Er liebt altes Gemäuer und Trittenheimer Gastlichkeit

Trittenheim · Vor drei Jahren hat Bernd Ohrenberg zum ersten Mal einen Fuß nach Trittenheim gesetzt - im Urlaub. Heute ist der Bauunternehmer aus Stade bei Hamburg stolzer Besitzer der ehemaligen Schule und des ältesten Hauses in der Moselgemeinde.

Der Käufer der alten Trittenheimer Schule, Bernd Ohrenberg (links), mit Ortsbürgermeister Franz-Josef Bollig vor dem Objekt. Unter anderem sollen in dem Komplex vier Wohnungen entstehen.TV-Fotos (2): Albert Follmann

Foto: (h_tl )

Bernd Ohrenberg (49) kann zupacken. Der große, kräftige Mann wuchtet gerade einen alten Ofen auf einen Anhänger. Seit geraumer Zeit räumt er mit Hilfe seines Freundes Michael Goohsen die alte Schule, in der die Trittenheimer Kinder bis 1965 unterrichtet wurden.

Ohrenberg, Chef einer Firma für Bausanierung im niedersächsischen Stade, hat das große Gebäude mitten in Trittenheim von der Gemeinde gekauft. Ebenso ein altes, leerstehendes Winzerhaus in der Nachbarschaft. Es ist das älteste Haus im Ort, 1585 erbaut.
Vor gut drei Jahren wusste Ohrenberg noch wenig von der Mosel und nichts von Trittenheim. Er habe seinen Sohn während dessen Kuraufenthalts in Bruchweiler (Hunsrück) mit dem Motorrad besucht, erzählt der 49-Jährige, dabei sei er zufällig nach Trittenheim geraten. Ihm gefiel der Ort so gut, dass er mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar dort Urlaub machte.
Im Sommer vergangenen Jahres übernachtete Ohrenberg im Gästehaus Spieleshof von Gisela Bollig, der Beigeordneten von Trittenheim. Die beiläufige Frage am Frühstückstisch, ob es noch alte Immobilien im Ort gäbe, bejahte Gisela Bollig und stellte gleich den Kontakt zu Ortsbürgermeister Franz-Josef Bollig her. Noch am gleichen Wochenende kam es zur ersten Besichtigung der Objekte.Verhandlung mit Denkmalamt


Es folgten Verhandlungen mit der Gemeinde und dem Denkmalamt, denn das älteste Trittenheimer Haus steht unter Denkmalschutz. Auch gab es Termine mit dem Ortsbürgermeister bei der Kreisverwaltung und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. Im November 2014 stellte Ohrenberg sein Konzept dem Gemeinderat vor. Es stieß auf Wohlwollen. Da Trittenheim Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung ist, fließen auch Fördermittel für Sanierungsmaßnahmen. Rund 20 000 Euro beträgt der Höchstzuschuss pro Objekt.
Am 8. Juni wurden die Kaufverträge unterschrieben. Bernd Ohrenberg ist glücklich: "Ich fand Trittenheim gleich so knuddelig. Hier ticken die Uhren noch anders." Die Dorfgemeinschaft, die Gemütlichkeit, der gute Wein und die schöne Landschaft - das alles seien Gründe für den Immobilienkauf gewesen. Auch hätten die Trittenheimer ihn gut aufgenommen, sagt der Unternehmer. Seine Frau schwärme noch heute von einer Karnevalsfeier im Ort.
Ohrenberg ist gelernter Maurer und Fliesenleger. 2010 machte er sich in der Hansestadt Stade selbstständig. Er beschäftigt 16 Leute, darunter zwei Lehrlinge. Hin und wieder will er mit einer kleinen Kolonne über ein verlängertes Wochenende nach Trittenheim kommen, um seine Objekte zu sanieren. In der alten Schule möchte er vier Wohnungen von je etwa 100 Quadratmetern Größe ausbauen, das historische Gebäude nebendran will der Investor selbst bewohnen, wenn er in Trittenheim ist. Auch eine Zweigstelle seiner Firma B.O.B Bausanierung möchte Bernd Ohrenberg in der alten Schule eröffnen. Die ehemaligen Räume der Feuerwehr werden als Büro und Lagerhalle genutzt. Ein Anbau, der sich zwischen Schule und altem Haus befindet, soll abgerissen werden.Bolzplatz mit erworben


Die alte Bausubstanz will der Investor so weit wie möglich erhalten, seien es alte Balken, Holzböden, Fliesen oder das Schieferwaschbecken, eine Rarität in der alten Schule. Seit zwei Jahren steht dieses große Gebäude in der Spielesstraße leer. Die Vitis AG, die Traubenkernöl vertreibt, hatte zuletzt in den früheren Klassen Büros bezogen.
Über den Kaufpreis schweigen sich die Beteiligten aus. "Jeder ist zufrieden", sagt Ortsbürgermeister Bollig. Man sei sich schnell einig geworden. Ihn freut besonders, dass der Ortskern weiter aufgewertet wird.
Den Bolzplatz hinter der alten Schule und den Weg aus Richtung neuer Schule hat Ohrenberg mit erworben, die Unterhaltspflicht liegt jedoch bei der Gemeinde. "Die Kids sollen hier weiter spielen können", verspricht Ohrenberg.