 Uhr untersagt, den Hauptmarkt mit Getränkebehältnissen zu betreten. Andreas Peters, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval, zeigt sich "superglücklich, dass wir uns nicht mehr einsperren müssen, um unsere traditionelle Prinzenproklamation auf dem Hauptmarkt abhalten zu können".Meinung

Teilerfolg für die Vernunft
Es ist ein mutiges und ermutigendes Signal, das der Stadtrat mit seiner Absage an ein Alkoholverbot an Weiberfastnacht 2015 gegeben hat. Mutig, weil er sich dem Drängen der Polizei auf eine harte Linie widersetzt. Ermutigend, weil die überraschende Entscheidung zeigt: Die Demokratie lebt. Die Vernunft ebenfalls. Warum sollen alle Karnevalisten und feierfreudigen Menschen für Ausraster einer respekt- und verantwortungslosen Minderheit büßen? Doch ob die Vernunft auf ganzer Linie siegt, wird sich erst am 12. Februar 2015 zeigen - an Weiberfastnacht, dem Auftakt des Straßenkarnevals. Wenn die Prinzenproklamation samt Rahmenprogramm auf dem Hauptmarkt ohne negative Vorkommnisse über die Bühne geht, wird der Narrenkäfig von 2014 eine Eintagsfliege gewesen sein. Und eine absurde überdies: Andernorts will man Karneval zum Weltkulturerbe erklärt haben - und in Trier hat man ihn eingesperrt. r.morgen@volksfreund.de