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Er schreibt und schreibt und bringt noch was voran

Er schreibt und schreibt und bringt noch was voran

Eine Skulptur eines weltbekannten Künstlers steht in Trier ziemlich einsam und verkannt in einer Ecke. Das könnte sich nun ändern - dank des neuen Buches eines alten Hasen in der Kommunalpolitik.

Trier. Schröer zieht noch immer: Gut 150 Gäste füllen am Donnerstagabend den Lesessaal der Stadtbibliothek in der Weberbach. Helmut Schröer, ehemaliger Oberbürgermeister der Moselstadt, stellt dort sein mittlerweile viertes Buch vor. "Trierer Geschichten" heißt es, und es erzählt in zwölf Kapiteln Hintergründiges zu unterhaltsamen Begebenheiten aus seinen Amtszeiten (der TV berichtete). Der Saal ist voll mit ehemaligen Weggefährten, Freunden, regelrechten Schröer-Fans, die dem Hausherrn Professor Michael Embach auch gleich ein empörtes, vielstimmiges "Ooobeeer" entgegenrufen, als er Schöer in seiner Begrüßung versehentlich zweimal nur als "Bürgermeister" anmoderiert.
Die Zuhörer erleben dann ein unterhaltsames Gespräch, bei dem Schröer tatsächlich einige "Blicke durchs Schlüsselloch" ins Rathaus zulässt, wie Paulinus-Geschäftsführerin Annette Peters angekündigt hat. Uni-Präsident Michael Jäckel als Moderator ist mehr als nur ein Stichwortgeber. Zwischen Schröers Anekdoten zur 2000-Jahr-Feier, zur Ehrenbürgerwürde Oswald von Nell-Breunings, zum Besuch von Altkanzler Helmut Schmidt oder zum Grand-Prix-Auftritt von Guildo Horn liefert er sich mit Jäckel einige neckische Wortgefechte. So spielt Jäckel mal auf Schröers überschaubare Körpergröße an und bekommt dafür prompt einen Return über seine angeblich mangelhaften Tennisspielkünste von Schröer zurück.
Lustige Seitenhiebe


Die Zuhörer haben viel zu lachen. Auch dank mancher Seitenhiebe, die der Ex-OB galant in seine Erzählungen einbaut. "Finanziell hatten wir damals bei der Eintracht - merkwürdigerweise - keine Probleme", sagt Schröer etwa, als er über die Pläne zum Bau eines neuen Moselstadions 2005 berichtet. Oder: "Die Sparkasse war dabei, einer musste die Reise ja bezahlen", als es um einen Besuch beim Bildhauer und Architekten Max Bill in Zürich geht. Zu diesem Besuch hatte ihn der damalige, ausgesprochen kunstsinnige OB Felix Zimmermann 1984 kurzfristig verpflichtet. Max Bill, 1994 gestorbener Schweizer Bildhauer mit Weltruhm, ist ein Thema, das Schröer am Herzen liegt. Das Kapitel in seinem Buch dreht sich um die Plastik "Zwilling aus einer Viertelkugel", die just nach dem Bill-Besuch von der Sparkasse als Geschenk an die Stadt Trier zur 2000-Jahr-Feier erworben wurde. Provisorisch stand sie zunächst neben dem Rathaus, sollte eigentlich einen prominenteren Standort bekommen, landete dann aber auf der Wiese links neben dem Eingang zum Stadttheater, wo sie bis heute ein eher unscheinbares Dasein fristet. Dass es sich bei der Plastik um ein vermutlich Hunderttausende Euro wertvolles Kunstwerk handelt, dürfte den wenigsten Theaterbesuchern auffallen und den meisten Trierern nicht bekannt sein. Das sollte sich ändern, fordert Schröer, und bringt den Brunnenhof als Alternativstandort ins Spiel. Weil Baudezernent Andreas Ludwig, Christdemokrat wie Schröer, zu den Gästen in der Stadtbibliothek gehört, hat dieser damit ein neues Thema auf seiner Agenda. "Ich finde die Idee gut", sagt Ludwig, vom Volksfreund nach der Veranstaltung befragt. Er sei ebenfalls ein "Max-Bill-Fan", das Kunstwerk habe eine größere Würdigung verdient. Er werde den Brunnenhof als Standort prüfen lassen, sagt Ludwig, mit der Denkmalpflege sprechen, der Generaldirektion Kulturelles Erbe, den Technikern und der TTM - denn schließlich müsste das Kunstwerk dort so stehen, dass es die Open-Air-Veranstaltungen nicht behindere.
Aus früheren Verwaltungsakten sind bei Schröer vier Bücher entstanden. Jetzt wird aus einem seiner Buchkapitel ein Verwaltungsakt. Das dürfte dem 74-Jährigen gefallen - vor allem, wenn es für das Bill-Kunstwerk ein positives Ende gibt.Extra

 Ein Kunstwerk, das kaum jemand kennt. Die Skulptur des Bildhauers Max Bill soll einen anderen Standort bekommen, wünscht sich Helmut Schröer.
Ein Kunstwerk, das kaum jemand kennt. Die Skulptur des Bildhauers Max Bill soll einen anderen Standort bekommen, wünscht sich Helmut Schröer. Foto: (h_st )

Zum Rahmenprogramm der Buchvorstellung gehörte neben Gitarrist Ralph Brauner auch Walter Schrage, Trierer Mundart-Urgestein. Er trug zwischendurch Gedichte des Heimatdichters Werner Becker vor - sowie ein eigenes Werk, passend zu St. Martin. Außerdem reimte Schrage auch eine kurze Lobeshymne auf den ehemaligen Oberbürgermeister: "Hen is a Vorbild, kaan Malheur. Bleiw weiter so, Helmut Schröer!"