Er will doch nur spielen

Ein Hobby, das zum Beruf wird, ein Lebenslauf, der andere als zunächst gedachte Wege einschlägt, ein Traum, der Realität wird. Das alles steht hinter Pascal Urgiero (36). Seit einigen Monaten ist er Inhaber seines eigenen Geschäftes, der "Spielbar".

Trier. Einige Träume müssen erst begraben werden, damit sich neue entwickeln können. "Ich wollte eigentlich technischer Zeichner werden", erzählt Pascal Urgiero. Statt dessen absolvierte er eine Landschaftsbau-Lehre. "Im eisigen Winter Bäume zurechtstutzen, das hat mir das Talent zum Malen aber erst einmal genommen." Plan B war es, das Abitur nachzuholen und sich für ein Studium einzuschreiben. Linguistische Datenverarbeitung, Medienwissenschaften und Psychologie. "Weil ich die Idee hatte, an künstlichen Intelligenzen und der Kommunikation zwischen Menschen und elektronischen Geräten zu forschen."Doch die alte Leidenschaft, die Urgiero seit Kindertagen gefesselt hat, legte auch diesen Plan ad acta. Zu groß war die Magie von kleinen Zinnfiguren, von komplexen Brettspielen, von neuen Geschichten und Welten nach Mittelerde und Star Wars. Die Miniaturen zu bemalen sei "so eine Art Meditation für mich". Sich in die Spielewelten zu vertiefen, schätzt Urgiero, weiß aber auch nach exzessiven Sessions Maß zu halten. In seiner Wahlheimat Trier fand er jedoch keine homogene Spieler-Community. "Es gab Spieler in Trier, aber die haben sich nicht organisiert getroffen und waren ohne jedes Selbstbewusstsein." Treffen in Küchen waren an der Tagesordnung, Armeen wurden zwischen Töpfen und Herd zusammengestellt, Spiel-Strategien in Studentenbuden entwickelt. Große Turniere gab es nicht.Sein Studium hängte Urgiero an den Nagel, suchte sich finanzielle Förderquellen, leistete Überzeugungsarbeit bei Banken, Familie und Freunden, machte betriebswirtschaftliche Fitness-Übungen, rechnete und plante. "Ich bin relativ risikofreudig, aber nicht wahnsinnig. Trotzdem habe ich viele Absagen kassiert. Und es gab Tage, da war ich verzweifelt und am Boden zerstört." Schon an der Uni störte es ihn, nur "zu falsifizieren und zu erfahren, was nicht geht". Sich selbst attestiert er Ehrgeiz und die Eigenschaft, für seine Träume zu kämpfen.Einer dieser Träume heißt "Spielbar". Auf knapp 100 Quadratmetern bietet der Jungunternehmer alles, was das Spielerherz erfreut. Turniere und Workshops, in denen man lernt, Spielfiguren und -felder zu basteln, sowie ein Forum für Gleichgesinnte. Denn während man bei Computerspielen und Spielekonsolen Einzelkämpfer sei - zunächst Freund von vielen und schließlich doch allein -, würden seine favorisierten "Pen and Paper"-Spiele die Kommunikation fördern und"Menschen sozialisieren". "Life-Rollenspiele — die sind reizvoll, aber man hat mich noch nie im Gandalf-Kostüm gesehen. Dafür reicht meine Fantasie nicht."