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Erfolg durch Erfindungsreichtum

Erfolg durch Erfindungsreichtum

TRIER. Mit futuristischen Projekten, aber auch mit handfestem Gebrauchs-Design überzeugen Trierer FH-Studenten sogar den renommierten deutschen "Art Directors Club". Regional und überregional hagelt es Auszeichnungen für das vergleichsweise kleine Fach.

Es geht in der Regel um "Gegenständliches" bei den knapp 200 Nachwuchs-Designern in den Fächern "Dreidimensionales Gestalten" und "Design Körper Raum". Will heißen: Die Arbeit spielt sich nicht nur am Bildschirm ab. "Man muss es buchstäblich be-greifen können", sagt Professorin Anita Burgard. Bei den Ideen und der Gestaltung sind die Studenten ungewöhnlich frei.Ravensburger interessiert sich für Spiel-Idee

"Erst mal gar nicht bremsen", lautet Burgards Devise. Die Produkte, Verpackungen und Objekte, die dabei entstehen, sind logischerweise recht unterschiedlich. Manchmal werden sie unmittelbar für die Praxis erfunden, wie Jonas Kartenbecks Schlauchmembranpumpe für die Eifeler Firma "Feluwa". Die laut Jury "attraktive Geräteskulptur" erhielt den Rheinland-Pfalz-Designpreis. Ein derart hochkompliziertes technisches Gerät zu entwerfen, das klingt eher nach einer Aufgabe für einen Ingenieur als für einen Designer. In der Tat müsse man "immer reingehen" in die technischen Inhalte, sagt Professorin Burgard, aber nicht zu weit, "sonst verlieren wir den Blick von außen und werden zu Fachidioten". Da hilft es, wenn man gelegentlich die Fantasie spielen lässt. So hat Jonas Kartenbeck nicht nur die Pumpe entworfen, sondern auch eine Art Kochbeutel, der an den USB-Stick eines Computers angeschlossen werden kann. Wo sonst die Maus dranhängt oder der IPod aufgeladen wird, soll während der Arbeit am PC ein kleiner Imbiss energiesparend aufgewärmt werden. Beim deutschen Verpackungswettbewerb waren die "USB-Würstchen" einen Förderpreis für den "ungewöhnlichen, visionären Ansatz" wert. Noch entschieden futuristischer sind die Entwürfe von Oleg Friesen für eine "Marken-Organ-Bank". Die Idee entstand bei einer eher hausbackenen Ausstellung mit Zukunftsprodukten für die ältere Generation. Statt langweiliger Standard-Produkte entwickelte Friesen einen kühnen Vorschlag: Unternehmen, deren Produkte menschliche Organe schädigen, sponsern die Entwicklung künstlicher Ersatzteile. Die Cola-Niere, der Burger-King-Magen, die Apple-Augen: Das offenkundig nicht ganz ernst gemeinte, aber optisch faszinierend umgesetzte Marken-Konzept sorgte für Begeisterung beim Lifestyle-Magazin Neon ("eine der zehn besten weltverbessernden Erfindungen") und dem renommierten "Art Director Club Deutschland" (Wettbewerbssieger "beste Semesterarbeit 2005"). Einen der begehrten ADC-Preise holte sich auch Patrick Meny mit einem in Trier gedrehten, unkonventionellen Kurzfilm. Für den Wittlicher Daniel Donath, dessen dreidimensionales Irrgarten-Spiel "Knossos" den Förderpreis der Fachhochschule erhielt, könnte die spielerische Diplomarbeit gar in eine konkrete Umsetzung münden. "Es gibt Erfolg versprechende Gespräche mit Ravensburger", berichtet der frisch gebackene Diplom-Designer. "Knossos" ist so konzipiert, dass das attraktiv gestaltete, durchsichtige Spielbrett komplett auf den Kopf gedreht werden kann. Dadurch ergeben sich viele neue Spielvarianten, für die Donath eigenständig das Regelwerk entwickelt hat. Für Irrgärten und komplizierte Wegsysteme hat er sich von Kind auf interessiert. Das darauf basierende Spiel hat er im privaten Kreis erfolgreich getestet. Und woher kommt so viel Kreativität? Donaths Antwort ist verblüffend einfach: "Man hat uns eben tun und lassen machen, was wir wollten." Ein Freiraum, der sich an der FH zum Erfolgsmodell zu entwickeln scheint.