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Entwarnung in Trier: Porta Nigra zerfällt noch nicht

Entwarnung in Trier: Porta Nigra zerfällt noch nicht

Großes Expertentreffen am Montag in der Porta Nigra. Thema: Stand der Untersuchungen zur Vorbereitung der Restaurierungsarbeiten am einstigen römischen Stadttor. Der Handlungsdruck, so hat sich gezeigt, ist geringer als befürchtet. Dennoch will Mainz die Rettung der Porta offenbar nicht auf die lange Bank schieben.

Die Porta Nigra ist mehr als 1800 Jahre alt - und immer wieder für eine Überraschung gut. "Die Original-Bausubstanz ist überraschend gut in Schuss und weniger stark beschädigt, als wir zunächst befürchtet haben", sagt Walter Hartleitner. Der Steinspezialist aus Hofheim (Unterfranken) ist der Chefrestaurator der im Mai angelaufenen umfassenden Untersuchungen am einstigen römischen Stadttor. Hätte er den Gebäudezustand jetzt mit einer Schulnote zu bewerten, "dann würde ich eine glatte Zwei geben". Klingt nach Entwarnung, ist es aber nicht: "Darauf darf man sich nicht ausruhen, dass der Kordeler Sandstein seit so langer Zeit Wetter und Umwelteinflüssen trotzt. Es gibt unverkennbare Schäden von Abschuppungen bis zu Rissen. Sie werden sich zu echten Problemen entwickeln, wenn man sie nicht bald behebt." Ulrike Wulf-Rheidt, Leiterin des Architekturreferats am Deutschen Archäologischen Institut (DAI), pflichtet bei: "Die Sanierung auf die lange Bank zu schieben, würde das Projekt nur verteuern." Mit welchen Summen zu rechnen ist, lassen die Voruntersuchungen erahnen. 1,2 Millionen Euro hat das Land bereitgestellt, um das in seiner Obhut stehende besterhaltene antike Stadttor nördlich der Alpen ein Jahr lang eingehend zu untersuchen.Keine "Sanierung light"


Die eigentliche Rettung dürfte, auch wenn sich Stefan Schuh vom Finanzministerium beharrlich weigert, auch nur einmal laut über eine Größenordnung nachzudenken, nicht unterhalb eines zweistelligen Millionenbetrags zu haben sein.
Am Montag erstatteten die beteiligten Experten einen Zwischenbericht zu den laufenden Untersuchungen. Hauptadressaten: der wissenschaftliche Beirat, der das Projekt begleitet. Dessen Vorsitzender Heinz Günter Horn zeigte sich vor allem darüber erfreut, dass es in Mainz trotz leerer Kassen offenbar keine Tendenz hin zu einer billigen "Sanierung light" gibt und warnte dennoch vorsorglich: "Bei uns in Köln sagt man: Fummeln ist auch Pfusch." Und "gefummelt" wurde wohl schon oft an der Porta, zuletzt bei der Restaurierung von 1968 bis 1973, als Fugen mit Mörtel verfüllt wurden, der längst selbst ein Sanierungsfall ist.
Als vor acht Jahren Mörtelstücke aus fast 30 Metern Höhe vom Porta-Westturm stürzten, schrillten die Alarmglocken. Was jetzt dazu führt, dass sich die Porta Nigra prominenter Begutachtung und Untersuchung bis hin zum 3D-Scanning und kompletter Neuvermessung erfreut. Das DAI ist erstmals seit den Ausgrabungen in den Kaiserthermen vor fast 100 Jahren wieder in Trier aktiv. Außerdem beteiligt sich die Uni Trier an den Untersuchungen. Die stehen unter Projektleitung von Marion Basten vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) und sollen bis zum Sommer 2013 dauern. Als Ergebnis wird eine "Haushaltsvorlage Bau" erwartet, die vorschlägt, wie die Porta-Sanierung vonstatten gehen und was sie kosten soll. Die Zustimmung des Landtags vorausgesetzt, könnte die Rettungsaktion 2015 beginnen. Dauer: möglicherweise zehn Jahre, in denen sich immer ein Teil des Stadt-Wahrzeichen hinter Baugerüsten verbirgt.