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Er sorgt für einen Ort der Stille

Er sorgt für einen Ort der Stille

An der vor wenigen Wochen eingeweihten Gedenkstätte für die von Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma am Bischof-Stein-Platz bleiben viele Menschen stehen. Das freut den Schöpfer des Mahnmals, den Trie rer Künstler Clas Steinmann.

Trier. Eine Schülerin unterbricht ihren Weg in die Stadt, um zu lesen, was in der Nische an einer der Bronzestelen am Bischof-Stein-Platz steht. Kurze Zeit darauf macht eine Gruppe Touristen am Denkmal halt. Einige zücken ihr Mobiltelefon, um über eingravierte Codes im Internet zu weiteren Infos über die Schicksale Trierer Sinti und Roma geleitet zu werden. Im Fünfminutentakt informieren sich Menschen an den Stelen - für einen Moment halten sie inne. "Super, dass das Denkmal so angenommen wird", sagt sich Clas Steinmann.
Menschen ganz nah


Clas ist der Künstlername des 71-Jährigen, eigentlich heißt er Klaus. Was die zufällig Vorbeikommenden nicht wissen: Er ist der Schöpfer der Gedenkstätte für die von Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma. Sein Entwurf war im Rahmen eines Wettbewerbs ausgewählt worden.
Bevor er seine Ideen aufs Blatt brachte, hatte er den neu gestalteten Platz an der Nordseite des Doms genau inspiziert: "Die Windstraße weitet sich trompetenförmig aus, der Platz hat eine unregelmäßige Form", beschreibt Steinmann, der von 1972 bis 2006 Professor im Fachbereich Gestaltung an der Fachhochschule Trier war, grob seine ersten Eindrücke vom Bischof-Stein-Platz. Auch der Frage "Wie antwortet man auf ein Fassadenkonglomerat" habe er sich gestellt. Denn an der Nordseite des Doms lassen sich die einzelnen baugeschichtlichen Entwicklungsschritte des Gotteshauses ablesen. Auf die "wunderschönen, aber schwierigen Gegebenheiten" hat Steinmann eine Antwort gefunden: Sechs grün patinierte Bronzestelen streben im gleichen Abstand zueinander gen Himmel. Zwischen der Mauer entlang der Dompropstei und der Stelenreihe entstand ein besonderer Ort: "Ein Ort der Stille, des Rückzugs", sagt Steinmann. Die Zahl sechs sei dabei bedeutungslos. "Wichtig war mir, eine Skulpturengruppe für uns heute zu schaffen", sagt Steinmann. Eben einen Gegensatz zu den historischen Bauten rundherum, der sich dennoch harmonisch einfüge.
Der Trierer Künstler hat schon zahlreiche Auszeichnungen für Zeichnung, Malerei und Kunst im öffentlichen Raum erhalten und weltweit ausgestellt. Ob im Klinikum Mainz, am Landesmuseum Trier oder im Max-Planck-Institut in Potsdam - seine Werke laden zum Staunen, Nachdenken oder eben, wie das jüngst erschaffene Mahnmal, zum Innehalten ein. "Die Stelenreihe steht auch für das höchstmögliche Maß an Toleranz", sagt Steinmann, während wieder ein Teenager in die Nische lugt, auf der steht: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."